Frische Farbe für die Lutherstube

Der 1917 geschaffene Raum in der Kirche Oberbobritzsch ist fest in der Hand dreier Restauratoren. Für die Zeit danach gibt es schon Ideen.

Oberbobritzsch.

Dass sich etwas tut an der Kirche in Oberbobritzsch, kann man bereits von außen sehen. Gerüste ziehen sich um das Gotteshaus, Handwerker machen sich an der Fassade zu schaffen. Interessant geht es vor allem im Inneren zu.

In der Mitte der ersten Empore befindet sich ein Durchgang, der den Blick freigibt in die Lutherstube, einen Raum, der 1917 anlässlich der 400. Wiederkehr des Anschlags der 95 Thesen durch den Reformator in Wittenberg gestaltet worden war. Über eine kleine Treppe gelangt man hinein, blickt dabei auf eine Fenstermalerei in einer Nische, welche Martin Luther zeigt, versehen mit dem Satz "Ein' feste Burg ist unser Gott". Links und rechts sind weitere Nischen, in einer wurde eine große Kiste vermauert, versehen mit schweren Eisenbeschlägen und Scharnieren. Über dem Türbogen finden sich Bibelsprüche.

Seit gut sechs Wochen ist diese kleine Stube der Arbeitsplatz insgesamt dreier Restauratoren. Ansgard Laskowski und Ute Schreiber-Würdig sind an diesem Tag vor Ort. Im Licht von Scheinwerfern widmen sie sich der Wandbemalung, die stellenweise in einem sehr schlechten Zustand war. "Es scheint so, als hätte hier in 100 Jahren nie jemand etwas restauriert", erklärt Ute Schreiber-Würdig. "Das ist für unsere Arbeit aber sehr gut. Denn so haben wir es mit der ursprünglichen Farbe zu tun, nicht mit irgendwelchen späteren Übermalungen." Zunächst war die Aufgabe, die bestehenden Farbschichten zu sichern. "Die waren schon sehr bröselig geworden", sagt Ansgard Laskowski. Nun trägt man neue Farbe auf. Bis Ende November will man die Arbeit geschafft haben.

500 Reichsmark kostete seinerzeit die Einrichtung der Stube. Für ihre Restaurierung fallen jetzt rund 65.000 Euro an. 30.000 Euro steuert dafür der Freistaat Sachsen im Rahmen des Denkmalschutzes bei, den Rest bringen Landeskirche und Kirchgemeinde auf. In der vergangenen Woche machten sich Stefan Reuther und Claudia Ochocki vom Landesamt für Denkmalpflege ein Bild von den Fortschritten. Jonas Schönlebe vom Kirchenvorstand und Marcus Lange vom Atelier für Restaurierung Schloss Kaufungen erläuterten, was bereits geschafft wurde und was es noch zu tun gilt. Zwei Bilder von ehemaligen Pfarrern der Gemeinde sind derzeit in der Werkstatt und werden dort gesichert. In der Mitte der Decke ist noch ein Haken zu sehen. "Die Lampe, die dort hing war auf keinen Fall original", erklärt Schönlebe. Der Haken selbst aber schon, weshalb er dort bleibt. Genau wie die Metallteile der Truhe oder die Haken für die Porträts soll er mittels eines mikrokristallinen Wachses konserviert werden.

Für die Nachnutzung der Lutherstube existieren laut Jonas Schönlebe bereits Ideen. "Es gibt hier eine gute Akustik", erläutert er. "Es könnten Kammerkonzerte stattfinden." Eine weitere Möglichkeit sei, dass in der Stube die vorbereitenden Traugespräche für Hochzeiten abgehalten werden.

Derweil bereitet sich ein weiteres Großprojekt der Oberbobritzscher Nikolaikirche vor. Der grandiose Flügelaltar von 1521, einer der bedeutendsten seiner Art in Sachsen, soll ebenfalls restauriert werden.

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