Heimspiel für AfD-Kandidatin

Wahl 2021 In einer der Hochburgen ihrer Partei hat sich Carolin Bachmann prominente Wahlkämpfer an die Seite geholt.

Stellten im Vereinshaus Reichenbach das AfD-Wahlprogramm vor: Landeschef Jörg Urban, Direktkandidatin Carolin Bachmann und Landtagsabgeordneter Rolf Weigand (vorn v. l.).

Für Sie berichtet: Jan Leißner

Die Herren in Jacketts, die am Eingang zum Vereinsheim in Reichenbach standen, hoben sich auffällig vom Erscheinungsbild der rund 80 Gäste des Abends im Großschirma Ortsteil Reichenbach ab. Doch diese Begleitung habe etwas mit "unangenehmen Erlebnissen" des AfD-Landesvorsitzenden Jörg Urban bei Wahlkampfauftritten andernorts zu tun, erklärte Carolin Bachmann, Direktkandidatin der AfD im Wahlkreis Mittelsachsen, den rund 80 Gästen ihrer Wahlkampfveranstaltung.

Dabei wäre das hier im Dorf wohl nicht nötig gewesen. Schließlich wurde Urban hier in der "Herzkammer der AfD in Mittelsachsen" begrüßt, wie es Rolf Weigand, AfD-Landtagsabgeordneter, Kreisrat und stellvertretender Bürgermeister von Großschirma, ausdrückte. Dafür spricht das Ergebnis zur Bundestagswahl 2017: Von den rund 4600 Wahlberechtigten in Großschirma gaben 42,2 Prozent ihre Erststimme dem damaligen AfD-Direktkandidaten Heiko Hessenkemper. Im Ortsteil Reichenbach seien es mehr als 50 Prozent gewesen, so Weigand.

Auch wenn die neue Kandidatin sich hier erst vorstellen musste, wirkte ihr Auftritt im Reichenbacher Vereinsheim wie ein Heimspiel. Die vom Wahlkampftrio aufgemachten Forderungen der AfD trafen offensichtlich auf Zuspruch im Publikum - zustimmendes Kopfnicken hier, Beifall und Richtig-Zwischenrufe da.

Die 33-Jährige aus Mulda konzentrierte sich auf ihre Kernthemen Geld und Energie und verwies auf ihre Erfahrungen aus früheren Arbeitsverhältnissen als Investmentfondskauffrau und Angestellte bei einer Windenergiefirma. Der Einsatz der erneuerbaren Energien lohne sich doch nur, "weil es Geld vom Staat dafür gibt und wir das bezahlen", sagte Carolin Bachmann. Als Alternative dazu verwies sie auf bereits vorhandene Energieträger wie Kernkraft und Kohle. Um der wachsenden Staatsverschuldung zu begegnen, plädierte sie für die Streichung von Ausgaben für "Gendern, Frühsexualisierung und Asyl". Stattdessen sollte der Staat Unternehmensgründungen bezuschussen.

Während Landeschef Urban Klima und Corona als "Pseudoprobleme" bezeichnete, nahm die Migrationspolitik viel Raum in seiner Rede ein. Er beschwor das Ende des Sozialsystems als Folge einer "Massenzuwanderung". Denn nur wenige der Geflüchteten würden aufgrund fehlender Qualifikation einen Job bekommen. Das Problem des Fachkräftemangels werde so nicht gelöst.

Ernüchtert reagierte das Trio auf die Nachfrage einer Frau, was es nütze, die AfD zu wählen, wenn keiner mit der Partei regieren wolle. Allein der Landeschef hofft auf Sachsen als erstes Bundesland, in dem eine Regierungskoalition mit der AfD möglich werde.

Mit wenigen Klicks weiterlesen

Premium

  • 1 Monat kostenlos
  • Testmonat endet automatisch
  • E-Paper schon am Vorabend
  • Unbegrenzt Artikel lesen (inkl. FP+)
Jetzt kostenlos testen
Sie sind bereits registriert?
Hier anmelden
0Kommentare Kommentar schreiben