Jubiläums-Jubel ein Strohfeuer?

"850 Jahre Silberfund" hat Freiberg 2018 gefeiert. Mehr Übernachtungsgäste hat das der Stadt nicht gebracht - im Gegenteil.

Freiberg.

Für Gerd Przybyla ist es der "Kater nach dem Silberrausch". Der Diplom-Betriebswirt für Tourismus und Marketing hat sich die Übernachtungszahlen für die Stadt Freiberg angesehen. Den Angaben des Statistischen Landesamtes zufolge sind 2018 in der mittelsächsischen Kreisstadt exakt 87.272 Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben ab zehn Plätzen registriert worden. Das Jahr, in dem in Freiberg das Jubiläum "850 Jahre Silberfund" gefeiert wurde, lag damit 1712 Übernachtungen unter dem relativ unspektakulären Vorjahr 2017.

"Im Jahre 2018 gab es eine sehr breite und kostspielige Kampagne 'Freiberg im Silberrausch'. Man hätte erwarten können, dass die vielen Werbemittel, Veranstaltungen etc. eine Steigerung der Tourismuszahlen bewirken", erklärt Przybyla. Da das Gegenteil der Fall sei, "sind das von der Stadtverwaltung stets hervorgehobene und gelobte Standort- und Tourismusmarketing für die Stadt Freiberg regelrecht verpufft und am Markt vorbeigegangen", so der 73-Jährige, der 2011 als Chef der Stadtmarketing-Gesellschaft Freiberg entlassen worden war.


Die Folgen des "verfehlten Marketings" seien insbesondere für die Händler und Gewerbetreibenden immer negativer spürbar, urteilt Przybyla, dessen Frau selbst ein Modegeschäft in Freiberg führt. In Sachsen insgesamt seien die Übernachtungszahlen 2018 gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozent gestiegen, verweist der Tourismusmann auf die Zahlen des Statistikamtes. Und er fügt hinzu, dass zu seiner Zeit, also 2011, noch fast 100.000 Übernachtungen in Freiberg gezählt wurden.

Für Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) sind die Zahlen für Freiberg "nicht gerade berauschend", aber begründbar: "Der Unterschied liegt an der Schließung des Campingplatzes am Waldbad 'Großer Teich' im Jahr 2018, als Weltkriegsmunition gefunden wurde. Seitdem wird die Badestelle und der Campingplatz beräumt." Auf dem Campingplatz habe es 2017 in Summe 1566 Übernachtungen gegeben, so der Rathauschef.

Die Stadtverwaltung habe einen deutlichen Anstieg der Tagestouristen wahrgenommen, so Krüger weiter: "Das spiegelt sich auch in den Stadtführungen wider. Um dem erhöhten Interesse gerecht zu werden, haben wir zusätzliche Führungen ins Angebot aufgenommen." OB Krüger sieht zudem einen Aufwärtstrend in der Hotellerie: "An der Albert-Funk-Straße zum Beispiel entsteht eine Pension mit 60 Plätzen - wenn es nicht lohnenswert wäre, gäbe es solche Investitionen nicht."

Die hohen Werte vor zehn Jahren führt das Stadtoberhaupt vor allem auf Geschäftspartner der Solarworld zurück: "Jetzt gibt es das Unternehmen nicht mehr, dafür ist die Entwicklung der Gästezahlen nachhaltiger." Ähnlich argumentiert auch Anke Krause als Chefin des Gewerbevereins Freiberg: "Die Pleiten bei Solarworld wirken sich natürlich aus." In ihrem Schreibwarenladen begrüße sie aber zunehmend Tagestouristen, so die Geschäftsfrau.

Bemerkenswert ist, dass die Auslastung der Hotels und Pensionen in Freiberg 2018 um 1,9 Prozentpunkte gegenüber 2017 auf 38,8 Prozent gestiegen ist - allerdings waren im Vorjahr noch zwei Beherbergungsbetriebe mehr am Start (siehe Infokasten). Für Franziska Luthardt vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga ist die Auslastung allein aber kein Maß für die Wirtschaftlichkeit der Hotels. "Da spielt beispielsweise auch der Zimmerpreis eine Rolle", sagt die Geschäftsführerin des Regionalverbands Chemnitz.

