Großer Blockline-Test: So fährt sich die Mountainbike-Strecke im Ost-Erzgebirge

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Viel wurde bereits über die Mountainbike-Route berichtet. Aber wie lässt sie sich befahren? Um das herauszufinden, traten zwei "Freie Presse"-Reporter selbst in die Pedale.

Holzhau, 0,0 Kilometer, 600 Höhenmeter. Zwei Reifen, dicker als meine Waden. Eine Federung, butterweich wie die eines französischen Autos der 1980-er Jahre. Obendrein haben die Zweiräder, die wir - "Freie-Presse"-Fotograf Uwe Mann und ich, der Redakteur - in Empfang nehmen dürfen, diesen Elektromotor, der mich bisher über solche Gefährte die Nase rümpfen ließ.

Nun aber wollen wir den Loop 1 der Blockline testen, exemplarisch für die gesamte Strecke. Die neue Mountainbike-Route führt 140 Kilometer durchs Osterzgebirge. Die lassen sich in drei Loops aufteilen. Der erste nach Altenberg und zurück ist 53 Kilometer lang und weist Steigungen mit einem Höhenunterschied von 1240 Metern auf. Weil wir für diesen Test Foto- und Videoausrüstung samt Stativ, Verkabelung, diversen Sendern sowie einer Fotodrohne mitschleppen - so rechtfertigen wir uns - dürfen wir auf elektrische Hilfe zählen. Mit unserem allenfalls geringfügig überschrittenen Normalgewicht hat das natürlich nichts zu tun. Hinter uns das Portal, das den Startpunkt markiert. Wir klatschen uns ab und treten in die Pedale

Holzhau, 1,1 Kilometer. 670 Höhenmeter. Erster Fotostopp. Malerisch schmiegt sich Holzhau ins Tal der Freiberger Mulde. Wiesen und Bäume leuchten grün. Der Morgentau blinzelt in der Sonne. In der Turboeinstellung surrt der Elektromotor mit dem Tatendrang einer Arbeitsbiene, von deren Ertrag das Überleben des ganzen Volkes abhängt. Leider halbiert sich in dieser Einstellung gefühlt die angezeigte Reichweite. Vorsichtshalber versorgen wir uns am Hotel Talblick, ohne deren Inhaberin Iris Gläser es nicht die Idee dazu und somit auch keine Blockline gäbe, mit zwei Ladegeräten für unsere Räder. Irgendwo werden wir die Akkus schon aufladen können

Steinkuppe, 2,7 Kilometer, 806 Höhenmeter. Das erste Abenteuer liegt hinter uns. Der Aufstieg zur Steinkuppe etwas abseits der Route. Es ging steil aufwärts durch dichten Wald, über nicht zu kleine Steine und aufgeweichten Boden. Ein normaler Reifen kommt da leicht ins Rutschen. Unsere dicken Brummer aber werden damit spielend fertig. Wir wissen die Reifen also bald zu schätzen. Achtung Spoiler-Alarm: Unsere Hintern werden sie am Ende der Tour ganz besonders zu schätzen wissen. Die Steinkuppe bietet ein Gipfelbuch und eine kleine Aussicht. Zeit für ein Frühstück, Brötchen für mich, mich für die Mücken. Wo Abenteuer draufsteht, ist auch Abenteuer drin.

Neuhermsdorf, 8,8 Kilometer, 738 Höhenmeter. Wir folgen dem dicken B zum alten Bahnhof Neuhermsdorf, heute ein uriges Hotel. Anders als im Lied von Seeed ist das B nicht oben an der Spree und steht auch nicht für Berlin, sondern markiert grün auf gelb die Blockline im Tal von Mulde, Flöha, Weißeritz und Gimmlitz. Der rasanten Abfahrt auf Wald- und Schotterwegen hinunter nach Teichhaus folgt ein gemütlicher, schattiger Anstieg auf bequemem Asphalt. Wanderer machen Platz. Jetzt bin ich der E-Biker, der sich elektrisch den Berg hinauf ziehen lässt. Die Wanderer sehen nicht, dass ich aus Gründen des Akku-Schutzes bevorzugt im Eco-Modus fahre. Das fühlt sich an, als würde man unterwegs Strom erzeugen.

