Gebürtiger Erzgebirger umrundet 225 Mal die Erde

Fast 14.000 Flugstunden verbrachte der gebürtige Saydaer Volkmar Steinert in Cockpits verschiedener Flugzeuge. Beim Fliegerstammtisch berichtet der heute 75-Jährige über ein Stück Lebensgeschichte und darüber, wie er Tradition bewahrt.

Cämmerswalde.

Nur in Australien ist er nicht gewesen, sagt Volkmar Steinert. Sein Beruf als Pilot hat den heute 75-Jährigen mit Wurzeln in Sayda und Neuhausen ansonsten um die ganze Welt gebracht. Er steuerte Jagdflugzeuge, Transportmaschinen, Verkehrsflugzeuge. Ob in der IL 62 oder dem Rosinenbomber DC 3 - der mit 1,63 Metern eher kleine Mann hat 225 Mal die Erde umkreist. "Einmal Flieger, immer Flieger", sagt er.

Vor acht Jahren sagte Volkmar Steiner dem Cockpit endgültig ade. Am Sonnabend nimmt er mit Freunden und Flugenthusiasten am Fliegerstammtisch in Cämmerswalde Platz, um sein neues Projekt vorzustellen: die Restaurierung des Fotoflugzeuges Iljuschin IL-14. Es wurde 1958 im Flugzeugwerk Dresden hergestellt und steht nun auf dem ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof. Eine IL 14 ist auch Anziehungspunkt im kleinen Flugzeugmuseum in Cämmerswalde. Steinert flog 1500 Stunden auf einer solchen Maschine, sein Herz hängt deshalb besonders an diesem Typ.


Als neues Mitglied des Flugsportvereines Schwartenberg kehrt der 75-Jährige immer gern ins Erzgebirge zurück, wenigstens ein-, zweimal im Jahr. Dann schaut er an seinem ehemaligen Geburtshaus in Sayda vorbei und am ehemaligen Bauerngut in Neuhausen an der jetzigen Brüxer Straße. Hier verbrachte er bis zu seinem 14. Lebensjahr mit Mutter und zwei Geschwistern viele schöne Stunden. Vater Kurt war 1944, einen Monat nach der Einberufung zur Wehrmacht, gefallen.

Nach der 8. Klasse verschlug es den Kleinsten aus der Klasse zur Berufsausbildung mit Abitur nach Karl-Marx-Stadt. In der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) kam er auf dem Flugplatz mit dem Fallschirmsport und schnell mit dem Fliegen in Kontakt. "Das war der ausschlaggebende Punkt. Ich sah darin meine Zukunft", sagt Steinert im Rückblick. Seinen ersten Alleinflug auf einer Jak-18 A machte er in Karl-Marx-Stadt - mit 17 Jahren.

"Wenn du eine fliegerische Laufbahn in unserem Land einschlagen möchtest, gibt es nur den Weg über die Nationale Volksarmee", hätten ihn damals seine Lehrer gesagt. Als er 1961 an die Offiziersschule nach Bautzen kam, dauerte es nur zwei Jahre, bis er in das Jagdflugzeug, eine MIG 15, stieg und dann später die MIG 17 F flog.

Mit dem erhöhten Aufkommen im zivilen Luftverkehr Mitte der 1970er-Jahre stieg die Nachfrage nach Piloten bei der Interflug. Dies kam dem jungen Mann sehr gelegen. Aus der NVA ehrenvoll entlassen, begann er 1977 seinen Dienst bei der Interflug, der damaligen staatlichen Fluggesellschaft der DDR. Mit der IL 18 flog er durch die Länder des sozialistischen Wirtschaftssystems und natürlich auch einmal über seinen Heimatort Neuhausen. Ab 1980 saß er im Cockpit der IL 62, dem damals modernsten Düsenflugzeug der Interflug - und das bis zur Wende. "Ich kann schlecht vom Fliegen lassen", sagte sich Volkmar Steinert auch nach der politischen Wende in der DDR.

"Mein Leben bestand aus Weiterbildungen, Prüfungen, medizinischen Tests und der Fliegerei", erzählt er. "Ich habe bei zehn verschiedenen Flugzeugtypen im Cockpit gesessen und dabei neun Millionen Flugkilometer zurückgelegt, war quasi mehr als anderthalb Jahre in der Luft." Am 20. August 2011 absolvierte er seinen letzten Flug. Von Zwickau aus ging es mit einer Jak 18, mit jenem Modell, mit dem er vor 50Jahren seine fliegerische Laufbahn begann, nach Dresden. Dort feierte er mit einer Handvoll auserlesener Gäste seinen endgültigen Abschied von der Fliegerei.

Er habe in den 50 Jahren Fliegerei sehr viel erlebt, aber auch viel lernen müssen und sich an immer wieder neue Situationen und zahlreiche neue Wohnorte anpassen müssen. "Ich habe in meinem Leben auch sehr viel Glück gehabt", betont der Fliegersenior, der seit 42 Jahren in Berlin lebt. Sein Faible für das Fliegen sei geblieben. "Nun sitze ich aber nicht mehr im Cockpit, wenn ich in die Heimat meiner indischen Frau Neelam, übrigens einer Flugbegleiterin, nach Delhi fliege", sagt Steinert. Aber er wisse, dass die Männer vorn im Cockpit einen guten Job machen.

Fliegerstammtisch am Samstag, 14 Uhr in der Gaststätte "Am Flugzeug" in Cämmerswalde, Hauptstraße 104a. "Freunde der IL-14" um Volkmar Steinert berichten über die Restaurierung einer IL-14P auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof. Heute sind nur wenige Maschinen dieses Typs erhalten. Von 1955 bis 1959 wurden im VEB Flugzeugwerke Dresden 80 in Lizenz gefertigt.

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