Jugendherberge begrüßt viele Feriengäste

Der Saydaer Mortelgrund ist eine beliebte Adresse für Familien aus ganz Deutschland. Trotz Corona bleiben nur wenige Betten frei.

Sayda.

Anja Schulz sitzt mit ihren vier Kindern im Bastelzimmer der Jugendherberge im Saydaer Mortelgrund. Die Mutter und ihre drei- bis 14-jährigen Sprösslinge arbeiten an einem Schneemann. "Heute ist das Wetter nicht ganz so gut, da haben wir uns für dieses Angebot entschieden", erzählt die 39-Jährige aus Berlin Biesdorf. Ihr Mann habe aus dienstlichen Gründen leider zuhause bleiben müssen, fügt sie an.

Für Schulzes ist das Erzgebirge Neuland. Sie waren schon in Neuhausen im Nussknackermuseum und im Technischen Museum. Sohn Elias (14) war von der Motorradausstellung und der alten Dampfmaschine angetan. In Seiffen wollen die fünf die Sommerrodelbahn, das Spielzeugmuseum und eine Schauwerkstatt besuchen. Die Jüngeren freuen sich auf das Spielzeugland Stockhausen. Doch auch Angebote in der Herberge wie Kegelbahn und Freischach nehmen sie gern an. "Es gefällt uns sehr gut hier. Das Angebot ist groß und die Hygieneregeln nehmen wir gern in Kauf", sagt die Bürokauffrau. Die Saydaer Herberge hätten sie im Internet entdeckt. Für die Winterferien hat Anja Schulz schon wieder gebucht: "Wir möchten wiederkommen, hoffentlich liegt dann Schnee", sagt sie.

Im Gegensatz zu den Berlinern ist Familie Konzack aus Schipkau in der Niederlausitz Stammgast in Sayda. Seit 1992 kommt sie regelmäßig in die Jugendherberge, knapp 30 Mal in all den Jahren. Am Anfang war die Tochter noch ganz klein, heute ist sie 32 und bringt ihren Sohn Benjamin mit. Für den Erstklässler sind es die ersten Ferien.

"Wir lieben das Erzgebirge, haben eine super Unterkunft, gutes Essen und immer nette Menschen um uns. Ob hier im Haus oder in den Geschäften, alle sind freundlich und zuvorkommend", erzählt Opa Uwe Konzack. Während die Mutter jedes Mal ein Souvenir aus Seiffen mit- nimmt, begeistert sich Benjamin für einen Stein aus der kleinen Sammlung an der Rezeption in der Herberge. In den Winterferien ist auch Familie Konzack wieder in der Herberge angemeldet, "aber nur, wenn Schnee liegt", verrät Uwe Konzack schmunzelnd.

Ulrike Fink, die stellvertretende Herbergsleiterin, freut sich, dass das Haus in den Herbstferien gut gefüllt sein wird. "Das sichert unseren Beschäftigten den Arbeitsplatz", so Fink. Vorgeschriebene Hygienemaßnahmen und damit einhergehender Mehraufwand würden in vollem Umfang mitgetragen. "Auch unsere Gäste bringen großes Verständnis für die derzeitigen Bedingungen auf", lobt Fink. Dies betreffe vor allem den Speiseraum. Weil die Personenzahl eingeschränkt ist, werde das Essen in drei Durchgängen serviert. Obwohl jede Familie ihren eigenen Tisch hat, müssten nach jedem Durchgang Stühle und Tische desinfiziert werden - dies träfe genauso auf alle Sport- und Spielgeräte zu. "Wäsche müssen wir derzeit außerhalb waschen lassen, obwohl wir eine eigene Wäscherei haben. Das verursacht Mehrkosten von bisher rund 2000 Euro", resümiert Ulrike Fink. Von Vorteil wiederum sei, dass die Herbergszimmer alle mit Dusche und WC ausgestattet sind und somit über einen abgeschlossenen Wohnbereich haben.

In Sachsen sind derzeit 22 Jugendherbergen geöffnet, teilt Susan Graf, Leiterin für Marketing und Vertrieb beim Deutschen Jugendherbergswerk, Landesverband Sachsen, auf Nachfrage mit. "Die Herberge in Sayda ist besonders familienfreundlich ausgestattet", sagt sie. Nach den neuesten Beschlüssen der Landesregierung schaue der Verband hoffnungsvoll in die Zukunft. "Wir wünschen uns auch, dass uns die Familien treu bleiben und Schulklassen wieder stärker unsere Häuser besuchen."


Hoteliers: Heute so, morgen so

Besonders beliebt sind in Mittelsachsen und im Erzgebirge aktuell Outdoor-Aktivitäten, der Tourismusverband Erzgebirge verzeichnet viele Wander- und Radfahr-Urlauber. Dennoch herrscht sowohl unter den Urlaubern als auch unter Beherbergungsbetreibern Unsicherheit wegen der hohen Dynamik in Hinblick auf gültige Vorschriften. Viele Urlauber buchen ihre Reisen laut Torsten Fischer, Betreiber der Pension Fischer in Kleinwaltersdorf, sehr spontan, um zu verhindern, dass verschärfte Maßnahmen die Urlaubspläne durchkreuzen. In der "Linde" Großschirma hat es in den letzten Wochen viele Stornierungen gegeben, sagt Betreiberin Sarah Pätzold, auch Geschäftsreisen seien weggebrochen. Beherbergungsverbote haben das Geschäft für die Betreiber erschwert. Reisen mussten verschoben oder storniert werden. Im "Waldhotel Kreuztanne" in Friedebach macht sich laut Betreiber Olaf Thomann bemerkbar, dass keine Gäste aus dem Einzugsgebiet Berlin empfangen werden durften. Am Samstag hat Sachsen das Beherbergungsverbot aufgehoben. Der Tourismusverband Erzgebirge begrüßt diese Entscheidung: "Für die Herbstferien ist das ein wichtiges Signal." Die Beherbergungsbetriebe entlastet die Aufhebung: Sie dürfen mehr Gäste empfangen und müssen nicht mehr kontrollieren, ob Gäste aus Risikogebieten bei ihnen gebucht haben. Die Betreiber befürworten die Entscheidung des Freistaats. Eine bleibende Unsicherheit spüren sie dennoch. (emg)

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