Junge Blechbläser finden keine Lehrer

Mit einem Konzert auf dem Marktplatz hat der Nachwuchs der Oederaner Blasmusikanten gezeigt, was er draufhat. Doch es gibt Probleme: Denn für die Ausbildung einiger Musiker fehlen geeignete Pädagogen. Die Leiterin der Musikschule ist bei diesem Thema ratlos.

Freiberg/Oederan.

Spielfreudige junge Musiker, begeisterte Zuschauer, ein rundum gelungenes Konzert: Die "New Generation", so heißt das Nachwuchsensemble der Oederaner Blasmusikanten, hat ihre Probewoche in Langenstriegis traditionell mit einem kostenlosen Gastspiel auf dem Marktplatz in Oederan abgeschlossen. Dort haben Musiker und Sänger am Freitagabend präsentiert, was sie in den fünf Tagen zuvor einstudiert haben.

Für Jonas Ernecke, der das Ensemble dirigiert, waren die Probentage paradiesische Zustände, hatte er doch all seine Musiker ständig um sich; alle konnten sich bei gemeinsamen Übungsstunden weiterentwickeln. Das geht allerdings nur in den Schulferien. Wenn in der kommenden Woche wieder der normale Schulunterricht für die jungen Musiker beginnt, bleiben für ihr Hobby nur ein paar Nachmittage in der Woche Zeit. Für das Ensemble steht dann wieder gemeinsames Einstudieren von Stücken vor der Einzelausbildung. "Die individuelle Schulung der Kinder und Jugendlichen ist nicht unsere Hauptaufgabe", sagt Ernecke. "Diesen öffentlichen Auftrag haben die Musikschulen."


Umso ärgerlicher findet es der 23-Jährige, dass eben nicht alle seiner Schützlinge in der Musikschule des Landkreises ausgebildet werden können. "Es fehlen dort Lehrer für fast alle Blechblasinstrumente", sagt Ernecke. "Unsere jungen Musiker werden immer wieder vertröstet oder landen auf Wartelisten. So verlieren sie schnell das Interesse." Eine dieser Musikerinnen ist Emma Meusel aus Memmendorf. Die 13-Jährige spielt seit drei Jahren Tuba, gehörte an ihrer Schule in Frankenberg zu einer Bläserklasse - dieses spezielle Angebot gibt es dort schon seit vielen Jahren. "Ich habe mich den Oederaner Blasmusikanten angeschlossen, weil ich dort einige Ensemblemitglieder bereits kenne und weil die Busverbindung von Memmendorf nach Oederan passt", sagt sie.

Emma Meusels Traum und auch der von Jonas Ernecke wäre eine Ausbildung im Oederaner "Spital". Dort hat die Musikschule des Landkreises bereits einen Standort; angeboten wird unter anderem Unterricht im Klavierspielen, allerdings keiner für Blechblasinstrumente. Doch auch in Freiberg oder Flöha - für Emma wären diese Städte mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwar schwer, aber immerhin noch in vertretbarer Zeit zu erreichen - gibt es keine Ausbildung in dieser Sparte. Der Grund dafür: Es gibt keine geeigneten Lehrer. "Wir haben allein in Döbeln einen Lehrer, der die Ausbildung mit der Tuba, dem Waldhorn oder der Posaune absichern kann", sagt Margot Berthold, Leiterin der Musikschule Mittelsachsen. "Wir sind uns des Problems der fehlenden Ausbildung an anderen Standorten durchaus bewusst, aber wir haben aktuell keine Lösung dafür."

Berthold sagt, sie habe in den vergangenen Jahren so ziemlich alles versucht, um die offenen Stellen zu besetzen. "Wenn jemand ein Backrezept für Musiklehrer hat - ich nehme es gern", nimmt sie die Situation mit Galgenhumor. Das Problem sei, so die Leiterin, dass kein ausgebildeter Musikpädagoge und auch kein Musikstudent nur für ein paar Stunden und auf Honorarbasis arbeiten wolle, wenn er dafür weit fahren muss. "Und wenn wir ihm mehr Geld bieten, schlägt sich das auf die Mitgliedsbeiträge nieder", sagt Berthold.

Auf der Suche nach einer Lösung wollen die Oederaner nun mit dem Bergmusikkorps "Saxonia" aus Freiberg zusammenarbeiten. Auch dort hat Vereinschef Richard Thum das gleiche Problem. "Auch wir haben einige Kinder, die gern ein Blechblasinstrument erlernen wollen, dann aber auf einer Warteliste landen und das Interesse verlieren", sagt er. Man wolle nun versuchen, selbst Lehrer auf Honorarbasis zu beschäftigen. "Das ist zwar nicht unsere Aufgabe, aber anders scheint es nicht zu gehen", sagt Thum.

Ein anderer Ansatz wird in Frankenberg verfolgt. Hier wurde vor Jahren eine Jugendkunstschule gegründet, die mittlerweile von der Stadt finanziert wird. "Wir haben uns gekümmert und auch Lehrer für alle Instrumente gefunden", sagt Iris Firmenich, Vorsitzende des Städtischen Musikvereins. "Wenn es die Jugendkunstschule nicht gäbe, wären die Kinder auch hier aufgeschmissen."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...