Was jetzt schon in einer Pilotanlage funktioniert, könnte künftig in größeren Anlagen in Sachsen und weltweit zum Einsatz kommen. Mit der Entwicklung eines Teams der TU Bergakademie lassen sich Flüsse und Bäche vor toxischen Metallen schützen.
Wasser in Wein verwandeln, das kann Eberhard Janneck nicht. „Ich bin kein Alchemist“, sagt der Seniorberater der Freiberger Ingenieurgesellschaft Geos. Doch mit der von ihm betreuten Pilotanlage an der Spülhalde Hammerberg am östlichen Stadtrand von Freiberg lässt sich Sickerwasser soweit aufbereiten, dass keine giftigen Schwermetalle wie Cadmium, Aluminium oder Zink in die nahe gelegene Freiberger Mulde gelangen. Entwickelt wurde das dabei verwendete Wasserbehandlungsverfahren im Projekt „MindMontan“ von einem Team der TU Bergakademie Freiberg gemeinsam mit Geos und dem Förderverein Montanregion Erzgebirge.
„Damit entlassen wir noch saubereres Wasser in die Freiberger Mulde“, erklärte die Projektleiterin von der TU Freiberg, Sabrina Hedrich, am Mittwoch bei einer Vorstellung der Pilotanlage.
Welche Bedeutung das in Freiberg entwickelte Verfahren hat, erklärte Christine Stevens, Referentin vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Laut EU-Wasserrahmenrichtlinie sollen bis 2027 alle europäischen Gewässer einen guten ökologischen und chemischen Zustand erreicht haben. Das im „MindMontan“-Projekt entwickelte Verfahren könne dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen, wenn es im größeren Rahmen an ehemaligen Bergbaustandorten angewendet wird. In Sachsen verfehlen über 1300 Kilometer an Bächen und Flüssen die Anforderungen der EU-Richtlinie aufgrund der bergbaubedingten Belastungen. „Besonders betroffen sind die Einzugsgebiete der Freiberger und Zwickauer Mulde“, so die Referentin.
Kostengünstige und nachhaltige Lösungen, wie die in Freiberg entwickelten, passiven Wasserbehandlungstechnologien seien dringend erforderlich, um die Folgen des historischen und potenziellen neuen Bergbaus für die Umwelt zu minimieren.
Und so funktioniert die Anlage in Freiberg
Die Folgen des Bergbaus sind auch mehr als 50 Jahre nach der Stilllegung der Spülhalde am Stadtrand von Freiberg im Wasser nachweisbar. Die Sickerwässer sind durch Aluminium, Cadmium, Zink, Mangan und weitere Metalle kontaminiert, so Sabrina Hedrich, Professorin für Mikrobiologie und Biohydrometallurgie an der Bergakademie. Außerdem seien sie durch niedrige pH-Werte und hohe Sulfat-Konzentrationen belastet. Auch wenn für Menschen keine Gefahr bestehe, brauche es Lösungen, um die Belastung für die Natur zu minimieren.
Dazu ist seit Juli 2024 die Pilotanlage auf dem Gelände der Saxonia Standortentwicklungsgesellschaft mbH in Betrieb, wo seit 2012 der frühere Bergbaustandort saniert wird. In mehreren Stufen reinigt die unscheinbare Anlage das kontaminierte Sickerwasser durch eine Kombination aus mikrobiologischen und chemischen Verfahren. Den Strom für Pumpen liefert eine Photovoltaikanlage samt Speicher. Von Speicherbehältern aus fließt das Wasser durch die kaskadenartig aufgebaute Behandlungsanlage, wo es Schritt für Schritt gereinigt wird. In der ersten Behandlungsstufe wird der pH-Wert des sauren Wassers mit Hilfe eines Kalksteinfilters angehoben. Dabei fällt auch das im Wasser gelöste Aluminium aus und wird aufgefangen. Die zweite Behandlungsstufe ist ein sogenannter Bioreaktor, in dem sich eine Mischung aus Kalkstein, Holzchips, Stroh und Kompost befindet. Metalle fallen hier als Metallsulfide aus und werden im Biomix zurückgehalten. Dritte Stufe ist ein Pflanzenbecken, das als natürliche Kläranlage restliche Schadstoffe und Schwebstoffe aus dem Wasser filtert. Gereinigt wird noch nicht das komplette Sickerwasser an der Freiberger Halde, dafür müsste laut Geos-Mitarbeiter Eberhard Janneck die Anlage etwa hundert Mal so groß sein wie jetzt.
Pilotanlage soll Nachfolger im Erzgebirge finden
Noch bis Dezember dieses Jahres wird die Pilotanlage in Freiberg betrieben, dann läuft die Förderung aus. Das Projekt wird vom Bundesforschungsministerium mit rund 370.000 Euro bezuschusst. Doch gibt es bereits die Aussicht, das Verfahren danach im Erzgebirge an einem früheren Bergbaustandort, dem St. Christoph-Stolln in Breitenbrunn, anzuwenden. Die nächste Stufe für das Projekt wäre dann ein ganzjähriger Betrieb einer größeren Pilotanlage. (jl)





