Freibergsdorfer Hammer wieder schick

In diesem Sommer mussten die Mitstreiter des Hammervereins mit ihren Aktionstagen eine Zwangspause einlegen. Doch langweilig war es ihnen trotzdem nicht.

Freiberg.

Eine arbeitsreiche Zeit liegt hinter den Mitstreitern des Freibergsdorfer Hammervereins aus Freiberg. Während die Handwerker das Dach in Ordnung brachten und eine neue zweizügige Schmiedeesse hochzogen, kümmerten sich die Mitglieder laut Vereinschef Friedrich Schade um den Erhalt und die Pflege des technischen Denkmals, das mehr als 400 Jahre alt ist (siehe nebenstehenden Artikel).

Die Arbeiten am Dach liefen in Regie der Stadt. Die Ausgaben summierten sich laut Tobias Jaster, dem Betriebsleiter des Gebäude und Flächenmanagements, auf annähernd 70.000 Euro. Aufgrund der Bauarbeiten konnten seit dem Schauschmieden zum Deutschen Mühlentag im Juni Interessierte den Freibergsdorfer Hammer nicht mehr besichtigen. Die Zwangspause ließ sich nicht abwenden. Jaster verweist auf die sehr baufällige Schmiedeesse. Auch Vereinschef Schade lässt darüber keinen Zweifel aufkommen. Er spricht von einer "notwendigen Investition" der Stadt, um diese "sehens- und erlebenswerte" alte Schmiede für die Nachwelt zu erhalten.


Derweil fiebert er der Wiedereröffnung "einer der schönsten und ältesten Schwanzhammerschmieden im Erzgebirge" entgegen. "Die Vorfreude wächst", erklärt Schade. Zum Tag des traditionellen Handwerks am 20. Oktober lädt der Verein von 10 bis 17 Uhr zum öffentlichen Schmiedetag ein. "Dann werden das Rauschen des Wassers über die sich drehenden Wasserräder, der Anblick lodernder Schmiedefeuer und Funken sprühenden Eisens unter den Hammerschlägen wieder prickelnde Schmiedeatmosphäre aufkommen lassen", betont Schade.


Technisches Denkmal ist mehr als 400 Jahre alt

Der Freibergsdorfer Hammer ist um 1600 erbaut und 1607 erstmals urkundlich erwähnt worden. Damals wurde dem Rittergutsbesitzer Ernst Schönlebe das Aufschlagswasser zugesprochen. Schmiede pachten den Hammer. Es werden im Laufe der Jahrhunderte unter anderem Hämmer, Meißel und Brechstangen für den Bergbau, aber auch Werkzeuge für die Landwirtschaft hergestellt.

Bis 1903 war der Freibergsdorfer Hammer in Privatbesitz. Seinerzeit erwarb das Hospital St. Johannis das Objekt für 30.000 Mark und verpachtet dies fortan an den Kupferschmied Otto Löffler, der es bis 1954 vorwiegend als Kupferhammer betrieb. Danach arbeitete dort Schmiedemeister Schönherr aus Tuttendorf. Wie auf der Internetseite des Hammervereins weiter zu lesen ist, wird der Schmiedebetrieb 1974 endgültig eingestellt.

Bis 1979 wurde ein Teil der Hammergebäude vom VEB Gebäudewirtschaft Freiberg für andere Zwecke genutzt.

Bis zum Jahr 1989 wurde die gesamte Anlage durch Freiwillige rekonstruiert, unter anderem wurden der Dachstuhl, die Hammerwelle und die Wasserräder gesichert.

1991 gründete sich der Freibergsdorfer Hammerverein, der mehrmals im Jahr zu Veranstaltungen in das technische Denkmal einlädt. Ein Schauschmieden findet zu Neujahr, Ostern, Pfingsten und Weihnachten statt. Auch zum Tag des traditionellen Handwerks kann die Anlage besichtigt werden. (acr)

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