Gastfreundschaft und Waisenhilfe

Viele sehnen sich danach, die Welt zu entdecken. Anja und Markus Schubert aus Halsbrücke tun es. Neun Monate reisen sie durch Afrika und berichten für "Freie Presse". Heute: Burkina Faso.

Burkina Faso/Halsbrücke.

Wir werden in Burkina Faso gefühlt noch freudiger empfangen als in allen bisherigen Ländern. Von überall kommen uns die Menschen winkend entgegen und heißen uns willkommen. Als einziges Land in Westafrika fährt ein Großteil der Bevölkerung hier mit dem Fahrrad. Die wie üblich völlig überladenen Kleinbusse und Mopeds sehen wir dennoch zuhauf. Unser erstes Ziel sind die Sindou-Peaks. Diese Felsen aus Sandstein befanden sich vor Jahrtausenden unter dem Meer und wurden seitdem durch Erosion geformt, sodass heute unzählige kleine und große Felstürme gen Himmel ragen. Bevor wir die Felsen erkunden, werden wir zum Frühstück bei Einheimischen eingeladen und können uns inzwischen ganz gut auf französisch unterhalten. So erzählt unser Gastgeber, dass er eine kleine Apotheke führt und Medikamente zu entlegeneren Dörfern fährt.

Von den Temperaturen erreichen wir unseren bisherigen Hitzerekord. Es ist brütend heiß bei 38 Grad. Knapp 60 Kilometer weiter liegen zum Glück die Cascades de Karfiguela. Der Fluss stürzt hier in mehreren kleinen Kaskaden hinab und bildet dabei herrliche Pools zum Baden. Unweit des Wasserfalls liegen die Domes de Fabedougou, ebenfalls von Wind und Wetter geformte Felsen. Weit und breit sind wir die einzigen Touristen und können an diesem Abend direkt vor den Domes unser Camp aufschlagen. Kurz vor Sonnenaufgang am nächsten Morgen wandern und klettern wir in den Domes und sind pünktlich mit dem besten Licht oben auf dem Aussichtspunkt.

Danach geht es weiter in die zweitgrößte Stadt, Bobo-Dioulasso, wo wir ein Pastorenehepaar besuchen wollen, das seit vielen Jahren ein lokales Hilfsprojekt für Waisenkinder leitet. Moise und Elizabeth, die uns vorher noch nie gesehen haben, sondern nur Markus Bruder Michael kennen, empfangen uns mit unbeschreiblicher Gastfreundschaft. Moise zeigt uns sämtliche Einrichtungen des Dorcas-Center und erklärt, dass dieses in den letzten Jahren beständig erweitert wurde. So umfasst das Center heute einen Kindergarten, eine Schule und ein Ausbildungszentrum für Mädchen, die hauptsächlich als Schneiderinnen, aber auch Köchinnen, Friseurinnen und Haushaltshilfen ausgebildet werden. Derzeit befinden sich gut 200 Mädchen in Ausbildung, aufgeteilt in drei Klassen. Nach Bestehen der Abschlussprüfung dürfen die Mädchen die Nähmaschine, mit der sie gearbeitet und gelernt haben, mit nach Hause in ihr Dorf nehmen und können sich als Schneiderin ihren Lebensunterhalt verdienen. Seit 2001 konnten so über 900 Mädchen ausgebildet werden. Auch ein Projekt für Straßenjungen entsteht derzeit. Alle Projekte sind komplett spendenfinanziert, unter anderem vom deutschen Verein Kinderhilfe Westafrika. Wir sind tief beeindruckt von der Arbeit, die hier auf lokaler Ebene geleistet wird.

Sonntags besuchen wir den Gottesdienst der Kirche, in der Moise als Pastor tätig ist. Beinahe 900 Gläubige sind da. Drei Stunden wird gesungen, getanzt und gepredigt. Einfach unglaublich, mit welcher Freude und Inbrunst die Menschen hier ihren Glauben leben. Für uns wird es dennoch Zeit, weiter zu ziehen und so geht es über die Hauptstadt Ouagadougou in Richtung Togo.


Von Nord nach Süd

Anja und Markus Schubert touren seit Wochen durch Afrika. Beide wollen in neun Monaten den Kontinent von Nord nach Süd durchqueren. Nach der Hochzeit im September 2017 schmiedeten Markus Schubert, Jahrgang 1984, und seine gut zwei Jahre jüngere Partnerin Anja Pläne für eine längere Auszeit. Mehrere Länder nehmen die beiden für ihre Hochzeitsreise ins Visier - ihre Wahl fällt auf Afrika. Die 1986 geborene Anja Schubert wuchs in Halsbrücke auf. Nach dem Abitur studierte sie Rechtswissenschaften an der Uni Leipzig. Nach dem Referendariat in Dresden war sie als Rechtsanwältin für Zivil- und Verkehrsrecht in München tätig. Markus Schubert, Jahrgang 1984, wuchs in Conradsdorf auf. 2003 legte er das Abitur am Geschwister-Scholl-Gymnasium ab. Nach dem Studium zum Wirtschaftsingenieur an der TU Dresden war er zuletzt als Projektingenieur bei einem Unternehmen in Tirol beschäftigt. (acr)

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