Fürstenzug zurück, aber unsichtbar

Die Gewänder des adligen Reitertrosses haben die Albrechtsburg in Meißen verlassen. Nun lagern sie in Rochlitz. Die Bibliothek ist als weiterer Ausstellungsort zwar weiter ein Thema. Aber auch eine andere Option gibt es.

Rochlitz.

Ein Baugerüst steht an der Fassade des Georgentors am Dresdner Schloßplatz. Es verdeckt das Ende des historischen Fürstenzuges an der Außenwand des Stallhofes an der Augustusstraße. Es passt ins Bild: Nicht nur das Dresdener Residenzschloss ist zurzeit eine Baustelle, sondern auch der Fürstenzug. Denn dem Verein mit Sitz in Rochlitz fehlt ein Domizil, um seine kostümierten Puppen und Pferdeattrappen zu präsentieren. Die Kooperation mit der Meißner Albrechtsburg ist beendet - bis Ende November waren über 90 Kostüme mit Figuren und Pferden in Ausstellungen zu sehen gewesen. 2007 bis 2014 war der Fundus auf Schloss Rochlitz - nach konzeptionellen Änderungen hätte danach dort aber weniger Platz zur Verfügung gestanden.

Momentan steht nicht fest, wo die detailgetreu nachempfundenen Gewänder der sächsischen Herrscher künftig präsentiert werden. Mit diesem Thema soll sich der neue Vorstand des Vereins beschäftigen - die Wahl findet am 21. Februar statt. "Ziel ist, dass zumindest ein Teil der Kleider öffentlich zugänglich bleibt", sagte Vorstandsmitglied Andreas Lorenz gestern. Hilfe könnte unter anderem vom Verein "Mittelsächsischer Kultursommer" (Miskus) kommen. So könnte der bei der Pflege und Lagerung der Kostüme unterstützen. Laut Heribert Kosfeld, Miskus-Chef und Fürstenzug-Mitglied, soll noch in diesem Jahr ein Ausstellungs-Domizil für den Fundus gefunden werden. Ob dies gelingt, ist laut Kosfeld offen. "Fakt ist: Die Kostüme sind zu schön, um sie lediglich alle zwei, drei Jahre aus dem Lager zu holen", so Kosfeld.

Momentan sieht es danach aus, dass 2017 ein Übergangsjahr für den Fürstenzug-Verein wird. Auch eine Zwischenlösung für die Präsentation ist denkbar. Im Gespräch ist zudem weiterhin die alte Lateinschule in Rochlitz, in der die Bibliothek untergebracht ist. Allerdings wird das Objekt in diesem und dem kommenden Jahr saniert - vor 2019 wären die Räume also nicht bezugsfertig. "Das wäre ein guter Standort", bekräftigte OB Frank Dehne. Im Gespräch war auch die Schlobach-Mühle. Allerdings beschäftigt sich der Verein weiterhin nicht mit diesem Domizil, bestätigte Vorstandsmitglied Thomas Waldheim. "Wir wollen und können keine Miete zahlen", so Waldheim. Man biete hochwertige Exponate und Inhalte, da sei es paradox, auch noch Miete zu zahlen, erklärt Waldheim. Ferner sei Personal nötig, um Öffnungszeiten abzusichern. Mühlenbesitzer Hans Leopold Schlobach ist eigenen Aussagen zufolge bereit, über die Miethöhe zu sprechen. Kostenfrei stelle er seine Räume aber nicht zur Verfügung. "Mit einem guten Konzept kann der Verein auch Einnahmen generieren", so Schlobach.

In Meißen habe der Fürstenzug indes für mehr Besucher gesorgt. "Die drei Ausstellungen sind sehr gut angekommen. Einige Gäste waren drei Mal da", so Schlossleiter Uwe Michel. Für eine dauerhafte Präsentation, wie sie sich der Verein wünscht, fehle jedoch der Platz


Der historische Fürstenzug

94 Personen, 45 Pferde und zwei Windhunde sind auf dem historischen Fürstenzug zu sehen. Die 102 Meter lange, in Meißner Porzellan-Fliesen gebrannte Ahnengalerie der in Sachsen herrschenden Markgrafen, Herzöge, Kurfürsten und Könige aus dem Hause Wettin befindet sich in der Dresdner Augustusstraße zwischen Residenzschloss und Frauenkirche. 2003 wurde der Grundstein für den lebendigen Fürstenzug gelegt. Der Seelitzer Andreas Lorenz gab die Initialzündung. 1400 Meter Stoffe, über 1000 Knöpfe und Ösen sowie 250.000 Meter Nähfaden waren nötig, um die Kostüme zu nähen. Im August 2006 ritt der Fürstenzug zur Premiere. (scf)


Kommentar: Verein braucht klare Linie

Quo vadis Fürstenzug? Diese Frage stellt sich momentan. Der Verein mit Sitz in Rochlitz steht vor wegweisenden Wochen. Die Führungsriege fällt nach außen zurzeit vor allem dadurch auf, nicht mit einer Zunge zu sprechen. So ist einigen Vorstandsmitgliedern nach eigenen Worten nicht einmal bekannt gewesen, dass der Kostümfundus mittlerweile die Meißner Albrechtsburg verlassen hat.

Um den Verein in eine sichere Zukunft zu führen, braucht es klare Strukturen nach innen und außen sowie Einigkeit. Zur Mitgliederversammlung ist der angekündigte personelle Umbruch daher eine Chance. Dann wird die Suche nach einem Dauerdomizil auch gelingen - möglichst in Rochlitz.

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