Gedenktafel für "den Otto"

25 Jahre lang leitete Otto Ritschel das Bergbau- und Hüttenkombinat "Albert Funk". Vielen bleibt er unvergessen.

Freiberg ist keine langweilige Stadt. Lässt sich das für unsere Gegenwart feststellen, so gilt dies noch mehr für die Vergangenheit, die den Vorteil hat, dass man es an Namen und Daten festmachen kann. Eine bewegte Geschichte wird meist von den Menschen selbst gestaltet, die ihre Namen somit untrennbar an den jeweiligen Ort binden. Und das gibt den späteren Generationen Gelegenheit, an solche Personen zu erinnern, oftmals unter Zuhilfenahme von Gedenktafeln.

Nun ist man es gewöhnt,dass solche Tafeln an Prominente erinnern, deren Wirken vor vielen Jahrzehnten wenn nicht Jahrhunderten stattfand. Freiberg kann beispielsweise auf solch große Dichter wie Novalis und Theodor Körner hinweisen, freut sich gerade in diesem Jahr über das Gedenken an den Studenten Alexander von Humboldt und verfügt darüber hinaus über eine erkleckliche Anzahl von Forschern und Wissenschaftlern, die an der Bergakademie überaus erfolg- und für die Menschheit segensreich wirkten und somit ebenfalls an ihren ehemaligen Wohnhäusern mit entsprechenden Plaketten bedacht werden.


Doch darf man darüber nicht vernachlässigen, dass es auch in jüngerer Vergangenheit Menschen gab, die der Stadt zumindest ein wenig ihren Stempel aufdrückten und nicht vergessen werden dürfen. Einer davon war Otto Ritschel, der von 1961 bis 1986 das Bergbau- und Hüttenkombinat "Albert Funk" leitete. Am 3.März 1997 verstarb er im Alter von 71 Jahren. Dass er in Freiberg nicht vergessen wird, dafür sorgt vor allem die Historische Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft, deren Gründung Ritschel Mitte der 1980er-Jahre wesentlich begleitete. Als Knut Neumann, Vorsitzender der Knappschaft, sich seinerzeit anschickte, aus der Idee einer Wiedergeburt der bergmännischen Uniformträger aus Anlass des 800. Geburtstags Freibergs 1986 Wirklichkeit werden zu lassen, da unterstützte Ritschel ihn vor allem bei der Ausstattung der 256 Gründungsmitglieder mit eben jenen unabdingbar notwendigen Uniformen.

Geehrt wurde Ritschel für sein Wirken schon auf unterschiedliche Weise. Eine Gedenktafel an einem seiner Wohnhäuser jedoch fehlte bislang. Aus Anlass seines 22. Todestages hat sich dies nun geändert. An dem Haus Lessingstraße 64 ist jetzt eine solche Tafel angebracht. Hier wohnte Ritschel von 1964 bis 1972. Dass man davon weiß, ist Hella Steinmetz zu verdanken, einer Freundin von Otto Ritschel, die seinem Andenken heute noch sehr verbunden ist. "Ich konnte mich daran erinnern, dass mir Otto aus diesem Haus immer zugewinkt hat", sagt sie. Ritschels zweite Ehefrau Renate hatte ihren Mann erst später kennengelernt und wusste nicht genau, wo er früher gelebt hatte.

Die Tafel ist eine private Initiative von Hella Steinmetz und ihrer Familie gewesen. Vier Jahre habe sie darum gekämpft, dass sie umgesetzt werden kann. Insofern habe sie sich sehr gefreut, dass zur Einweihung nicht nur Renate Ritschel, sondern auch Hermann Fleischer von der Knappschaft und mit Professor Günther Graf Ritschels Nachfolger als Kombinatschef kommen konnten. "Der Otto", so sagen sie alle, "der war schon eine ganz besondere Persönlichkeit." Und nun ist er eine von denen, an die mit einer Tafel erinnert wird.

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