Ist doch logo, oder?

Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute: Vom Spiegelei zur Brezel - ein neues Markenzeichen muss her.

Ein missglücktes Spiegelei muss nicht zwangsläufig zur Ehekrise führen. Aber zumindest im Freiberger Stadtrat kann es für Diskussionen sorgen. Nicht etwa, dass sich die Stadträte gegenseitig in die Pfanne hauen würden. Nein, mit Spiegelei betitelte Jürgen Bellmann, der für Haus/Grund im Rat sitzt, das Logo der Bergstadt. Sie wussten noch gar nicht, dass die Stadt ein Logo hat? Genau das ist das Problem. Der Wiedererkennungswert jenes Kreises mit dem blauen Viertelkreis im Inneren ist, sagen wir mal, mäßig.

Was also soll das "missglückte Spiegelei" in Wirklichkeit symbolisieren? Den Sparzwang der öffentlichen Kassen (die blaue Farbe reichte nicht für einen ganzen Kreis)? Aber nein. Es handelt sich um eine stilisierte Siliziumscheibe. Und wer als Tourist noch nicht weiß, dass Freiberg eine uralte Siliziumstadt ist, dass man hier im 12. Jahrhundert das erste Silizium fand und es irrtümlich für Sand hielt, dass man bei uns früher Siliziumtaler prägte und sich noch heute manchmal im Siliziumrausch befindet, der tut uns leid.


Natürlich könnte man über ein etwas einprägsameres Logo zumindest nachdenken. Vielleicht nimmt man einfach das Stadtwappen. Doch "Die Drei Türme" klingt wohl zu sehr nach Tolkiens "Herr der Ringe". Und schließlich sind wir hier ja nicht in Mittelerde, sondern in Mittelsachsen. Böse Zungen behaupten zwar, auch bei uns liefen ein paar Orks rum und so mancher Zeitgenosse habe einen Wortschatz wie Gollum. Stimmt schon, aber das muss ja nicht unbedingt jeder wissen.

Ein Logo sollte Werbung für die Region machen und auf unsere einzigartigen regionalen Traditionen und Spezialitäten verweisen. Zum Beispiel auf die Brezel. Gibt's zwar bei den wenigstens Bäckern hierzulande. Und wenn, dann schmeckt sie oft, als wäre sie ein Museumsstück aus den Zeiten des ersten Silberfunds. Trotzdem ist die Brezel das perfekte Symbol: Schließlich dauert es bei uns manchmal recht lange, bis endlich der Knoten platzt.

Vor allem aber steht die Brezel für ein gesellschaftliches Ereignis, das das Freiberger Brauhaus gerade angekündigt hat: Das weltberühmte sächsische Oktoberfest. Mit von der Partie sind, wie fast immer, wenn in Freiberg irgendeine Event-ualität über die Bühne geht, auch die Eventprofis von der Gastro-Service-Mittelsachsen (GSM). Wie es sich für ein richtiges Oktoberfest gehört, findet die Gaudi natürlich im September statt. Gaudi ist übrigens ein süddeutsches Wort für das, wofür wir hierzulande in den Keller gehen. Nein, nicht das Bierholen ist gemeint. Das kommt beim Oktoberfest zünftig aus dem Zapfhahn.

Ansonsten wünschen sich die Besucher vermutlich eh nur die regionaltypischen Roster und als Beilage eine Bockwurst. Wie immer halt. Hauptsache, die Flüssignahrung schmeckt. Sollten auswärtige Touristen nach bayerischen Schmankerln fragen, dann kann man ihnen ja die alten Brezeln anbieten. Natürlich kommt Obazda drauf - eine kulturell bedeutsame Matschepampe aus Weichkäse, Kümmel und eingeschlafenen Füßen. Aber zur Not tut's auch etwas Butter von der Firma Sachsenmilch, die ohnehin einen Teil ihrer Produkte in Bayern herstellen lässt. Das erkennt man ja schon am Namen. Ist doch logo!

Womit wir wieder beim Thema wären: Dem Logo der Stadt Freiberg. Vielleicht zeichnet man einfach ein stilisiertes Pärchen, das die typisch mittelsächsische Tracht trägt, also Dirndl, Trachtenjanker und Lederhose. Das passt dann zum Oktoberfest: Wenn am Abend DJ Ötzi auf der Bühne nach dem Holzmichl ruft und die Freiberger Eierschecke mit süßem Senf serviert wird, dann steigt die Stimmung und über allem leuchtet der Mond wie eine glänzende, silbrige Siliziumscheibe.

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