Hemmschuh, 11,8 Kilometer, 836 Höhenmeter. Der Weg hinauf zum Hemmschuh, macht mächtig Spaß. Es geht gut aufwärts, auch elektrisch heißt es wieder strampeln, Gräser kitzeln unsere Knie, Tannenzweige streichen uns über die Wangen. Von Rehefeld führt im Winter ein Sessellift hier rauf, der nun natürlich Sommerschlaf hält. Wir stoppen für einen Schluck Wasser und ein Quiz im Abenteuerhandbuch. Welches Ei gehört zu welcher Vogelart? Ohne die schön gestalteten Hinweis-Tafeln hätte ich das sicher nicht zuordnen können. Dann folgt die erste richtig steile Abfahrt auf der Rodelbahn. Ich bin eher vorsichtig unterwegs, Uwe hängt mich ab. Dafür übersieht er unten das B mit Pfeil nach rechts. Zur Strafe heißt es zusätzliche Höhenmeter

Wüster Teich, 16,3 Kilometer, 800 Höhenmeter. Das Tal der Weißeritz liegt nun hinter, der sich im Wasser des Wüsten Teichs spiegelnde Himmel vor uns. An seinem Ufer sitzen vier Mountainbiker. Zum Eröffnungswochenende der Blockline sind sie aus Nürnberg gekommen. Gestern haben sie Loop 3 hinter sich gebracht, nun also gehen sie Loop 1 an. Weg, Ausschilderung, Landschaft - alles ist "ein Traum", sagt Thomas Spieker, einer von ihnen. Er fährt ohne elektrische Unterstützung. Die Navigation, die er auf sein Handy geladen hat, verrät ihm, wie weit und wie steil die Anstiege noch sind. "Da kann ich meine Kräfte gut einteilen." Nur eine Anmerkung: Ein Abschnitt des Vortages sei aus seiner Sicht für Kinder ab 7 Jahren kaum zu machen. "Das war ja für uns schon schwierig.

 

 

 

 

Kahleberg, 18,9 Kilometer, 896 Höhenmeter. Der höchste Punkt der Strecke ist erreicht: Der mit einem Imbiss ausgestattete Aussichtspunkt des 905 Meter hohen Kahlebergs. Der Weg hierauf war so gemütlich, dass das Panorama, das sich plötzlich auftut, gehörig überrascht. Dass wir plötzlich so hoch oben sind, hab ich gar nicht bemerkt. Der Blick nach Altenberg, dem Geising und den Galgenteichen ist gigantisch. Wir widmen uns dem Getränk, das wir unserer neuen Profession als Radler verpflichtet sehen zu trinken, und beobachten die Wolken, die wie Schiffe einer großen Wolkenflotte beständig nach Osten segeln. Dann geht es abwärts, schnurgerade und rasant, an vielen Einkehrstationen vorbei, bis Zinnwald erreicht ist

Zinnwald, 21,3 Kilometer, 877 Höhenmeter. Der große Lugstein etwas abseits der Strecke ist ein Kletterparadies für Kinder. Der Pfad zu ihm hin ist schmal, an Radfahren beim besten Willen nicht mehr zu denken. Beim Schieben haue ich mir die Pedale in die linke Wade und reiße mir die Haut auf. Ich nehme das Malheur wie ein Mann. Das heißt, ich jammere innerlich furchtbar ob der Schmerzen, bin aber gleichzeitig total stolz auf mich, dass ich mir nach außen hin ja so gar nichts davon anmerken lasse

