Geschafft: Schlaglöcher sind weg

Nach langem Kampf rollten Anfang September die ersten Baumaschinen in Neuhausen an. Am 9. Dezember wurden siebenKilometer sanierte Straßen wieder für den Verkehr freigegeben. Mit viel Verständnis von allen Seiten ging der Bau über die Bühne.

Neuhausen.

Benny Wagner gehört eher zu den ruhigeren Gemeinderäten im Erholungsort Neuhausen. Doch wenn es um die kürzlich sanierten Straßen geht, wird der 31-Jährige redselig. Schließlich hat er mit seinen Freunden und Bekannten wie Marcus Jehmlich, Mario Schmieder und Nicky Gläßer lange darum gekämpft, dass die Straßen wieder gut befahrbar wurden.

"Wir haben mit Videos über Facebook dafür gekämpft, dass unsere Straßen, die seit vielen, vielen Jahren überwiegend nur geflickt wurden, endlich nun einmal in einen ordentlichen Zustand kamen. Wir freuen uns, dass auch die 'Freie Presse' uns so intensiv unterstützt hat und über das ganze Baugeschehen detailliert berichtet hat", so der Neuhausener. Er betont, dass zwischen der Bevölkerung und dem Baubetrieb Strabag stets ein gutes Verhältnis bestanden habe, sodass manche Probleme unbürokratisch gelöste werden konnten.

Nach langen Protesten, die bereits im Februar/März dieses Jahres angefangen hatten, waren am 3. September die ersten Baumaschinen angerollt und hatten damit begonnen, auf den Straßen die alte Oberfläche abzufräsen und eine vier Zentimeter Deckschicht aufzutragen. "Es war ganz wichtig, dass der Baubetrieb Strabag die insgesamt über 7 Kilometer langen Straßen in vier Etappen so zügig gebaut hat", betont Bürgermeister Peter Haustein. Dadurch sei Neuhausen immer aus zwei Richtungen erreichbar gewesen. Er könne sich nicht entsinnen, so der Rathauschef weiter, wann die Straßen zuletzt so intensiv ausgebaut wurden: "Es gab so zum Beispiel seit der Wende nur Flickereien. Es sind Risse und Löcher, vor allem durch den Frost entstanden, die jedes Jahr größer geworden sind. Die Straßen waren im Frühjahr nahezu unbefahrbar. Natürlich sind für die Einwohner dadurch Sperrungen und Unannehmlichkeiten entstanden, die sich aber in Grenzen hielten."

Haustein betont zugleich, dass Gemeinderat und Gemeindeverwaltung sowie Bürger, Landesamt für Straßenbau und Verkehr und der Baubetrieb an einem Strang gezogen hätten, um den Straßenbau vorzubereiten, zu begleiten und Probleme gemeinsam zu überwinden.

Für Undine Weise war das Projekt eine der größten Herausforderungen für die Gemeinde in den letzten Jahren an. "Unsere Straßen waren so marode, dass ich mich geschämt habe", erinnert sich die Chefin der Touristinformation Neuhausen. Täglich seien Urlauber zu ihr gekommen und hätten auch ihr Unverständnis über den Zustand der Straßen geäußert. Nun sei sie stolz auf das Straßennetz, dass von allen gelobt werde. Während der Bauarbeiten sei sie an einigen Tagen nur über Umwege und Schleichwege zu ihrer Arbeitsstelle gekommen: "Wo gehobelt wird fallen eben Späne", so die Touristikerin.

Die Inhaberin der Drogerie im Ort berichtet, dass die Kundschaft an manchen Tagen zurückging. "Wir haben die Sanierung unserer Straßen gebraucht und gewollt. Dafür mussten wir doch einige Einschränkungen hinnehmen", urteilt Rita Thiel. Der Bau habe sie geschäftlich, aber auch privat betroffen: "Die Drogerie befindet sich im Ortskern, also an einem baulichen Knotenpunkt, und ich wohne in Dittersbach. Doch nun freuen wir uns alle über diesen super Zustand der neuen Straßenabschnitte und hoffen, dass sie lange halten", so die Geschäftsfrau.

Viele Neuhausener hatten gar nicht damit gerechnet, dass die 5 Kilometer lange Straße nach Sayda auch komplett gebaut wird. Umso erfreuter war auch Roberto Schönherr der an dieser Straße wohnt. Der 57-jährige sieht eine positive, aber auch eine negative Seite des Straßenbaues. "Schön, dass ich meine knapp zwei Kilometer zur Arbeitsstelle nun auf einer schönen Straße fahren kann. Als es in der Bauphase an einem Wochenende einmal gar nicht ging, gab es immerhin noch Schleichwege", so der Neuhausener. Doch den Lagerist treibt noch etwas anderes um. "Früher war der Teil, an dem ich wohne und der außerhalb des Ortsschildes liegt, schon eine kleine Rennstrecke. Nun bietet sich die Fahrbahn noch mehr an, um richtig auf das Gas zu drücken und besonders im Winter ist die Gefahr, hier einen Unfall zu verursachen, noch größer. Zudem führen hier auf wenigen Metern fünf Ausfahrten auf die S 207 und zur nahe gelegenen Bushaltestelle gibt es keinen Fußweg", erzählt er. Bürgermeister Haustein kennt dieses Problem. Er habe bereits mehrfach beantragt, die Strecke auf 70 km/h zu begrenzen, doch vergeblich: "Ich habe zwei Mal eine Absage vom Landratsamt erhalten." Er werde aber dranbleiben, verspricht das Gemeindeoberhaupt.

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