Für und Wider der Windräder im Erzgebirge

In Dorfchemnitz haben etwas mehr als 100 Gäste leidenschaftlich über erneuerbare Energien diskutiert. Eingeladen hatte die AfD. Neben den Gegnern kamen viele Windkraft-Befürworter. Auch von weiter her.

Dorfchemnitz.

Ob über Repowering-Pläne in Clausnitz, über die zusätzlich geplanten Windräder bei Voigtsdorf, ob über Sinn und Hürden des Ausbaus der erneuerbaren Energien sowie die Versorgungssicherheit in Deutschland: Es war eine leidenschaftliche, aber stets faire und höfliche Diskussion, die die etwas mehr als 100 Gäste der Veranstaltung "Windkraft - Auswirkungen vor Ort" am Mittwochabend im einstigen Gasthof "Am Chemnitzbach" in Dorfchemnitz erlebten.

Eingeladen hatte der AfD-Landtagsabgeordnete Rolf Weigand. Dessen Partei lehnt das Erneuerbare-Energie-Gesetz, das den Ausbau von Windkraft & Co. vorantreiben soll, vehement ab. Weigand selbst betonte bereits mehrfach, dass seine Meinung zu dem Thema "differenziert" ausfällt. "Wichtig ist, dass der Ausbau erneuerbarer Energien im Einklang mit der Bevölkerung steht", sagte er in Dorfchemnitz. Bei der Windkraft verwies er auf die Forderung nach der 10-H-Regelung, wonach der Abstand zur Wohnbebauung mindestens das zehnfache der Höhe betragen muss. Die Landesregierung habe die Chance auf diese Regelung nicht genutzt.

Vom Meißner Windpark-Projektant UKA, der unter anderem zusammen mit der Gemeinde Dorfchemnitz drei neue Windräder auf der Voigtsdorfer Höhe plant, waren gleich an die zehn Mitarbeiter gekommen - was unter vielen anderen Anwesenden für Verwunderung sorgte und vereinzelt mit Kommentaren wie "Frechheit" quittiert wurde. "Alle nahmen privat an der Veranstaltung teil", versicherte die zuständige Projektentwicklerin Elisabeth Jüschke der "Freien Presse" gestern auf Nachfrage.

"Freie Presse" dokumentiert - aus Platzgründen teils gekürzt - einige Diskussionsbeiträge.

Rolf Weigand, AfD-Abgeordneter, Großschirma: "Sie werden es nie schaffen, alle Menschen auf eine Seite zu ziehen. Basisdemokratie heißt für mich, dass die Mehrheit der Leute mitmachen."

Gerald Pistel, Oederan: "Wenn ich erneuerbare Energien will, muss ich auch die Speicherung forcieren. Das haben wir völlig verschlafen."

Albrecht Förster, Lichtenberg: "Der Anteil der Netznutzungsentgelte am Strompreis beträgt mittlerweile 10 Cent. Da sind die Netze noch gar nicht ausgebaut. Preistreiber sind die Netznutzungsentgelte."

Herman Frenzel, AfD: "Es kann nicht sein, dass in 10, 15 Jahren die Energiepreise so gestiegen sind. Das hat kein Rentner verdient, das hat niemand verdient."

Udo Sandig: "Unsere Region lebt vom Tourismus. Bekommen die Hotels dann Ausgleichszahlungen? Werden die Touristen durch die Windparks geführt? Oder wie stellt ihr euch das vor?"

Mike Müller, Projektsteuerer für den Bau unter anderem von Windkraft-Anlagen, Neuhausen: "Ich kann Ihnen versichern, dass ich ex-trem heimatverbunden bin."

Mathias Rudolph, Voigtsdorf: "Wir betreiben unsere Windräder seit 1995. In der Zeit hat im Café Adelclause noch niemand gesagt, er kommt nicht mehr wieder wegen der Windräder. Wir haben 130.000 Euro Gewerbesteuern gezahlt. Das Service-Personal kommt aus Sachsen. Wenn ein Konzern wie in der Lausitz herrscht, weiß ich nicht, wie bei uns das Geld ankommt."

ChristofHänel,Agrargenossenschaft "Bergland" Clausnitz: "Unsere neue Anlage von 2016 musste noch nicht einmal wegen Überlastung des Netzes abgeschaltet werden."

Elisabeth Jüschke, UKA Meißen: "Auch die Hersteller der Anlagen machen sich Gedanken, was die Geräusche angeht."

Thomas Schurig, Bürgermeister, Dorfchemnitz: "Nach dem Regionalplan-Entwurf haben wir uns auf die Fahnen geschrieben, das Beste daraus zu machen. Wir haben uns mit UKA ein Unternehmen gesucht, das unsere Interessen vertritt. Für uns als Gemeinde sind die Anlagen lebenswichtig."

Andreas Gärner, Clausnitz: "Das Geld ist egal, wenn man nachts nicht schlafen kann."


Kommentar: Zuviel der Guten

Mit fast einem Dutzend Mitarbeiter ist die Meißner Windpark-Projektierungsfirma UKA in Dorfchemnitz angetreten, um für erneuerbare Energien im Allgemeinen und für Windkraft im Besonderen eine Lanze zu brechen. Und viele der Mitarbeiter meldeten sich in der Diskussion zu Wort und zeigten sich als Fachleute auf ihrem Gebiet. Das ist natürlich legitim. Und es ist auch nicht zu verdenken, dass UKA das gemeinsame Projekt mit der Gemeinde Dorfchemnitz bei der AfD-Versammlung verteidigen wollte. Schlau ist es dennoch nicht, gleich so zahlreich zu erscheinen. Den Eindruck, den die Windkraft-Projektanten bei den Menschen vor Ort hinterlassen - ob zu Recht oder Unrecht, sei einmal dahingestellt - ist der einer Windkraft-Lobby, die aus der Ferne kommt und den Menschen vor Ort etwas aufdrücken will. So sahen die Windkraftbefürworter in der Diskussion zwar gut aus. Aber ob sie damit wirklich die Herzen ihrer Gegner erreichen konnten? Eher im Gegenteil.

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