Halsbrücke: Tino Kluge will für die AfD ins Rathaus einziehen

Der 50-Jährige wirbt zur Bürgermeisterwahl um Stimmen. Amtsinhaber Andreas Beger (CDU) zeigt sich verwundert.

Halsbrücke.

Überraschung zum Themenabend mit dem sächsischen AfD-Spitzenkandidat Jörg Urban am Dienstag: Der parteilose Tino Kluge wirbt zur Bürgermeisterwahl in Halsbrücke am 1. September für die AfD um Stimmen. Das verkündete der AfD-Landes- und Kreispolitiker Rolf Weigand den knapp 90Besuchern im Kanzleilehngut.

Die Frist für einen Wahlvorschlag zur Bürgermeisterwahl ist am 27. Juni abgelaufen. Deshalb warb Kluge darum, dass die Wähler seinen Namen auf dem Wahlzettel unter die freie Zeile unter Amtsinhaber Andreas Beger (CDU), den bislang einzigen Bewerber, schreiben. Das ist möglich, bestätigte Gemeindewahlleiterin Mandy Butter auf Anfrage. Wichtig sei laut Kommunalwahlgesetz die "eindeutige Benennung" der Person. Da Halsbrücke rund 5100 Einwohner zählt und bei einer Bürgermeisterwahl auch Ortsfremde ins Rennen gehen dürfen, enthalte der Stimmzettel den Hinweis, dass die zu wählende Person mit Familiennamen, Vornamen, Beruf oder Anschrift oder auf andere Weise eindeutig zu benennen ist.

Tino Kluge ist gelernter Schlosser und betreibt seit 25 Jahren die Tankstelle in Halsbrücke. "Nach reichlichem Überlegen möchte ich den Bürgern, die eine Alternative zum jetzigen Bürgermeister haben wollen, zur Verfügung stehen", sagte der 50-Jährige, der mit seiner Lebensgefährtin eine Tochter hat. Zur Gemeinderatswahl hatte er 765Stimmen erhalten und war damit Stimmenkönig geworden. Am Dienstag zeigte er sich enttäuscht darüber, dass die Gemeinderäte ihn im Juli mehrheitlich als zweiter Vize-Bürgermeister abgelehnt hatten. Und: Seit 2015 habe es in Halsbrücke Gebührenerhöhungen bei Abwasser, Trinkwasser, Kitas und Strom gegeben. Diese Entwicklung will er stoppen, wie er sagte. "Es wird Zeit, das Land wieder auf die Beine zu stellen. Das müssen wir friedlich schaffen."

Amtsinhaber Andreas Beger (CDU) zeigte sich am gestrigen Mittwoch verwundert. "Offensichtlich ist Tino Kluge die Bedeutung und damit verbundene Verantwortung eines Wählerauftrages erst am Dienstag bewusst geworden. Wie ist es sonst zu verstehen, dass bekannte Nominierungsfristen für Bewerbungen nicht genutzt werden, um dem Bürger über Vorschlagslisten eine ,echte' offene und demokratische Wahlentscheidung anzubieten?"

Dass ein Anwärter auch ohne Wahlvorschlag Erfolg haben kann, zeigt ein Beispiel aus Ebersbach, das heute zu Döbeln gehört. 2010 wurde dort Jürgen Müller mit gut 57Prozent als ehrenamtlicher Bürgermeister gewählt - obwohl er gar nicht auf dem Stimmzettel stand.

Doch zurück zum Themenabend. Jörg Urban forderte ein Ende der EU-Sanktionen gegen Russland, da diese zu Lasten der hiesigen Wirtschaft gingen. Und der frühere Landesgeschäftsführer der Grünen Liga zeigte sich "für die AfD extrem optimistisch, was die Zukunft angeht". AfD-Bundestagsabgeordneter Heiko Hessenkemper sagte auf die Frage eines Besuchers: "Es ist auch die Frage, ob wir in Sachsen nach einem Wahlsieg mit der CDU koalieren werden." Darüber werde die Parteibasis entscheiden, ergänzte Rolf Weigand. Viel Beifall bekam der Kleinvoigtsberger für seine Aussage: "Die Grünen brechen unserer Wirtschaft das Genick."

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