Groß werden mit der Natur

Kindern den ländlichen Alltag nahe bringen war eine der Maximen von Kita-Leiterin Gudrun Lützner. Nach 43 Dienstjahren in Dittmannsdorf winkt nun der Ruhestand.

Dittmannsdorf.

Glücklich spielen die kleinen Bewohner des Evangelischen Kindergartens im Reinsberger Ortsteil Dittmannsdorf im Garten. Endlich liegt etwas Schnee. Für Gudrun Lützner ist es der letzte Winter, den sie als Leiterin der Kita verbringt. Doch davon, dass sie zum 31.Juli in Rente geht, ist nicht viel zu spüren. Verankert im Hier und Jetzt ist ihre Konzentration darauf gerichtet, dass zwei Erzieherinnen wegen Krankheit ausgefallen sind und man einiges koordinieren muss. Gudrun Lützner kennt das, ist sie doch seit 1975 in Leitungsfunktion am Dittmannsdorfer Kindergarten.

Dessen Geschichte reicht noch ein paar Jahre länger zurück. Mitte der 1950er-Jahre war er als Erntekindergarten gegründet worden, geöffnet nur in den Sommermonaten, ohne Mittagessen, und die Tasse für das Frühstück musste man selber mitbringen. Was zunächst eine alte Turnhalle war, entwickelte sich zu einem Kindergartengebäude, am Anfang mit 30 Plätzen. "Diese Kapazität genügte den Ansprüchen in den 70er-Jahren nicht mehr. Das Haus wurde durch einen Anbau erweitert", schildert Lützner. Zehn Jahre später kam ein weiterer Raum hinzu. Als sich die Zeiten politisch änderten, wurde ein Umzug nötig. Die Dorfschule nebenan stand leer, und so zogen Erzieher und Kinder in deren Erdgeschoss. Hier sind sie heute noch, 2004 kam die Kinderkrippe in der ersten Etage hinzu. Besonders einschneidend war aber das Jahr 1994, als die Kindertagesstätte aus Trägerschaft der Kommune in die der Evangelischen Kirche wechselte. "Damals gab man uns kaum eine Chance", erinnert sich Gudrun Lützner. "Den ganzen Tag beten, wer geht da schon hin, hieß es hinter vorgehaltener Hand." Gemeinsam mit ihren Kolleginnen entwickelte die Leiterin ein Konzept, das diesen Vorurteilen widerspricht und sich auf die Begleitung und Unterstützung der Kinder in der Vorschulzeit konzentriert, ihnen das Leben in und mit der Natur sowie den ländlichen Alltag nahe bringt.


"Das ist meine Leidenschaft", gibt Gudrun Lützner, selbst Tochter eines Landwirts, zu. "Wir haben selber Quark oder Butter hergestellt, gehen zu den Bauern auf die Höfe, wo die Kinder miterleben können, wie gemolken wird." Jedes Jahr wird so ein Projekt auf die Beine gestellt. Beispielsweise der eigene Anbau von Kartoffeln, oder die Herstellung von süßem Sirup, woran sich die heute fast erwachsenen Kinder, die damals mitmachten, immer noch erinnern. Mit diesem Konzept brauchte man sich nicht zu verstecken, und die christlichen Werte fanden sich ebenso wieder. Die Nähe zur Natur direkt vor der Tür ist ein großer Vorteil. Der Wald liegt nicht fern und die Kinder lernen ihn in seinem Jahreslauf sehr gut kennen.

Ebenfalls jedes Jahr widmete man sich der Herrichtung eines Raumes im Haus, je nach finanziellen Möglichkeiten. Viel davon geschieht in Eigenleistung, und die Leiterin ist froh darüber, dass ein tolles Team sie unterstützt. Bei den Waschräumen müssen demnächst Nägel mit Köpfen gemacht werden. "Die bedürfen dringend einer Sanierung", so Lützner.

Als Leiterin hat Gudrun Lützner ihre Arbeit so interpretiert, dass sie sich nicht separierte, sondern immer mit bei den Kindern war. Von ihrer Nachfolgerin wünscht sie sich gern "frischen Wind". Allerdings ist diese noch nicht gefunden. Bis Ende März sind noch Bewerbungen für die Stelle möglich, und Gudrun Lützner steht für Informationen zur Verfügung.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...