Gesunder Boden soll Austrocknen entgegen wirken

Die Landwirte der Region spüren noch die Auswirkungen der Dürre 2018. Gegen einen weiteren niederschlagsarmen Sommer wappnen sie sich auf unterschiedliche Weise.

Flöha.

Ernteeinbrüche von rund 35 Prozent gegenüber den Vorjahren hat die Agrar GmbH Flöhatal in Flöha bei allen Getreidesorten 2018 hinnehmen müssen. Und, so sieht es Geschäftsführer Benjamin Seidel, es ist nicht ausgestanden. "Es ist nicht genug Wasser im Boden", sagt der Chef des Betriebes, in dem ausschließlich Ackerbau betrieben wird. Eine erneute Dürre 2019 hätte dramatische Folgen.

Ein Mittel, mit dem man seiner Ansicht nach etwas gegensteuern kann, ist, den Boden so gesund wie möglich zu halten und damit ein besseres Wasserspeichervermögen zu erreichen. Dies könne durch gezielten Humusaufbau und auf die Böden angepasstes Kalken vorangetrieben werden. Den Weg, sich über eine Versicherung vor Einbußen zu schützen, sieht er nicht als optimale Lösung.


Auch der Topfseifersdorfer Landwirt Ralf Kühn meint, mit Einbußen müsse man zurechtkommen. Es sei nicht eine Ernte wie die andere. Zum Problem werde es, wenn mehrere Jahre hintereinander heftige Ausfälle wie 2018 zu verbuchen sind. "Wir versuchen, beim Anbau immer die neuesten Züchtungen mit einzusetzen, die resistenter gegen Witterungseinflüsse sind", sagt er.

Eine Mehrgefahrenversicherung, die Dürre einschließt, favorisieren indes die Chefs der Regionalbauernverbände Mittweida und Erzgebirge. Statt einem Notfallprogramm wie die Dürrehilfen, sollte über eine generelle Risikovorsorge geredet werden, meinen die Geschäftsführer Peter Köhler und Werner Bergelt.

"Es gibt bereits ein Wetterversicherungsangebot von einem Anbieter nahe Chemnitz, auch gegen Dürre", sagt Jan Gumpert, Vorstandschef der Agraset-Agrargenossenschaft Naundorf. Aber während in Amerika zum Beispiel die Kosten für eine solche Versicherung hälftig von Bauern und Staat getragen würden, "bleiben sie bei uns vollständig am Bauern hängen. In ,normalen' Jahren zahlen wir reichlich Steuern an den Staat, allein in den letzten zehn Jahren einige Millionen Euro. Wenn wir davon einen Teil steuerfrei hätten und zurückstellen könnten, würden wir keine Dürrehilfe benötigen." Zudem würden Futtervorräte vom Staat immer höher besteuert. "Je mehr Vorrat, umso höher die Steuern. Wer sich selber hilft, wird also dafür bestraft", kritisiert Gumpert. Die Prognose einer erneuten Dürre hält er für realistisch, "weil die Wasservorräte nach Auskunft des Wetterdienstes in ein und zwei Metern Bodentiefe nicht wieder aufgefüllt wurden". Um vorzusorgen, würden im Ackerbau wassersparende Methoden angewendet. Beim Anbau erfolge die Sortenwahlen nach Stressresistenz. Zudem werde der Tierbestand nicht aufgebaut.

Alle Futter-Reserven seien aufgebraucht. Man werde versuchen, den Umfang der Futterflächen durch eine intensivere Nutzung zu erhöhen.


Was Bauernregeln verkünden

Von welcher Seite sich der kommende Sommer zeigen wird, greifen

einige Bauernregeln auf. So heißt es unter anderem: "Auf Märzenregen dürre Sommer zu kommen pflegen" und "In der Walpurgisnacht Regen, bringt uns reichen Erntesegen" sowie "Nasser April und windiger Mai

bringen ein fruchtbares Jahr herbei".

Der März hat sich laut "Wetter

online" von zwei Seiten gezeigt. Eine turbulente erste Monatshälfte mit Stürmen brachte recht milde Luft und viel Niederschlag. Nach Monatsmitte hielten sich kühlere und mildere Phasen in etwa die Waage.

Im April war laut dem Internetportal "Wetterprognose" vom Winter bis Sommer alles vertreten. Letztlich war der April am Ende vor allem eines: deutlich zu trocken. Und in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai hat es geregnet.

Richtig schlau machen die Bauernregeln also nicht: Im März gab es Niederschläge, aber nur in der ersten Hälfte des Monats. Der Regen in

der Walpurgisnacht würde für einen reichen Erntesegen sprechen, der

trockene April indes dagegen.

Dominik Jung, Wetter-und Klimaexperte beim Wetterportal www.wetter.net, verweist auf eine Trefferquote von 30 bis 50 Prozent bei den Bauernregeln. "Also vielfach noch schlechter als der Zufall und leider unbrauchbar." (bp)

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