Hinkel-Singers feiern Zehnjähriges

Eigentlich wollte sich die pensionierte Lehrerin vor zehn Jahren um musikalische Früherziehung kümmern. Dann aber kam es etwas anders.

Freiberg.

Kaum ist man im Obergeschoss des Mehrgenerationenhauses "Buntes Haus" an der Freiberger Tschaikowskistraße angekommen, da hört man sie schon singen, die knapp 30 Damen, die in der Stadt und der Region allgemein als die "Hinkel-Singers" bekannt sind, nach ihrer Leiterin Heidi Hinkel. Die 73-Jährige ist ein waschechtes Freiberger Urgestein, engagiert sich im Stadtrat ebenso wie im Freiberger Karneval Klub. Chefin der Singevereinigung, wie sie den Chor gern nennt, ist sie jetzt genau zehn Jahre.

"Ich bin 2008 in Rente gegangen", erzählt die frühere Lehrerin. "Die damalige Leiterin des Bunten Hauses, Birgitt Pasternak, sprach mich an, ob ich nicht musikalische Früherziehung anbieten wolle." Musik liegt Heidi Hinkel geradezu im Blut, also sagte sie zu. Doch kam dieses Projekt nicht recht in Schwung, aber es stellte sich heraus, dass besonders ältere Damen gern die Gelegenheit wahrnähmen, gemeinsam zu singen.

Warum also nicht das einmal probieren? Vielleicht wird ja was draus, war die Devise. Und es klappte. Nicht alle von denen, die ganz am Anfang dabei waren, singen heute noch mit. "Mancher ging gleich wieder", lacht Heidi Hinkel. "Dem einen oder anderen war ich wohl etwas zu temperamentvoll."

Dass dies aber eine inspirierende und treibende Kraft sein kann, stellte sich im Laufe der Zeit heraus, als sich über Mundpropaganda und Berichte in den Medien die Existenz der Singetruppe herumsprach und der Zulauf größer und größer wurde. "Zunächst ging es nur darum, zusammen in der Freizeit zu singen", so Hinkel. "Aber das ist der Heidi auf die Dauer nichts." So nahm sie die Möglichkeiten in Angriff, dass der Damenchor bei verschiedenen Gelegenheiten öffentlich auftritt. Das führte sie sogar bis in den Bundestag, wo der Chor Gast der Abgeordneten Veronika Bellmann war. "Mich wollten sie mit meinem Akkordeon damals gar nicht reinlassen", erinnert sich Heidi Hinkel. "Das war zu Zeiten der Griechenland-Krise." Doch sie kam hinein und sang mit allen gemeinsam "Veronika, der Lenz ist da..."

Kirchenkonzerte wie die Mitwirkung am Reformationsoratorium im vergangenen Jahr, dessen moderne Musik alle als eine spannende Erfahrung sehen, aber auch regelmäßige Auftritte beim Bergstadtfest oder auf dem Christmarkt gehören mittlerweile ganz natürlich dazu. Gemeinsam gestaltet man auch anderweitig die Freizeit, etwa mit Grillabenden oder einer Schlittenfahrt. Der Spaß am Singen, so stimmen alle zu, vereint sie, stärkt diese Gemeinschaft. Das geht weit über die Proben hinaus, welche jeden Montag von 14.30 Uhr bis 15.30 Uhr im Bunten Haus stattfinden.

Heute begehen die "Hinkel Singers" ihren zehnten Geburtstag ab 16 Uhr mit einem Konzert im Mehrgenerationenhaus. Volks- und Schlaflieder erklingen dabei ebenso wie Weihnachtsklassiker. "Vieles davon ein wenig umgeschrieben", so Heidi Hinkel. Der Karnevalist lacht ihr da aus den Augen. "Es wird also recht humorvoll." Besonders, wenn sich des Freiberger Silberrauschs angenommen wird.

Bleibt noch die Frage nach dem Namen zu klären, denn auf den kam die Leiterin nicht selbst. "Wäre mir nicht eingefallen, meinen eigenen Namen zu nehmen", sagt sie. Nicht uninteressant deshalb, dass diese Schöpfung von einem Mann kommt. Waltraud Pönitz, von Anfang an in der Singegemeinschaft dabei, brachte ihn mit. Denn immer, wenn sie zu den Proben aufbrach, sagte ihr Mann Eberhard, der mittlerweile auch eine Chronik des Chores erstellt hat: "Na, gehst du wieder zu deinen Hinkel-Singers?" Das gefiel allen und so blieb der Name, wie auch hoffentlich die Gemeinschaft noch lange bleiben wird.

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