Freiberger Ehepaar heimst Architekturpreis ein

Schlicht von außen, raffiniert im Inneren: Das Haus am Mühlgraben bietet seinen Bewohnern alles, was ein Familienleben angenehm macht.

Freiberg.

Auf den ersten Blick macht das Gebäude am Mühlgraben in Freiberg mit der Hausnummer 10 offenbar nicht viel her. Denn die Jury, die den dritten Architekturpreis der Stadt verleihen durfte, hat über den Vorschlag zunächst nur mit den Schultern gezuckt. Diese Anekdote erzählte der Bürgermeister für Stadtentwicklung jetzt bei der Preisverleihung. "Na gut, schauen wir es uns einmal an", fuhr Holger Reuter fort. "Die Wende kam dann bei der Begehung." Da merkte Reuter, selbst vor Jahren privater Bauherr, das Haus hat was. Denn er fragte sich vor Ort immer wieder, "Mensch, warum hast du das nicht selber so gemacht".

Es ist in der Tat so, dass man dem Neubau die Feinheiten und Ideen nicht von außen ansieht. Doch Architekt Michael Milew hat ein spannendes Konzept entwickelt und durchgehalten, wie es Anja und Torsten Bergt, die seit einem guten Jahr im Haus leben, dankbar betonten. 180 Quadratmeter Wohnfläche sind entstanden, großzügig geschnitten und mit solch kleinen Feinheiten versehen wie einer Tür, die nicht nur einen Durchgang, sondern auch einen Wandschrank verschließt. Eine große Wohnküche, je ein Zimmer für die drei Kinder, ein Gäste- und Arbeitsraum unter dem Dach, dazu ein Garten, der gleichsam Spielplatz ist. An alles, was ein modernes Familienleben ausmacht, scheint gedacht worden zu sein.

Ein kleines Hindernis musste beim Bauen trotzdem gemeistert werden: Der Untergrund ist nicht stabil genug. "Deshalb mussten 41 Bohrpfähle eingebracht werden", erzählt Thomas Bergt. "Ansonsten hätte man, wie der Architekt sagte, wie auf Pudding gebaut."

Das Paar ist, wie beide erklärten, überrascht gewesen, den Architekturpreis zu erhalten. Die Konkurrenz sei sehr stark. Es war laut Jury-Mitglied Jürgen Bellmann auch eine knappe Entscheidung. "Aber wir sind nicht im Streit auseinandergegangen", lächelt er.

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