Freiberger Stadträte schmieden Allianzen

Vor den Kulissen blieb es in den vergangenen Wochen ruhig. Doch im Verborgenen fanden Absprachen statt, wer mit wem in den nächsten Jahren zusammenarbeitet.

Freiberg.

Vor etwas mehr als zweieinhalb Monaten haben die Freiberger ihren neuen Stadtrat gewählt. Am heutigen Montag tritt das 34Köpfe zählende Gremium erstmals zusammen - und zwar in der Nikolaikirche. Langgediente Lokalpolitiker werden dann in den dortigen Reihen genauso Platz nehmen wie Politneulinge. So prägt zum Beispiel Dr. Ruth Kretzer-Braun, die Fraktionschefin der Linken, schon seit 1990 die Geschicke in der Bergstadt mit. Die 25-jährige Theresa Jaster von der CDU zieht hingegen wie 14 weitere Freiberger neu in das Gremium ein.

Große Beschlüsse fassen müssen die Lokalpolitiker an dem Tag nicht. Sie werden im festlichen Rahmen von Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) verpflichtet. Außerdem wird festgelegt, wer sich in welchen Ausschüssen einbringt. In diesen Gremien erfolgt die eigentliche Arbeit, schließlich werden hier wichtige Entscheidungen vorab diskutiert, die Beschlüsse beraten und teilweise beschlossen. Auch informiert hier die Verwaltung in einem relativ frühen Stadium über geplante Vorhaben. Die Folge: In den eigentlichen Stadtratssitzungen werden viele Beschlüsse nur noch durchgewunken und kaum darüber diskutiert.


In den vergangenen Wochen dürften sich daher innerhalb der einzelnen Parteien und Gruppierungen die Gespräche auch über die Zusammensetzung der Ausschüsse gedreht haben. Aber nicht nur: Es ging auch darum, Allianzen für die nächsten fünf Jahre zu schmieden.

Volker Meutzner, der für Haus-Grund erneut in den Stadtrat einzog, drohte kurzzeitig das Schicksal eines Einzelkämpfers, da ihm seine Mitstreiter von der FDP abhanden kamen. Die beiden Liberalen Werner Helfen und Claus Mildner suchten nach der Wahl den Schulterschluss mit den Christdemokraten. Doch am Samstag die Wende: Die Linke bildet, wie Fraktionschefin Kretzer-Braun erklärte, künftig mit Meutzner eine Fraktion. Während in der zurückliegenden Legislaturperiode Bündnis 90/Die Grünen noch keine eigene Fraktion bilden konnten, da sie nur über zwei Sitze verfügten, ist es diesmal anders: Sie haben die Mindeststärke von drei Sitzen. Fraktionen haben mehr Rechte als einzelne Stadträte -sie können unter anderem dafür sorgen, dass über ein Thema in einer Sitzung gesprochen wird.

Am heutigen Montag konstituiert sich der Freiberger Stadtrat. Die Sitzung findet ab 16 Uhr in der Nikolaikirche statt. Eine Übersicht über die Stadträte finden Sie auf Seite 11.

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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    8
    Einspruch
    19.08.2019

    Man könnte es auch Betrug der Wähler nennen.

  • 5
    4
    Lesemuffel
    19.08.2019

    Vorschlag: Große Koalition aus CDU, Linke, SPD und Grünen, macht 18 Sitze und damit hätte der Wahlsieger das Nachsehen. Die vier Parteien haben doch viele gemeinsame Schnittmengen, unterscheiden sich kaum. Sieg der Demokratie.

  • 6
    7
    Urlaub2020
    19.08.2019

    Leider wird des Volkes Stimme untergehen.

  • 5
    1
    Bader
    19.08.2019

    In Freiberg scheint einiges möglich zu sein. "Miet-Haie" (Haus und Grund) und "Hai-Jäger" (die Linken) in einem Boot. Die inhaltliche Schnittmenge/Motivation der Beteiligten wäre interessant zu wissen. Ich drücke die Daumen für "unblutigen" Ausgang im Sinne der Wähler beider Fraktionen...



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