Gemeindewald bleibt weiter gesperrt

Sturmtief Eberhard hat im Forst von Bobritzsch-Hilbersdorf gewütet. Für den Pächter ist die Aufgabe nicht zu bewältigen. Nun hilft ihm die Gemeinde.

Bobritzsch-Hilbersdorf.

Auf den ersten Blick gleicht alles einer Idylle im Gemeindewald bei Oberbobritzsch. Doch schon der zweite Blick offenbart, dass nichts in Ordnung ist. Denn kaum ein Quadratmeter Wald scheint noch intakt. Sturmtief Eberhard hat hier in einem Ausmaß getobt, wie man es noch nicht erlebt hat. Drei Schneisen riss der Sturm in die 80 Hektar große Waldfläche. Zwei davon sind fast schon normal zu nennen nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres. Die dritte jedoch hat eine bislang ungekannte Dimension.

Kämmerer Sven Stebel, derzeit stellvertretender Bürgermeister, da Volker Haupt im Urlaub ist, und Gemeinderat René Straßberger, ab 25.April neues Oberhaupt der Gemeinde, sehen sich das Ausmaß der Schäden vor Ort an: Eine fast 300Meter breite Schneise der Verwüstung, die Eberhard in den Wald geschlagen hat. Nimmt man die 20Hektar Wald bei Niederbob-ritzsch noch dazu, so sind etwa 5000Festmeter Holzschaden angefallen. Nicht gezählt der Bruch, der bei Begutachtung jedes Baumes, der noch steht, aber angeschlagen ist, hinzukommt.

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Zum 1. Januar hatte die Gemeinde den Wald an Robert Schmidt verpachtet. Der Forstunternehmer steht nun vor einem schier unlösbaren Problem, denn die Beseitigung der Schäden übersteigt vor allem die finanziellen Möglichkeiten, weshalb er die Gemeinde um Hilfe bat. "Ein solcher Fall ist vom Pachtvertrag nicht abgedeckt", sagt Sven Stebel. Lediglich 300 Festmeter Holz darf Schmidt pro Jahr schlagen. Was jetzt ansteht, übertrifft diese Vorgabe um ein Vielfaches.

Umgehend sei Robert Schmidt nach dem Sturm seiner Verantwortung nachgekommen, so Stebel, und habe die Schäden aufgenommen und der Gemeinde angezeigt. Noch dazu organisierte er ein Unternehmen, das ab der kommenden Woche tätig werden könnte.

Bei einer geschätzten Aufwandssumme von 200.000 Euro muss der Gemeinderat zunächst einen entsprechenden Beschluss fassen. Die Vorlage ging per E-Mail an alle Ratsmitglieder. "Es geht darum, dass die Gemeinde in diesem Ausnahmefall die Kosten trägt", sagt Sven Stebel. "Der Erlös aus dem Holzverkauf verbleibt dann auch bei uns." Ein möglicher Gewinn werde außerdem sofort wieder in den Wald investiert.

Bis auf Weiteres ist das Betreten des Gemeindewaldes strikt untersagt. "Die Gefahr ist viel zu groß", betont René Straßberger. Entsprechende Schilder werden aufgestellt. Nicht betroffen von dem Verbot ist die Eichel-Pflanzaktion der Grundschulkinder am kommenden Samstag. Dafür musste man die bislang vorgesehene Stelle an einen sicheren Ort verlegen. "Vom Oberbobritzscher Naturbad aus ist der Weg dorthin ausgeschildert", informierte Jana Schönberger von der Bauverwaltung.

Mittlerweile hat der Gemeinderat dem Umlaufbeschluss zugestimmt. Somit können kommende Woche die Aufräumarbeiten beginnen. Ein Zug für rund 16.000 Festmeter Holz ist bereits reserviert, das entspricht rund 70Lkw-Ladungen. Sollte der Borkenkäfer in diesem Jahr wieder sein Unwesen treiben, wird sich der Schaden wohl noch deutlich erhöhen. Wie lange sich die Arbeiten hinziehen, ist zum momentanen Zeitpunkt nicht absehbar.

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