Jetzt fängt das schöne Buddeln an...

Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute: Baustelle ist, wenn man trotzdem lacht.

Das einzige, was noch mehr nervt als die vielen Baustellen, sind die vielen Zeitungsartikel über die vielen Baustellen. Und die vielen Gespräche über die vielen Baustellen. Andererseits: Worüber soll man sonst reden, während man im Stau steht?

Im holden Lenz zwitschern nun einmal die Vöglein und die Presslufthämmer wummern. Bei uns entsteht ja zurzeit ein Stadtviertel nach dem anderen. Das Gellertquartier zwischen Gellert- und Lessingstraße erinnert zwar noch an ein Pfefferkuchenhaus nach Weihnachten: Jeden Tag fehlt ein weiteres Stück des alten Forschungsinstituts für Nichteisenmetalle. So entsteht Platz für ein neues Wohnviertel. Von den Namen, die die Projektplaner solchen Vierteln geben, sollte man sich allerdings nicht zu viel versprechen. Es ist kaum anzunehmen, dass die Kinder, die einst im Gellertquartier geboren werden, alle Christlieb oder Ehregott genannt werden, zu Ehren des Namensgebers. Und die meisten werden wohl auch keine berühmten Mineralogen.

Auch der Name des Wohnviertels, das gegenüber entstehen soll, ist irreführend: "Freiberger Garten". Dort sollen nicht etwa vorrangig Büsche und Bäume in den Himmel wachsen, sondern Hochhäuser. Nun ja, Namen sind Schall und Staub. Oder hat etwa jemand in Friedeburg schon einmal eine friedliche Burg gesehen? Wie dem auch sei, wir brauchen Wohnraum. Schließlich ist zu erwarten, dass die Menschen, die unverständlicherweise immer noch nicht in Freiberg und Umgebung wohnen, bald hierher ziehen.

Zumal die Bilder von unserer Baustelle am Untermarkt ja diese Woche um die ganze Welt gingen. Denn es ist erstmals gelungen, das Schwarze Loch von Freiberg zu fotografieren. Das Riesenloch unterscheidet sich allerdings in einem Punkt von anderen Schwarzen Löchern: Es ist ganz und gar nicht unsichtbar.

Unsichtbar waren dagegen am Mittwoch die meisten Busse von Regiobus. Entsprechend sah es zum Beispiel am Freiberger Busbahnhof aus wie in einem Schwarzen Loch. Nachdem vor ein paar Wochen Fahrgäste auf die Barrikaden gegangen waren, streikten diese Woche die Busfahrer. Vielleicht ist es besser, man fährt in Zukunft per Anhalter durch die Galaxis.

Zurück zum Untermarkt: Dort sind zeitweise sogar die Durchgänge für Fußgänger gesperrt, sodass man die hübsche Baustelle einmal komplett umrunden muss. Das ist also jetzt wohl die neue Umgehungsstraße, von der alle reden. Es soll aber jemand dagegen geklagt haben, weil der Fußgängerlärm die Kellerasseln im Dom stört. Zum Ausgleich will man eventuell ein Biotop für amphibisch lebende Säugetiere anlegen. Als Standort ist der sogenannte Otterbrunnen am Obermarkt im Gespräch.

Woanders dagegen geht's nicht so schnell voran mit den Bauarbeiten. Schuld sind meistens Fördermittel oder die Tatsache, dass sie fehlen. Vielleicht sollte man lieber wieder auf Förder-Mittel aus alten Zeiten zurückgreifen. Damals wurden mithilfe von Pferdegöpel oder Haspel die schönsten Dinge zutage gefördert. Wenn sich heute kein Silber mehr findet, dann vielleicht seltene Erden, ausgefallene Lehmklumpen oder rare Dreckstücke.

Natürlich könnte man die vielen Baustellen-Löcher auch anders nutzen, etwa für einen Golfplatz oder als Fischteich. Auf dem Untermarkt könnte ein neuer Badesee entstehen. Falls es mit dem Soldatenteich diesen Sommer doch nichts wird, hätte man dann eine Alternative - möglicherweise aber ohne FKK-Bereich. Für Schatten sorgt der Dom, und der geplante Kletterwald kann in den umliegenden Baugerüsten entstehen. Dort können dann auch die Bauarbeiter von morgen üben.

Schließlich muss man an die löchrige Zukunft denken und weiterhin Menschen finden, die für ein paar Silbergroschen unsere Straßen kaputt und dann wieder ganz machen. Eine Firma aus Großrückerswalde hat ihre eigene Methode, um Fachkräfte anzuwerben: Ein Plakat richtet sich an Autofahrer, denen das weiße Sperrschild mit dem roten Rand so gut gefällt, dass sie gerne in die Baustelle hineinfahren. Auf dem Plakat ist zu lesen, dass die Baustelle nur von Bauarbeitern betreten werden dürfe, und: "Falls Sie einer werden möchten, können Sie sich gern unter www.swing-cut.de bewerben." So löst man im Erzgebirge das Problem mit dem Fachkräftemangel. Gedacht - gemacht.

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