Himmel in Pink, Sitz in Blau: Hewa bringt Leder ins Auto

Von Rolls-Royce bis Luxusjacht - am Traditionsstandort Brand-Erbisdorf werden Rinderhäute für Nobelmarken veredelt. Nun in einem 8 Millionen Euro teuren neuen Werk.

Brand-Erbisdorf/Weißenborn.

Schwarze Karosse und dazu Ledersitze in Himmelblau oder gar das gesamte Fahrzeuginnenleben in Pink? Für die Firma Hewa Leder in Brand-Erbisdorf ist das kein Problem, sagt Geschäftsführer Marcus Adelmann. Das Unternehmen am Stadtrand von Brand-Erbisdorf, das Premiumleder für Automarken wie Rolls-Royce, BMW, Audi, VW und Lamborghini herstellt, hat am gestrigen Freitag die Grundlage für einen weiteren Ausbau der Produktion gelegt. Anfragen möglicher weiterer Kunden gebe es bereits.

Im neuen Werk II an dem seit etwa 100 Jahren genutzten Standort, der auf Weißenborner Flur liegt, soll kommende Woche die Produktion anlaufen. Die Investitionssumme für das rund 6000 Quadratmeter große Werk beträgt 8 Millionen Euro. Eine Halle für Zurichtanlagen des Leders entstand, ebenso Büro- und Sozialräume und ein Lager für Chemikalien. Insgesamt investierte Hewa Leder in den zurückliegenden drei Jahren 10 Millionen Euro in den Brander Standort, sagt Adelmann.

Werden jetzt pro Tag noch rund 10.000 Quadratmeter feinstes Leder in modernen wie traditionellen Farben hergestellt, sollen es künftig 15.000 Quadratmeter sein, erklärt er. "Wir können dann täglich bis zu 3000 Rinderhäute verarbeiten", fügt der Geschäftsführer an, der einen zweiten Firmenstandort im fränkischen Rehau betreibt. Der Jahresumsatz dieser Gruppe beträgt nach seinen Worten 30 Millionen Euro, Ziel seien 50 Millionen Euro jährlich. "Künftig werden nicht mehr PS-Zahlen bei Fahrzeugen im Vordergrund stehen. Doch egal, welchen Antrieb sie haben und ob sie quasi von selbst fahren - Nachhaltigkeit und Lebensgefühl werden auch weiter vom Interieur bestimmt sein", erklärt er. Hewa veredelt nicht nur als alleiniger Produzent die Nobelkarossen von Rolls-Royce, sondern auch Jachten englischer Hersteller ebenso wie hochwertige Möbel, Lkw und Traktoren.

Die Häute für die Lederverarbeitung kommen von Rindern aus Süddeutschland - Qualität, Nachhaltigkeit und Klimaschutz würden ernst genommen, auch wenn das, so der Geschäftsführer, beim Thema Gerberei zunächst mitunter Zweifel erzeugt. Der Klimaschutz setzt sich nach den Worten von Arne Gorzolla bei der Energiegewinnung in der neuen Produktionsstätte fort. Laut dem Geschäftsführer des BBF Baubüros Freiberg, das für die Planung und Bau des neuen Werkes verantwortlich zeichnet, wurde eine Prozessluftanlage eingebaut, wie sie zwar in anderen Industriezweigen genutzt wird, jedoch bei der Lederverarbeitung neu ist. Demnach wird die stark feuchte Produktionsabluft zusammen mit Frischluft aufbereitet und wieder genutzt. "Dadurch konnte der Energiebedarf auf 20 Prozent gegenüber den bisherigen technischen Lösungen gesenkt werden", erklärt Gorzolla eine Herausforderung des Projektes.

Die neuen Anlagen zur Bearbeitung des Leders - um es unter anderem lichtecht und abriebfest zu veredeln - lieferte das niederländische Unternehmen IM. Sie wurden nach den technologischen Erfordernissen von Hewa gebaut. Marketingchef Mark Oomens zufolge betreibt der Brander Betrieb derzeit die weltweit modernste Art der Lederzurichtung.

Vor dem angekündigten Brexit ist Marcus Adelmann nicht bange. Erstens zweifele er an, dass er sobald komme und zweitens "hat das Kernproblem die englische Wirtschaft". Alternativen zu Hewa gebe es für die Kunden auf der Insel kaum. "Dennoch müssen wir ihnen gegenüber auch Stellung beziehen", sagt er. Doch welche Zollerklärung man nach dem Brexit ausfüllen müsse, das sei noch Zukunftsmusik.

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