Heimarbeit in der Corona-Zeit: Konferenz per Video mit Kleinkind auf dem Schoß

Heimarbeit: Vom Versuch eines Alltags im Undenkbaren

Freiberg.

Selbst gewählte Isolation heißt nicht: in der Höhle verkriechen. Frische Luft muss sein. Einkaufen sowieso. Nur eben allein. Und: Abstand halten. Im sich anbahnenden Frühling wirkt die Stadt auf den ersten Blick wie immer. Aber wird sie jemals wieder dieselbe sein?

Wer genauer hinschaut, sieht das Fragezeichen. Klar, es sitzen immer noch ein paar Menschen auf dem Schlossplatz. Klar, es flaniert immer noch mancher die Burgstraße hinauf. Aber wenn man das super Wetter bedenkt, sind es nicht viele. Und gleichzeitig sind es zu viele, wenn man bedenkt, was auf dem Spiel steht, dass jeder nähere Kontakt die Gefahr birgt, Corona schneller zu verbreiten, als es unser Gesundheitssystem verkraftet.

Mein Bruder ist Intensivpfleger eines Krankenhauses in Bayern, er sieht schon länger die dunklen Wolken, die sich am Himmel zusammenbrauen. Nun hat er einen Brandbrief verfasst. "So viele Menschen sind vernünftig, danke, aber ich schätze, ein großer Teil, auch der deutschen Bevölkerung, ist einfach ein bisschen zu blöd." Natürlich ist wichtig, dass gearbeitet wird, wo es um unsere Versorgung und die unserer Lieben geht. Aber wahrscheinlich braucht es ein Ausgehverbot, dass der Rest daheim bleibt. Vielleicht sind die Menschen ja nur deshalb draußen, um ein letztes Mal Luft zu schnappen.

Dann wieder an den Schreibtisch. Händewaschen nicht vergessen. Bei der ersten Redaktionskonferenz per Video-Portal gestern war auch der Kleine auf dem Schoß mit zugeschaltet. Zuvor hatte er mit lautstarkem Geschrei dafür gekämpft. Heute witzeln die Kollegen über eigentlich anstehende Frisörbesuche. In China, so suggerieren Videos, werden Köpfe per Bürste aus 1,50 Meter Entfernung gewaschen. Der Blick nach Osten macht uns Hoffnung, dass es möglich ist, Corona Einhalt zu gebieten. Wir wollen dabei helfen, so gut wir können.

Zum Spezial: Heimarbeit in der Corona-Zeit


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