Jeder dritte Einwohner im Landkreis lebt allein

Die Region Döbeln ist Mittelsachsens Singlehochburg. Doch nicht immer wohnen Männer und Frauen bewusst ohne Partner oder Familie.

Freiberg/Mittweida.

Gemessen an den 155.000Haushalten im Landkreis existieren in der Region Döbeln mit einer Anzahl von 11.700 die meisten Einpersonenhaushalte. In den Regionen Freiberg (9400), Flöha (8400),Mittweida (7800) und Burgstädt (7100) sind es deutlich weniger. Die wenigsten Single-Haushalte sind in den Regionen Sayda(5900) und Hainichen(4100) zu finden. Das geht aus dem "Ersten Sozialbericht für den Landkreis Mittelsachseen 2010 bis 2014" hervor, den das Landratsamt mit der Hochschule Mittweida erarbeitet hat.

Den Mittweidaer Wissenschaftlern zufolge sind Einpersonenhaushalte vor allem in Städten und städtischen Gebieten zu finden und somit Ausdruck für den Grad der Vereinsamung und Individualisierung der Gesellschaft. Doch das Alleinwohnen sei nur für einen Teil der Menschen eine bewusst gewählte Lebensform. Für andere ergebe sich diese durch Trennung oder Scheidung und vor allem im Alter durch Verlust des Partners durch Tod. So war mehr als jeder dritte Haushalt in Mittelsachsen ein Einpersonenhaushalt. Ein weiteres Drittel machen Paare ohne Kinder aus, Paare mit Kindern ein knappes Viertel. Alleinerziehende schmeißen jeden zehnten Haushalt.

Bei kommunaler Betrachtung werde deutlich, dass der Anteil der Singlehaushalte an den Haushalten von Mittelsachsen in acht Städten und Gemeinden deutlich höher ausfällt. Den Spitzenwert erzielt Freiberg mit 44,6 Prozent gefolgt von Mittweida, Döbeln, Flöha, Rochlitz, Frankenberg, Waldheim, Roßwein und Hartmannsdorf. Die wenigsten Singles leben hingegen in Mochau (22,3), Oberschöna (22,8) und Königsfeld (23,5).

Für Jörg Höllmüller, zweiter Beigeordneter im Landratsamt, geben diese Ergebnisse unter anderem darüber Auskunft, wie sich die Bevölkerungsstrukturen in Zukunft in Mittelsachsen entwickeln. "Wir haben die Möglichkeit, für die nächsten Generationen nach vorn zu denken. Wir brauchen eine soziale Infrastruktur, damit die Menschen sich in Mittelsachsen wohlfühlen", so Höllmüller. Hinsichtlich der älteren Leute seien Angebote wie Seniorencafés sehr wichtig. "Das Mehrgenerationenhaus in Freiberg ist hierfür ein gutes Beispiel."

Der Erste Sozialbericht des Landkreises Mittelsachsen 2010 bis 2014 ist auf der Homepage der Kreisverwaltung unter www.landkreis-mittelsachsen.de einsehbar.


"Lebenslagen der Mittelsachsen für jede Gemeinde abgebildet"

Isolde Heintze von der Hochschule in Mittweida hat die Erarbeitung des Ersten Sozialberichts geleitet. Jochen Walther sprach mit ihr.

Freie Presse: Der Bericht umfasst 414 Seiten. War es schwierig, die Daten zu sammeln?

Isolde Heintze: Die Erfassung und Analyse der Daten ist mit einem immensen Arbeitsaufwand verbunden gewesen. Zunächst musste recherchiert werden, wo es Daten zu den Themengebieten Demografie, Finanzen, Bildung, Gesundheit und Partizipation gibt. Danach wurden sie mit einer speziellen Software aufbereitet. Die erlaubt es, die Lebenslagen der Mittelsachsen kleinräumig für jede Gemeinde abzubilden.

Fast zwei Jahre wurde am Bericht gearbeitet. Wer sollte das Werk nun nutzen und warum?

Auf die Ergebnisse sollten all jene zugreifen, die sich in die Gestaltung der Lebensverhältnisse in Mittelsachsen einbringen wollen. Das trifft auf die Kommunalverwaltungen, aber auch auf Träger, Verbände und Bürger zu.

Sie sprechen vom Funktionswandel des Wohlfahrtsstaates. Wieso?

Der Umfang und die Gewährung sozialstaatlicher Leistungen steht immer auf dem Prüfstand der Politik. Sozialverbände weisen auf die größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich hin. Der Kommune kommt bei der Gestaltung sozial verträglicher Lebensverhältnisse eine tragende Rolle zu. Aus den Ergebnissen zu den Lebenssituationen lassen sich Maßnahmen zur Gestaltung kommunaler Sozialpolitik ableiten.

Also ist der Bericht ein wichtiges Instrument für die Kommunen?

Auf jeden Fall. Die Ergebnisse geben Hinweise, ob ein Handlungsbedarf nötig ist. Zum Beispiel: Wie viele Kita-Plätze werden demnächst benötigt? Wie viele Senioren benötigen Hilfe? Wie sieht es mit der Mobilität aus? Wie kann eine Region attraktiv gestaltet werden, um Familien mit Kindern eine Lebensperpektive zu eröffnen?

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