Freibergerin darf einmal Diplomatin sein

Die Freibergerin Marleen Wachs begibt sich mit anderen Studenten der TU Chemnitz auf internationales politisches Parkett.

Mit der Republik Zentralafrika kennt sich Marleen Wachs inzwischen ziemlich gut aus. Sie weiß, dass es um die humanitäre Situation in dem afrikanischen Land schlecht steht und dass die Analphabetenrate noch bei 50 Prozent liegt. Sie weiß auch, dass im und außerhalb des afrikanischen Landes viele Flüchtlinge leben, die Wirtschaft quasi am Boden liegt und vieles mehr.

Und warum muss die Freibergerin, die an der Technischen Universität Chemnitz im fünften Semester Pädagogik studiert, das eigentlich wissen? "Weil ich an dem Projekt National Model United Nations teilnehme und im März mit anderen Studenten nach New York fliege", erklärt Marleen Wachs. Im Klartext heißt das: Die 21-Jährige will sich auf politisches Parkett begeben und mit Studierenden aus aller Welt eine UN-Vollversammlung simulieren. Dabei wird sie als Diplomatin aber nicht ihr Heimatland Deutschland vertreten, sondern für die Zentralafrikanische Republik in der Vollversammlung sitzen - und das zusammen mit einer Kommilitonin.

Die Delegierten vertreten die Meinung "ihres" Landes dann in simulierten Komitees, zum Beispiel in der UN-Generalversammlung oder im Ausschuss für Fragen der Menschenrechte. Dort diskutieren sie mit Vertretern anderer UN-Mitgliedsstaaten nach einer Tagesordnung aktuelle weltpolitische Themen und entwerfen Resolutionstexte. Die Delegierten versuchen, Unterstützer für ihre Resolutionsentwürfe zu finden oder durch gemeinsam auszuhandelnde Kompromisse im Sinne ihres Landes für sich zu gewinnen, um anschließend im Komitee über die Resolution zu diskutieren. Wird sie im Gremium verabschiedet, wird der Entwurf häufig an die simulierte Vollversammlung der Vereinten Nationen weitergeleitet, wo nach einer erneuten Diskussion und Abstimmung die Resolution endgültig in Kraft treten kann.

Spannende Tage also, die Marleen Wachs mit zehn weiteren engagierten Studenten der TU Chemnitz vom 10. bis zum 24. März in Washington und New York verbringen wird. Mehr als 400 Universitäten weltweit beteiligen sich an dem Studentenprojekt, die Chemnitzer Technische Universität ist bislang die einzige aus Sachsen.

Marleen Wachs räumt ein, schon etwas aufgeregt zu sein vor dieser Herausforderung, die sie auch bis in das Hauptgebäude der Uno in New York führen wird. Dabei hat die sportlich engagierte Freibergerin, die derzeit ein Praktikum beim Kreissportbund Mittelsachsen absolviert, die größte Hürde innerhalb des Projektes schon genommen. Denn, um überhaupt in die Delegation der TU zu kommen, musste sie eine Bewerbung über den Lehrstuhl Politikwissenschaften erfolgreich bestehen. Verhandlungsgeschick, Sicherheit im Umgang mit der englischen Sprache waren nur zwei Punkte dabei. Und Marleen schaffte es. Aufmerksam geworden auf das Studentenprojekt war sie durch die Homepage der TU Chemnitz.

"Seit Oktober treffen sich alle Delegierten unserer Uni wöchentlich zur Vorbereitung", sagt die Studentin. Sie lernen die UN und ihre Zusammensetzung kennen, erfahren viel über die Regeln während der Konferenz und bereiten die Referate vor, die sie als Vertreter ihres Landes dann im März bei der Uno halten werden. Interesse an politischer Bildung und Diskussion hat Marleen nach eigenen Aussagen schon immer, deshalb freut sie sich, dabei sein zu können.

Doch bevor sie ihre Koffer für die USA-Reise, die selbst bezahlt, packt, muss sie erst noch Prüfungen für ihr Studium absolvieren. Und sie sagt schon jetzt: "Es hat sich gelohnt, auch wenn viel Vorarbeit für unsere Reise nötig ist. Ich freue mich sehr auf den März."

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