Haarscharfe Entscheidungen beim Kampf mit der Sense

Beim ersten Oberbobritzscher Schnitter-Wettbewerb sicherte sich ein Lokalmatador den Sieg im Feld der 14 Tapferen.

Oberbobritzsch.

Spannung liegt in der Luft, als die Matadoren nacheinander die Arena betreten. Das Publikum folgt erwartungsvoll jedem ihrer Schritte. Ein solches Kräftemessen hat Oberbobritzsch wohl noch nicht erlebt. Gekommen sind die Wagemutigsten, um die Herausforderung anzunehmen. Die Rede ist vom ersten Oberbobritzscher Schnitter-Wettbewerb, der am vergangenen Samstag im Rahmen der Festlichkeiten zum 14. Maibaumsetzen stattfand.

Volker Haupt, Bürgermeister der Gemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf, hatte die Idee dazu von einem Aufenthalt in Tirol mitgebracht. "Ich erzählte den Organisatoren des Maibaumprojektes davon, dass das doch eine tolle Sache sei", berichtet er. "Das fanden sie auch und machten mich dann gleich zum Herausforderer. Das war so gar nicht geplant." Aber Haupt schickte sich in diese ihm zugedachte Rolle und, um es vorwegzunehmen, schlug sich sehr achtbar. 14 Tapfere nahmen die Einladung zum Wettstreit an.


Aber sich einfach auf eine Wiese stellen und mit der Sense wehrlose Halme abschnippeln, das wäre zu wenig gewesen. Weshalb eine fünfköpfige Jury auch noch andere Kriterien in ihre Wertung mit einfließen ließ: Dazu zählten neben dem Arbeitsgerät, zu dem außer der Sense ein Schleifstein, ein Rechen und ein Korb gehörten, auch das zünftige Erscheinungsbild. Fast alle Wettbewerbsteilnehmer kamen in ordentlich-bäuerlicher Tracht. Einer von ihnen nahm die auszuübende Tätigkeit sogar so ernst, dass er als Ewiger Schnitter, finaler Sensenmann, sprich als "Tod" gewandet kam, was irrationaler Weise für zusätzliche Heiterkeit sorgte. Weitere Bewertungspunkte waren Geschwindigkeit, Körperhaltung, Gleichmäßigkeit der Mahd, aber auch Respekt gegenüber der Jury und die Begeisterungsfähigkeit der Fans.

Dann ging es los. Eine Wiese gleich neben der Bobritzsch war zuvor in mehrere vier mal sechs Meter große Parzellen eingeteilt, per Los bekam jeder Teilnehmer sein Stück zugewiesen. Der jüngste Schnitter war übrigens Timo Scholze mit 13 Jahren, der es ausgerechnet mit "Tod" zu tun bekam, dem man eine gewisse Übung ja nicht absprechen kann. Der "Jungspund" verlor zwar, aber das mit allen Ehren und wird sicherlich einer der Sieger der Zukunft sein. Als Ältester ging mit 80 Jahren Günter Finsterbusch an den Start. Er belegte am Ende einen respektablen sechsten Platz. "Ich sense zu Hause immer noch regelmäßig mit der Hand", erklärt er seine saubere Technik.

Manch einer entschied sich, sein Fleckchen Gras in drei Bahnen abzumähen, andere versuchten die Zwei-Bahn-Taktik. Hatten einige ihre Vorteile beim Sensen, büßten sie oft diesen Vorsprung beim Zusammenrechen des Grünzeugs wieder ein. Herausforderer Volker Haupt, der unter anderem gegen seinen eigenen Sohn Joachim antrat, suchte in der Ruhe die Kraft, was ein gutes Rezept zu sein schien, am Ende aber Platz 13 einbrachte. Den Sieg ermähte sich der Oberbobritzscher Sven Schletzke auf Feld Nummer 6. Zwar wirkte seine Technik deutlich kantiger als bei anderen, zudem brachen ihm zwei Rechen unter der Wucht des Einsatzes weg, aber im Verbund mit den anderen Bewertungskategorien war ihm der Sieg nicht mehr zu nehmen. Nun ist er im nächsten Jahr der Titelverteidiger. Bei all der guten Laune, welche der erste Schnitter-Wettbewerb in Oberbobritzsch hinterließ, darf man nur hoffen, dass er eine Fortsetzung findet.

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