Jugendliche fühlen Politikern auf den Zahn

Auch wenn die Jugendlichen, die am Montag zu einem Begegnungsnachmittag mit den Direktkandidaten für die Landtagswahl kamen, am Sonntag noch kein Kreuz machen dürfen, politisch interessiert waren sie auf jeden Fall.

Freiberg.

Von einer unpolitischen Jugend konnte bei der Diskussionsveranstaltung am Montag in Freiberg keine Rede sein. Etliche Jugendliche kamen am Nachmittag ins Pi-Haus, um den Direktkandidaten für die Landtagswahl auf den Zahn zu fühlen und bei Themen nachzuhaken, die den zukünftigen Wählern wichtig sind.

Doch bevor es in die Gesprächsrunden ging, waren zuerst die Politiker gefordert. Sie sollten sich nicht nur kurz vorstellen, sondern mussten auch eher untypische Fragen beantworten. Dabei sollte beispielsweise Grünen-Kandidat Markus Scholz erklären, für was er Instagram und Facebook nutzt. Jana Pinka von den Linken sollte ihr liebstes Reiseziel mit dem Publikum teilen und Steve Ittershagen (CDU) erzählen, ob er schon mal mit einem Schulsozialarbeiter gesprochen hat. 
Um es aber nicht zu einer klassischen Podiumsdiskussion werden zu lassen, erklärte Moderation Agnes Scharnetzky vom Kinder- und Jugendring rasch, wo die Jugendlichen bei der anschließenden U18-Wahl ihre Kreuze machen können, sodass der Wahlzettel auch seine Gültigkeit behält. 

In den Diskussionen, bei den jeder Kandidat einen eigenen Tisch und acht Minuten Zeit für Antworten auf die Fragen der Jugend bekam, stellten sich schnell zwei Themen als die wichtigsten heraus: Bildungspolitik und Umweltschutz. Beim ersten war eine Gruppe Montessori-Schüler am hartnäckigsten, denn sie seien nach ihren Worten nicht mit staatlichen Schülern gleichgestellt und müssten für die gleiche Anerkennung mehr Prüfungen ablegen. Für Jana Pinka ist das unverständlich. Sie befürwortet die Konzepte von freien Schulen, die Schülern mehr Freiräume zur eigenen Entfaltung geben, bedauert aber gleichzeitig, dass das an staatlichen Schulen fehlt. Auch Philipp Hartewig von der FDP, der in Vertretung für Benjamin Karabinski gekommen war, teilt die Meinung, dass eine Gleichbehandlung noch stärker in den Fokus rücken muss und dies letztlich per Gesetz festgehalten werden müsse. Steve Ittershagen, dessen CDU die Freien Schulen ebenfalls befürwortet, setzt auch ein klares gesellschaftliches Zeichen an die Schüler, die ab sofort bereits ab der siebten Klasse für Gemeinschaftskunde pauken müssen. 

Beim zweiten wichtigen Thema, dem Umweltschutz, gingen die Meinungen derweil auseinander. Rolf Weigand (AfD) wünscht sich vor allem konkrete Forderungen und gute Innovationen, die zum Schutz beitragen, wie er den Schülern erklärt. Für ihn sei ein Vorhaben, die Welt von Deutschland aus zu retten aber unrealistisch. Markus Scholz von den Grünen will unter anderem den weiteren Ausbau der Infrastruktur für die E-Mobilität bewirken. Jana Pinka (Linke) hingegen sieht hier Bedenken. Besonders in Hinblick auf die Rohstoffe wie Lithium, die in Deutschland nur in kleinsten Mengen vorkommen und daher vor allem in Südamerika abgebaut werden, meist zu Lasten der Umwelt, wie sie sagt. Offen steht sie dem allerdings gegenüber, wenn man einen fairen Handel mit den Rohstoffen herstellen könnte. Sie spricht sich daher eher für den Ausbau des Verkehrs von Bus und Bahn aus, der preiswert und für Schüler kostenlos werden soll.. Alexander Geißler von der SPD fordert in Hinblick auf den Klimaschutz zudem den Ausbau der Radwege. 

Im Resümee der Veranstaltung zeigten sich sowohl Politiker, Schüler als auch Veranstalter zufrieden. Es sei in angenehmer Atmosphäre zu tiefgründigen Gesprächen gekommen, was wiederholt werden müsse, sagte Ittershagen.
 

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