Großes Interesse an gesundem Arbeiten

Von Arbeitszeit bis Weiterbildung, von psychischen Belastungen bis Rückenproblemen: Gesundes Arbeiten wird in mittelsächsischen Firmen immer wichtiger, wie die Nachfrage für ein neues Angebot zeigt.

Freiberg/Döbeln.

"Wie gesund ist mein Betrieb?" - Diese Frage steht für Beschäftigte und Unternehmer zunehmend: "Die Betriebe in Mittelsachsen stellen fest, dass sich Arbeitsprozesse verändern, spürbar komplexer werden und sich nicht nur auf den Einzelnen, sondern den gesamten Betrieb auswirken", berichtet Landratsamt-Pressesprecher André Kaiser. Er wirbt für eine Vortrags- und Messe-Veranstaltung am Donnerstag in Döbeln: Unter dem Leitgedanken "Gesunde Arbeit" organisieren Landkreis, Sächsische Landesvereinigung für Gesundheitsförderung sowie Industrie- und Handelskammer die Veranstaltung für mittelsächsische Unternehmen.

Die Nachfrage ist groß: Bislang haben sich Kaisers Angaben zufolge 31Unternehmen aus dem ganzen Landkreis angemeldet. Darunter sind laut dem Sprecher produzierende Unternehmen, aber auch Senioren- und Pflegeeinrichtungen sowie eine Agrargenossenschaft.

Wie wichtig Investitionen in die Gesundheit sind, zeigen die Statistiken der großen Krankenkassen. Der Krankenstand in Mittelsachsen ist danach im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Das bestätigen die jüngsten verfügbaren Daten, die von der Krankenkasse DAK vorgelegt worden sind. Demnach waren von 1000Versicherten im Landkreis im Durchschnitt jeden Tag 49 krankgeschrieben. Im Jahr zuvor waren im Mittel noch vier DAK-Mitglieder weniger pro Tag arbeitsunfähig gewesen.

Zuvor hatte die AOK Plus einen neuen Höchststand gemeldet - 2018 waren in Mittelsachsen im Schnitt jeden Tag 58 von 1000 Versicherten krankheitsbedingt ausgefallen (2017: 56). Nur die Barmer hatte entgegen dem sachsenweiten Trend einen leichten Rückgang bei den Krankschreibungen um 0,1 Prozentpunkte auf 5,3Prozent gemeldet.

Jörg Ziehe, der nach eigenen Angaben für rund 12.000 DAK-Versicherte in Mittelsachsen zuständig ist, weist vor allem auf einen Anstieg hin: "Die Fehltage infolge psychischer Erkrankungen, zu denen Depressionen und Angstzustände gehören, stiegen um 47 Prozent und damit am stärksten von allen Diagnosen in der Region." Konkret habe sich die Ausfallzeit von 161 auf 237Tage pro 100 Versicherte erhöht.

Auch bei der AOK, der eigenen Angaben zufolge etwa jeder zweite Sachse angehört, hatte sich der Anteil von psychischen Erkrankungen erhöht: von rund 9,5 Prozent 2017 auf 9,7Prozent im vergangenen Jahr.

Die häufigste Ursache für Krankschreibungen sind bei AOK, DAK und Barmer aber nach wie vor Probleme im Muskel-Skelett-Bereich. Etwa jeder fünfte Ausfalltag beruht auf dieser Gruppe von Beschwerden, die landläufig oft auch als "Rücken" bezeichnet wird.

Bei der Veranstaltung rund um Gesunde Arbeit in Döbeln stehen nun Beratungsangebote und Diskussionen auf der Tagesordnung: Vertreter von Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung, von Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und Agentur für Arbeit berichten. Die Unternehmer erfahren, wie Arbeit gesundheitsförderlich gestaltet werden kann und welche steuerrechtliche Förderung möglich ist. Nach Vorträgen können Teilnehmer auf dem Markt der Möglichkeiten mit Experten ins Gespräch kommen. Themen sind etwa rückenfreundliches Arbeiten, Hinweise auf psychische Belastungen, die Gestaltung von Arbeitsplätzen und -bedingungen sowie Weiterbildung. (jan/grit)

Veranstaltung "Gesunde Arbeit": 28. November, 16 bis 19 Uhr, Volkshaus Döbeln, Burgstraße 4, Teilnahme kostenfrei. Anmeldungen bis zum 27. November unter www.slfg.de/event/

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