Gemeinde schickt Kinder in den Wald

Stürme, Trockenheit und Schädlinge setzen den Bäumen zu. Damit Mädchen und Jungen aus dem Ort lernen, was nachhaltige Forstwirtschaft heißt, soll nun ein grünes Klassenzimmer in Bobritzsch-Hilbersdorf entstehen.

Bobritzsch-Hilbersdorf.

Die Situation in den deutschen Wäldern gleicht sich: Überall sind abgestorbene Fichten sowie umgeknickte und zerborstene Bäume zu sehen. Auch der Gemeindewald von Bobritzsch-Hilbersdorf leidet. Stürme, Dürre und Schädlinge haben ihm schwere Schäden zugefügt. Statt wie vorgesehen, 300 Festmeter Holz in diesem Jahr aus dem Wald zu holen, werden wohl ungefähr 10.000 Festmeter anfallen, wie Bürgermeister René Straßberger (CDU) gegenüber der "Freien Presse" erklärt.

Um dem hiesigen Wald zumindest ein klein wenig zu helfen, hatten auf Initiative der Kommune die Mädchen und Jungen der Kitas und Schulen des Ortes schon im vorigen Jahr in Summe knapp 2700 Kilogramm Eicheln gesammelt, um den Wald bei Oberbobritzsch aufzupäppeln. Doch die Aktion, die im Frühjahr mit der Aussaat ihren Abschluss fand, soll keine Eintagsfliege bleiben. Daran lässt der Rathauschef, der das damalige Engagement als immens bezeichnet, keinerlei Zweifel aufkommen. "Wir wollen diese Begeisterung aufgreifen und die Kinder langfristig an die Geschichte heranführen", bringt es René Straßberger auf den Punkt.

Erneut ist die Kommune daher an Einrichtungen im Ort herangetreten, um ein neues Vorhaben auf den Weg zu bringen. Im Rahmen des Ganztagesunterrichts (GTA) werden sich Kinder der Grundschulen aus Hilbersdorf und Oberbobritzsch sowie der Niederbobritzscher Oberschule um eine Waldfläche kümmern. Die Naundorfer Grundschule ist nicht mit von der Partie. Laut Hauptamtsleiter Bernd Spittel hat die Einrichtung bereits eigene Projekte angestoßen, die am Laufen gehalten werden sollen.

Welche Bäume in hiesigen Wäldern heimisch sind, soll den Kindern der drei beteiligten Schulen genauso aufgezeigt werden, wie die Herausforderungen, vor denen der Forst steht. Auch der oft zitierte Waldumbau soll Thema sein. "Und die Frage, was Nachhaltigkeit bedeutet, wird ebenfalls behandelt", so Straßberger.

Der Auftakt für das Projekt ist am morgigen Mittwoch. Ein Förster soll, wie Hauptamtsleiter Spittel ergänzt, den Kindern zunächst Wissenswertes über den Wald erklären. Der Pächter des Gemeindewalds, einige Eltern und Interessierte aus der Kommune, die das Projekt unterstützen, sind ebenfalls vor Ort. "Vielleicht beräumen wir schon eine kleine Fläche", fährt er fort. Zwei bis drei Treffen sind pro Schuljahr angedacht. Während dieses GTA-Angebots sollen die Mädchen und Jungen die Fläche aufforsten und sich um die Pflege der Bäume kümmern. Auch der Bau eines kleinen Unterstands sei denkbar. Eine Art grünes Klassenzimmer könnte so entstehen, wodurch den Kindern nebenbei aufzeigt werden könnte, was nachhaltige Forstwirtschaft heißt.

Ein brisantes Thema. Beim "Nationalen Waldgipfel" Ende September hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) keine guten Nachrichten parat. Ihr Ministerium geht von 180.000 Hektar geschädigtem Wald aus, 70.000 Hektar mehr als im April diesen Jahres angenommen. Allein in den letzten beiden Jahren seien 105 Millionen Festmeter Schadholz entstanden.

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