Käfergefahr: Schnelles Handeln notwendig

Der Erzgebirgskreis erhöht den Druck auf Waldbesitzer. Auch in Mittelsachsen droht die Behörde mit Bußgeldern.

Holzhau/Freiberg.

Um Ostern schwärmt sie nach Meinung von Fachleuten aus: die neue Generation der Borkenkäfer. Im Boden wie auch in der Baumrinde von Fichtenbeständen konnten die Käfer gut überwintern. Die extreme Trockenheit 2018 hatte die Bestände geschwächt und anfällig gemacht. Nicht aufbereitetes Schadholz der jüngsten Stürme bildet die weitere Grundlage für die Käfer. Fachleute befürchten deshalb nun eine Massenvermehrung in nicht bekannter Größe.

Der Landkreis Erzgebirge hat wegen der Bedrohung mit einer Allgemeinverfügung reagiert, welche die Erfassung und Bekämpfung von Nadelholzborkenkäfern im Privat- und Körperschaftswald regelt. Waldbesitzer sind demnach verpflichtet, Käferbefall bei der Kreis-Forstbehörde zu melden. Noch vor dem Ausflug der Käfer sollen befallene Bäume aufgearbeitet, aus dem Wald gebracht oder alternativ entrindet und die Rinde entsorgt werden.

Torsten Kleditzsch

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In Mittelsachsen ist eine solche Verfügung "in der Prüfung beziehungsweise Abstimmung", sagt Kreissprecher André Kaiser. Die hiesige Forstbehörde hat Waldbesitzer aufgerufen, "regelmäßige Kontrollen, zumindest alle zwei Wochen durchzuführen". Auch sie drängt darauf, befallene Bäume "schnellstmöglich vor dem Ausflug der Käfer - in der Regel ab Anfang April - zu fällen, aufzuarbeiten und abzufahren", wie es auf der Internetseite der Behörde heißt. Im Vorjahr war die Kreis-Forstbehörde unterwegs, um Waldbesitzer auf Borkenkäferbefall hinzuweisen - und darauf, betroffenes Holz wegzuräumen.

Doch das scheint laut Ingo Reinhold, Leiter des Forstbezirkes Marienberg, nicht einmal den Profis zu gelingen. Allein Sturmtief Eberhard hat Mitte März nach ersten Schätzungen mindestens 60.000 Kubikmeter Holz geworfen. Rund 50.000 Kubikmeter gehen auf das Konto von Schneebruch zu Jahresbeginn. Mindestens bis Mitte des Jahres brauchten die Forstleute Zeit zum Beräumen, wahrscheinlich noch bis ins dritte Quartal hinein, schätzt Reinhold. Ein Problem: Die Kapazitäten an Fremdfirmen sind begrenzt. Hinzu komme die prekäre wirtschaftliche Situation. Die Preise für Nadelrundholz seien wegen der Schadholzmengen um bis zu 50 Prozent eingebrochen. Anfang des Jahres erhielten private Waldbesitzer vom Sachsenforst ein Schreiben, in dem über Bekämpfung und Fördermöglichkeiten informiert wurde. Der Forstbezirk bietet auch Sprechstunden an, die Reinhold zufolge rege genutzt werden. "Bei forstrechtlichen Fragen oder Fragen zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln steht die Kreis-Forstbehörde zur Verfügung", sagt der Kreissprecher.

Der Landkreis Erzgebirge droht Privatwaldbesitzern anhand der Verfügung mit Ersatzvornahmen oder Geldbußen von bis zu 50.000 Euro, falls die Holzschädlinge nicht oder nicht ausreichend bekämpft werden. In Mittelsachsen drohen in schweren Fällen bis zu 10.000 Euro. Kreissprecher Kaiser: "Die Waldbesitzer nehmen den Borkenkäferbefall ernst und versuchen, eine Lösung zu finden. Es war 2018 nicht nötig, Bußgelder zu verhängen."

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