Großmutters Familienalbum könnte helfen

Das Gebäude auf einer alten Postkarte gab den Freiberger Briefmarkenfreunden Rätsel auf. Nun scheint die Lösung gefunden zu sein - und eine neue Suche beginnt.

Freiberg.

Der entscheidende Hinweis kam aus Flöha: Das von den Freiberger Briefmarkenfreunden anhand einer alten Postkarte gesuchte Gebäude ist gefunden. "Es handelt sich wahrscheinlich um das Nebengebäude des Gasthofes ,Rosinenhäuschen' in Zug-Langenrinne, das gemeinsam mit dem Gasthof im Oktober 1913 abgebrannt ist", sagt der Freiberger Hans Friebe.

Doch von vorn: Die Freiberger Briefmarkenfreunde erarbeiten derzeit eine Chronik über Posteinrichtungen im Altkreis Freiberg, wie Hans Friebe erklärt. Ganz gleich, ob Bilder und Namen der Poststellen, -hilfsstellen, -expeditionen, Posthaltereien, Briefsammelstellen, Postämter I. und II. Klasse, Bahnpostämter und deren Verwalter beziehungsweise Vorsteher sowie die Entwertungsstempel und Abbildungen der Postgebäude - die Philatelisten tragen zusammen, was möglich ist. So wurden damals auch Gastwirtschaften, Kolonialwarenläden und sonstige Gewerberäume für postalische Angelegenheiten genutzt.

Auf der Suche nach Material für diese Chronik stieß der Verein im Internet auf eine dort angebotene Postkarte (Aufnahme am Computer). "Sie wurde vom Freiberger Fotografen Arno Heinicke (1871-1945) herausgegeben", sagt Hans Friebe. Die Abbildung zeigt ein zu beiden Seiten und am Dach abgeschnittenes Gebäude mit einer Festgesellschaft davor. Das könnte eine Schulklasse eines Jahrganges zwischen 1908 und 1913 vor dem Gebäude sein, in dem sich eine solche Posthilfsstelle befand. Bei ihrer Suche nach dem Haus wandten sich die Briefmarkenfreunde über die "Freie Presse" an die Öffentlichkeit.

Schon am Tag der Veröffentlichung erhielt Hans Friebe Mails und Anrufe mit möglichen Lösungen. "Sie kamen aus Freiberg, Dresden, Neuhausen, Burkersdorf und Flöha", sagt er. Darunter war ein Hinweis auf das Huthaus an der Halde des Kuhschachtes am Freiberger Wernerplatz, in dem sich heute eine Zahnarztpraxis befindet. "Doch das ist es nicht", sagt der Freiberger.

Am Abend bekam er den Anruf von Aiko Rehwagen aus Flöha mit der Lösung: "Ich habe den Artikel gelesen und mich an eine alte Postkarte in meiner Sammlung erinnert", berichtet der 36-Jährige der "Freien Presse". Auf seiner Karte (Schwarz-Weiß-Bild unten im Text) ist der einstige Gasthof "Rosinenhäuschen" in Zug-Langenrinne mit dem Nebengebäude zu sehen. Beides brannte 1913 ab. Danach wurde der Gasthof wieder aufgebaut, bevor er, leer stehend und marode, nach dem Jahr 2000 abgerissen wurde.

"Ich denke, neben dem Gasthof vor 1913 steht das von uns gesuchte Haus", sagt Hans Friebe. Es wurde demnach als Posthilfsstelle sowie als Radfahrstation genutzt und von der Festgesellschaft als Hintergrund für ihr Erinnerungsfoto gewählt. Der Fotograf Arno Heinicke sei sowohl als Dokumentarist Freibergs, seines Bergbaus und Hüttenwesens als auch als Produzent und Vertreiber seiner Aufnahmen als Bildpostkarten bekannt. Friebe meint, dass Heinicke das Erinnerungsfoto mit dem Hinweis: "A. Heinecke Freiberg" bedruckt und den abgebildeten Schülern sowie weiteren Interessenten in bestimmter Menge hergestellt und geliefert hat. "So wie das auch heute noch bei solchen Erinnerungen üblich ist", sagt er. Deshalb könne die privat aufgelegte Karte vielleicht heute noch in alten Familienalben im Umfeld von Langenrinne, Zug und Weißenborn mit Auskunft über den Anlass und das Datum zu finden sein. "Suchen wir also weiter", fordert Hans Friebe auf und hofft erneut auf Anrufe mit der Lösung.

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