Altenberg, 26,8 Kilometer, 767 Höhenmeter. An der Sommerrodelbahn ist mächtig was los. Es gibt auch einen Kletterpark, Spielplatz, Trampoline, diverse Fahrgeschäfte, Essen+Trinken. Einziger Nachteil: Das elektrische Kindermotorrad auf dem Kinderrund-Kurs ist nicht nur äußerst beliebt, sondern auch mit authentischem Geräusch ausgestattet. Eine Kombination, die Nerven kostet. Für uns dagegen absolut essenziell: Die Steckdosen, an denen wir die Akkus der Räder kostenlos aufladen können. Achtung, Spoileralarm: Auch wer schnell wieder auf die Piste will, sollte beim Laden die nötige Geduld aufbringen.

Spitzberg, 37,4 Kilometer, 721 Höhenmeter. Die zweite Hälfte des Loop 1 erweist sich als teilweise deutlich anspruchsvoller. Entlang Schellerhau und Kurort Bärenfels hinunter zur Putzmühle wechseln sich bequeme Schotterwege und etwas holprigere Feldwege ab. Mal geht es querfeldein, mal eine Art Treppe hinunter, mal über von Wurzeln durchzogene Pfade, mal über Stock und Stein.

Bei der Vorstellung, ein siebenjähriges Kind die steile Abfahrt vom Spitzberg hinunter zu schicken, wird mir etwas flau im Magen. Da wären sicher Erfahrung, Geschicklichkeit und ein gutes Fahrrad nötig. Mithilfe der App aber sollten sich diese kurzen Abschnitte umfahren lassen. Später dann, in der Nähe der Putzmühle, führt uns ein missverständlicher Pfeil in die Irre. Nach zehn Minuten finden wir auf den rechten Weg zurück

Weißeritz-Brücke, 43,3 Kilometer, 584 Höhenmeter. Der tiefste Punkt der Strecke ist ein Punkt, an dem auch bei Uwe (bezüglich Rücken) und mir (Handgelenke, Po) trotz Federung und Breitreifen diverse körperliche Beschwerden zu verzeichnen sind. Da aber noch 250 Höhenmeter vor uns liegen (vermeintlich), nehmen wir das wie Männer (siehe oben)

Hermsdorf, 46,5 Kilometer, 717 Höhenmeter. Am Anstieg hat er noch einmal alles gegeben, dann hat auch der Akku von Uwes Fahrrad den absoluten Tiefpunkt erreicht. Er hatte, wie sich später herausstellt, einen Treffer weg. Wir schieben. Das dauert. Bei Kilometer 48,5 rufen wir in Holzhau an. Wir wollen Bescheid geben, dass der Akku hin ist und wir noch einige Zeit brauchen. Dort kennt man aber den Berg, der vor uns liegt - und uns wohl auch. So kommt Ronny Schwarz vom Tourismusverband Erzgebirge mit dem Auto für zwei geschaffte Männer und zwei geschaffte Räder

Holzhau, 53,1 Kilometer, 700 Höhenmeter. Auf der Terrasse des Hotels Talblick liest Ronny Schwarz Nachrichten an den Verband. Das E-Mail-Postfach ist voll mit Anfragen zur Blockline. Auch bei den Gästen ist der Weg das Thema. Es gibt manche Anregung und noch viel mehr Lob. Unser Fazit ist schnell gezogen: Mit kleinen Kindern braucht die Blockline stellenweise doch Erfahrung. Ansonsten: Super Weg, mehr davon. 

Die Bewertung der Blockline

Wege: 5/5

Landschaft: 5/5

Kondition: 4/5

Familientauglichkeit: 3/5

Ausschilderung: 4/5

App und Digitale Karte: 5/5

Blockline: Alles Wissenswerte über die insgesamt 140 Kilometer lange Route und die drei einzelnen Loops im Netz unter www.blockline.bike.

 

Die Recherche wurde unterstützt vom Tourismusverband Erzgebirge und dem Hotel Talblick in Holzhau.

Das könnte Sie auch interessieren

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.