In der Industrie- und Handelskammer Chemnitz (IHK) haben die gastgewerblichen Unternehmen ihre Geschäftslage im April besser als im Vorjahr bewertet. "Der Saldo aus guter und schlechter Bewertung ist in der Beherbergung um 24 Prozentpunkte und in der Gastronomie um 7 Prozentpunkte gestiegen", weiß Cindy Krause als Fachreferentin für Handel und Dienstleistungen bei der IHK Mittelsachsen.


Das sagen Experten aus der Branche

Annett Grundmann, als Betriebsleiterin verantwortlich für das Schloss-Cafè im Schloss Freudenstein: "Unsere Gästezahlen sind von 2017 zu 2018 sogar noch angestiegen. Ich vermute, dass dies mit dem steigenden Andrang in der gegenüberliegenden "Terra mineralia" zusammenhängt. Schätzungsweise 80 Prozent unserer Gäste sind Besucher dieses Museums, die vor oder nach dem Rundgang durch die Mineralienausstellung bei uns einkehren."

Birgit Holthaus, Pressereferentin der TU Bergakademie Freiberg: "Die schwindenden Übernachtungszahlen haben auf die Museen "Terramineralia" und das Krügerhaus keine Auswirkungen. Für beide Einrichtungen sind Tagestouristen relevanter. Sie kommen aber auch nicht von weit her, sondern circa 80 Prozent aus Sachsen und den benachbarten Bundesländern. Die Besucherzahlen der "Terra mineralia" haben im zehnten Jahr infolge unsere Vorstellungen weit übertroffen. Pro Jahr rechnen wir mit schätzungsweise 50.000 Besuchern. Im Februar konnten wir die einmillionste Besucherin begrüßen."

Yvonne Strauß vom Hotel am Obermarkt: "Von 2017 zu 2018 sind die Gästezahlen bei uns nicht zurückgegangen. In diesem Januar und Februar sind sie sogar gestiegen. Das liegt aber wahrscheinlich daran, dass wir wochentags fast nur Geschäftsleute beherbergen. Touristen kommen zu uns meist nur an den Wochenenden. Dass sie in den Freiberger Straßen weniger werden, ist mir persönlich jedoch aufgefallen." (hlau)


Das besagt die Statistik

Das Statistische Landesamt hat folgende Zahlen für die Stadt Freiberg übermittelt (erfasst werden alle Beherbergungseinrichtungen ab zehn Gästebetten sowie Campingplätze ab zehn Stellplätzen):

2012: 89.250 Übernachtungen

2013: 82.865 Übernachtungen

2014: 81.466 Übernachtungen

2015: 85.859 Übernachtungen

2016: 84.057 Übernachtungen

2017: 88.984 Übernachtungen

2018: 87.272 Übernachtungen

Im vorigen Jahr waren demnach in Freiberg 16 Beherbergungseinrichtungen mit insgesamt 622 Plätzen geöffnet. Das waren zwei Objekte und 55 Plätze weniger als 2017. Im Durchschnitt verweilen die Gäste 2,0 Tage in der Stadt. (jan)

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    Juri
    21.05.2019

    Na Herr Przybyla, da war wohl Ihre Recherche auch nicht viel mehr wert als ein Strohfeuer?
    Freuen Sie sich doch einfach dass "Ihr" Laden so anständig weiter läuft. Dass auch die Generation nach Ihnen engagiert für unsere Stadt am Werk ist, das kann man mit ein wenig gutem Willen überall sehen und bestaunen. Was soll dieses abwertende Gerde?
    "Alles hat seine Zeit".
    Ich mag Menschen, die wissen wenn es genug ist. Ich mag Menschen die mit Ihrer Erfahrung ohne zu bevormunden weiter am Ball bleiben. Ich mag Menschen die der Jugend Raum geben, bei Schwierigkeiten beratend da sind und sich über Erfolge ehrlich freuen können.
    Mit Menschen, die sich für den Mittelpunkt der Welt halten und manchmal sogar nachtreten, mit solchen Menschen kann ich nicht viel anfangen.



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