"Internetzugang ist selbstverständlich"

Dominic Ernst vom Verein Freifunk Mittelsachsen erläutert im Interview die Idee, private Hotspots öffentlich zugänglich zu machen

Freiberg.

Dank der Kommunen kann beispielsweise auf dem Markt in Freiberg und Oederan per Smartphone oder Notebook kostenlos im Internet gesurft werden. Nun versucht ein Verein, das Angebot auf privater Basis in Mittelsachsen auszuweiten. 260 Hotspots gibt es bereits im Landkreis. Steffen Jankowski hat dazu den stellvertretenden Vorsitzenden, Dominic Ernst, befragt.

Freie Presse: Ihr Verein plädiert dafür, private Internetzugänge für jedermann freizuschalten. Warum?

Dominic Ernst: Der Zugang zum Internet gilt heutzutage für viele als Selbstverständlichkeit. Leider erschweren viele Hotspot-Betreiber den Zugang durch zusätzliche Hürden wie zum Beispiel Registrierung oder Vorschaltseiten mit Geschäftsbedingungen. Wir als Freifunker möchten mit unserem Projekt zeigen, dass es auch anders geht. Da statistisch gesehen niemand seine Internetleitung rund um die Uhr voll auslastet, geben wir über die Freifunk-Router ungenutzte Bandbreite für die Öffentlichkeit frei, um so ein WLAN-Netz aufzubauen, das von der Bürgerschaft betrieben wird.

In welchen Orten der Region sind Sie bislang aktiv?

Am stärksten sind wir derzeit in Waldheim vertreten, da unser Projekt dort gestartet wurde. Unser Ausbau erstreckt sich derzeit außerdem über Hartha, Meinsberg, Leisnig, Mittweida, Roßwein, Colditz, Grimma, Oschatz und Döbeln sowie weitere einzelne Knotenpunkte in kleinen Ortschaften wie Augustusburg und Niederstriegis. Unser vorrangiges Ziel ist der Ausbau im Landkreis Mittelsachsen. Um in weiteren Orten zu starten, bedarf es lediglich ein paar interessierter Bürger, die bereit sind, den Anfang zu machen. Als nicht kommerzielle Initiative verfügen wir nicht über die Kapazitäten, ganz Mittelsachsen allein zu vernetzen. Wir stehen aber natürlich Unterstützern immer offen und hilfsbereit zur Seite.

Kann Ihre Initiative helfen, "weiße Flecken" auf der Karte Mittelsachsens, sprich Gebiete mit unzureichender Internetanbindung, auszumerzen?

An dieser Stelle muss klargestellt werden: Unser Ziel ist ein freies WLAN-Netz für die Öffentlichkeit. Wir sind kein Ersatz für kommerzielle Internet-Anbieter und möchten dies auch nicht sein. Allerdings hatten wir schon Fälle, in denen unser Freifunk-Netz schneller war als ein unterversorgter Internetanschluss beziehungsweise konnten wir dank der Mitwirkung hilfsbereiter Nachbarn und Firmen schon mehrtägige Internetausfälle bei einzelnen Haushalten und Firmen überbrücken.

Was kostet die Technik? Muss da ein Experte kommen?

Mitwirkende können die Geräte frei im Handel erwerben. Wir unterstützen verschiedene Router-Modelle, die mit unserer Freifunk-Firmware bestückt werden. Die günstigen Geräte für den Einstieg kosten 20 bis 25€ Euro und reichen in vielen Fällen schon aus. Technisch Versierte können den Router mithilfe der Anleitungen auf unserer Webseite selbst einrichten. Wer sich nicht dazu zählt, dem helfen wir gern. Jegliche Unterstützung durch unseren Verein ist kostenfrei, eine fortlaufenden Beitrag gibt es bei uns auch nicht.

Wie werden die Internetzugänge gegen Missbrauch geschützt?

Einen Missbrauch unseres freien Netzwerkes durch die Nutzer können wir nicht verhindern, da bei uns keine Daten überwacht oder aufgezeichnet werden. Wer sein Internet mit zur Verfügung stellt, muss sich dennoch keine Gedanken machen. Jeglicher Datenverkehr des Freifunk-Netzes läuft verschlüsselt über unsere Server-Infrastruktur, bevor er das Internet erreicht. Im Falle eines Missbrauchs sind wir als Verein erster Ansprechpartner und kümmern uns darum. Der jeweilige Fall des Missbrauchs lässt sich auch nicht auf die Internetzugänge unserer Unterstützer zurückverfolgen.

Was verdienen Sie eigentlich bei der Sache?

Wir verdienen mit dem Projekt nichts, das ist und war auch nie unser Ziel. Uns geht es um den Spaß am Aufbau eines großen, selbst verwalteten Netzwerkes. Die laufenden Kosten für gemietete Server decken wir über unseren Mitgliedsbeitrag für aktive Vereinsmitglieder und Spenden. Da wir bei unserem gemeinnützigen Projekt komplett auf Monatsbeiträge der Routerbetreiber verzichten, sind Spenden zur Aufrechterhaltung unseres Netzwerkes notwendig und willkommen.

Kooperieren Sie auch mit Kommunen in Mittelsachsen?

Als Verein wünschen wir uns eine engere Zusammenarbeit mit Kommunen. Leider gibt es auf dieser Ebene viele bürokratische Hürden, die kommunale Projekte und Zusammenarbeit stark ausbremsen oder fast von vornherein zum Scheitern verurteilen. Bisher haben wir mit Kommunikation auf privater Ebene mehr für unser Projekt erreicht, als bei der Zusammenarbeit mit Kommunen.

Der Verein Freifunk Mittelsachsen zählt derzeit neun Mitglieder. Sitz ist in Waldheim. Den Vorstand bilden David Noelte (Vorsitzender), Dominic Ernst und Jan Bretschneider. Zum 31. Oktober gab es in Mittelsachsen 260 WLAN-Knoten , eine Übersicht dazu gibt es auf der Internetseite des Vereins.

www.freifunk-mittelsachsen.de


Ein Tor zur Internet-Welt

Als Hotspot wird in der Telekommunikation eine Stelle bezeichnet, über der sich moderne Mobiltelefone oder tragbare Computer drahtlos mit dem Internet verbinden können. In der Regel wird dabei der sogenannte WLAN- oder Wifi-Standard genutzt. Das Angebot gibt es unter anderem in Bibliotheken, bei der Bahn und auf Flughäfen sowie Hotels, Gaststätten und Cafés. Wer seinen privaten WLAN-Router zum öffentlichen Hotspot machen will, kann Experten wie den Freifunk-Verein zurate ziehen. (jan)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...