Im Kastanienhof: Sein oder nicht sein

Das private Theater von Silke Führich und Reinhardt Schuchart in Reichenau bei Frauenstein startet in die 8. Spielzeit. Ein großer Klassiker kommt nun auf die Bühne. Und die erfahrenen Laienschauspieler proben dafür bereits mit den Profis.

Reichenau.

"Sein oder nicht sein; das ist hier die Frage" - er ging als einer der berühmten Monologe in die Theatergeschichte ein: Jenes Selbstgespräch Hamlets, als er erkennt, dass sein Onkel Claudius der Mörder seines Vaters ist. Hamlet ringt mit der Frage, ob es leichter ist, das eigene Schicksal - also das Leben - oder den eigenen Tod zu ertragen. Wie dieser Monolog nun im Sommer die Zuschauer gefangen nimmt, darauf dürfen all jene gespannt sein, die sich diesmal im Kastanienhof-Theater in Reichenau den "Hamlet" anschauen werden.

Die Akteure des Stückes - 13 Laiendarsteller aus der Region um Frauenstein und Hartmannsdorf-Reichenau sind es diesmal - widmen sich bereits der Tragödie, die William Shakespeare demnach in den Jahren 1600 bis 1601 geschrieben hat, und die 1602 uraufgeführt wurde. "Die Proben laufen schon auf Hochtouren. Die Darsteller sind emotional intensiv dabei und so gut wie bisher nie", stellt Reinhardt Schuchart den Frauen und Männern, die in ihrer Freizeit schon seit einigen Jahren im Ensemble Theater spielen, ein tolles Zeugnis aus.

Christoph Ulrich

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Es ist bereits die 8. Spielzeit, in der der Theaterwissenschaftler Reinhardt Schuchart und die Bühnenbildnerin Silke Führich ihren privaten Musentempel dem Publikum öffnen und die Kultur aufs Dorf bringen - besser das Dorf wieder ein Stück mehr damit bereichern. Und diesmal eben mit "Hamlet". "Nach der Komödie im vorigen Jahr ist nun wieder Klassik dran", erläutert Silke Führich. Sie sei zutiefst beeindruckt von der Sprachgewalt des Stückes, die Bilder erzeuge und unter die Haut gehe. Wie diese Sprachgewalt auch das gesamte Ensemble fessele und fordere, sei derzeit in den Proben spürbar.

Auch diesmal hat Reinhardt Schuchart schon vor den eigentlichen Aufführungen eine umfangreiche künstlerische Arbeit geleistet. Aus dem mehrstündigen Stück mit seinen fünf Akten hat der Theaterprofi wie schon bei den Klassik-Stücken der Vorjahre eine gekürzte Fassung geschrieben sowie die Figuren in der Aufführung auf sieben reduziert.

"Wir haben unserem Stück die Arbeitsüberschrift ,Hamlet - ein Mensch steht auf' gegeben", erklärt Reinhardt Schuchart. Denn eigentlich müsste der Prinz den Mord seines Vaters, des Königs, durch seinen Onkel Claudius rächen. In der Kastanienhof-Aufführung ist es den Machern wichtig zu zeigen, dass Hamlet diese Rache nicht annimmt und "allen im System den Spiegel vorhalten will", wie es Silke Führich beschreibt. Weil er aus dem System aussteige, werde er dadurch gefährdet. "Ich habe meine Lesart des Hamlet festgeschrieben, andere sehen es anders", sagt Reinhardt Schuchart und macht mit diesem Worten neugierig auf die insgesamt 18 Vorstellungen, die am Wochenende des 31. Mai Premiere haben. Bis einschließlich 29. September wird an den Wochenenden gespielt. Deshalb sind die Figuren auch in dieser Spielzeit zwei- beziehungsweise dreifach besetzt, um den Laiendarstellern zwischendurch freie Wochenenden zu verschaffen. "Sie müssen große Emotionen und Aggressionen spielen - das können sie, aber sie brauchen Pausen", sagt Silke Führich. Die Bühnen- und Maskenbildnerin sitzt derzeit nicht nur wie ihr Mann in den Proben, sondern schneidert zudem die Kostüme für die Darsteller. Schwarz und rot sind die beherrschenden Farben - ausdrucksstark und wandelbar zugleich.

Den März will das Ensemble zum Trainieren der einstudierten einzelnen Figuren und Texte nutzen, im April wird das Stück mit Darstellern und Szenen zusammengeführt. Und im Mai stehen die Endproben an, bevor es am 31. Mai um 18 Uhr heißt: Vorhang auf.

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