Im Kampf gegen den Borkenkäfer

Die Forstbehörde ist in der Region unterwegs und weist Waldbesitzer darauf hin, befallenes Holz zu entfernen. Wer nicht handelt, dem drohen Strafen.

Freiberg/Rochlitz.

Klaus Dittrich bückt sich zum Stamm einer frischgeschlagenen Fichte am Waldrand bei Sörnzig am Rochlitzer Berg. Als er die Rinde anhebt, kommen darunter unzählige Tiere der Borkenkäferart Buchdrucker hervor. "Das Holz muss ganz schnell weggefahren werden. Es reicht nicht, das befallene Holz im Fichtenwald nur aufzuarbeiten", sagt der Referatsleiter Forst, Jagd und Landwirtschaft im Landratsamt Mittelsachsen.

Denn die Gefahr ist groß, dass die Käfer weitere Bäume befallen. Deshalb ist die Kreis-Forstbehörde jetzt in den Wäldern des Landkreises unterwegs, weist Waldbesitzer auf den Borkenkäferbefall hin - und darauf, betroffenes Holz wegzuräumen.

Wer in einer festgesetzten Frist das Holz nicht selbst entfernt oder keinen Dienstleister beauftragt, dem droht eine Geldbuße von bis zu 2500Euro, in besonders schweren Fällen bis zu 10.000 Euro. Zuvor könnten Zwangsgelder verhängt werden, um die Sanierung zu bewirken.

Deren Höhe sei vom Einzelfall abhängig. Einmal habe der Kreis 2018 ein Zwangsgeld verhängt, es wurde aber nicht vollstreckt - der Besitzer hatte gehandelt. Ordnungswidrigkeiten, wie sie im Waldgesetz geregelt sind, wurden dieses Jahr noch nicht festgestellt und daher auch keine Verfahren eingeleitet,so Kreissprecher André Kaiser.

"Es ist in diesem Jahr eine besondere Situation. Durch die starken Stürme und die Trockenheit verbreiten sich die Käfer sehr gut. Firmen sind an ihrer Kapazitätsgrenze, deshalb ist bei solchen Verwaltungsentscheidungen Augenmaß angebracht", erläutert der Pressesprecher.

Auch Dittrich sagt: "Wir arbeiten Hand in Hand mit Waldbesitzern und Dienstleistern." Im Privat- und Körperschaftswald des Kreises wurden mit Stand Ende Juli bereits rund 5200 Kubikmeter Fichtenholz mit Borkenkäferbefall registriert. "Das wird sich bis Ende August verdoppeln", sagt Fred Naumann, Revierleiter des Kreisforstreviers Geringswalde. Hinzu komme eine hohe Dunkelziffer. Zum Vergleich: Von Juni bis Dezember 2017 wurden 5500Kubikmeter betroffenes Holz vermerkt.

Die Stürme Herwart und Friederike verursachten im Wald des Kreises rund 300.000 Festmeter Schadholz, sagt Klaus Dittrich. Noch nicht alles sei beräumt. Dazu komme die Trockenheit. Ein Baum, der gut mit Wasser versorgt ist, wehrt sich mit Harz gegen Käfer. Bei Trockenheit haben sie leichtes Spiel. Sie lösen die Rinde, kappen so die Wasserleitung, der Baum stirbt ab.

Im Forst hofft man auf Kälte unter 10 Grad. Denn Eier und Larven der Käfer vertragen keine niedrigen Temperaturen.


Revier Geringswalde am stärksten betroffen

Im Privat- und Körperschaftswald des Kreisforstreviers Geringswalde wurden bis Ende Juli insgesamt 2000 Festmeter Fichtenholz registriert, die vom Borkenkäfer befallen waren. Im Revier Striegistal waren es 1900 Kubikmeter, im Revier Reinsberg 700 und im Revier Frauenstein 600.

Rund 8150 Waldbesitzer gibt es im Landkreis. 49 Prozent des Waldes gehören dem Freistaat und werden vom Staatsbetrieb Sachsenforst bewirtschaftet. 42 Prozent der Fläche sind Privatwald von rund 8000 Waldbesitzern. Zum Körperschaftswald - das ist Wald im Eigentum von Körperschaften wie Städten und Gemeinden - zählen 7 Prozent. Der Bundeswald, etwa an der Autobahn, umfasst 1 Prozent. Weitere 1 Prozent sind Kirchenwald. (fmu)

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