Kämpferin für Kinderrechte ist verstummt

Mitten aus dem Leben gerissen - das wurde Petra Straube. Nun nahmen Wegbegleiter Abschied von der langjährigen Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes.

Freiberg.

1997 war es, als für Petra Straube mit 40 Jahren ein neuer Lebensabschnitt beginnen sollte. Ein Alter, in dem wenige einen beruflichen Neustart wagen, die gebürtige Freibergerin aber schon. In jene Zeit fällt die Geburtsstunde des Freiberger Kinderschutzbundes - eines Vereins, den sie mitgründete, aufbaute, prägte und bis zuletzt lenkte. "Der Kinderschutzbund war ihr nicht nur ein Arbeitsplatz, er war ihr Heimat", sagte Vorstandschefin Irena Joschko am Montagabend vor mehr als 100 Gästen.

Petra Straube war am 17. Oktober plötzlich und unerwartet im Alter von 61 Jahren verstorben. Sie fehlt seither, ihrer Familie, ihren Freunden, Kollegen und Wegbegleitern - das war zur Gedenkfeier im Sozialen Zentrum in Friedeburg spürbar. Es herrschte absolute Stille, als die Redner ihren Einsatz für den Verband lobten, nur unterbrochen durch leises Schluchzen, Schniefen, Schnäuzen. Als engagiert, charakterstark, bescheiden, klug und warmherzig umschrieb Vorstandschefin Joschko die Verstorbene. Ihr Wahlspruch sei "Aktiv für Kinder" gewesen. Das sei ihr stetes Ziel, ihre Lebensaufgabe und ihre Lebensleistung gewesen.

Straube arbeitete nach dem Studium der Kulturwissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität in den 1980er-Jahren in ihrer Heimatstadt zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Bergakademie, danach bei einer Gewerkschaft. Anfang der 1990er-Jahre wechselte sie in die Stadtverwaltung. Ab 1995 war sie bis 1998 als Projektleiterin bei der Gesellschaft für Strukturentwicklung und Qualifizierung, kurz GSQ. Bereits damals engagierte sie sich in der Kinder- und Jugendarbeit. Damals hatte, wie Irena Joschko zurückblickt, Petra Straube die Idee, "mehr zu machen für Kinder und Jugendliche". Sie suchte und fand knapp zehn Mitstreiter, die mit ihr den Kinderschutzbund aus der Taufe hoben. In der Anfangszeit war der Verein in der Schuljugendarbeit aktiv, längst ist aus dem zarten Plätzchen, das durch ehrenamtliches Engagement getragen wurde, ein mittelständisches Unternehmen mit 135 Mitarbeitern geworden. Der Kinderschutzbund ist Träger von sieben Kindertagesstätten in Freiberg, Halsbrücke und Bobritzsch-Hilbersdorf, in denen 850 Mädchen und Jungen betreut werden. An acht Schulen der Region ist er mit neun Sozialpädagogen präsent. Dazu kommt die Arbeit in Schulclubs, im Pi-Haus und im Familienzentrum.

"Petra Straube hat tiefe Spuren hinterlassen", brachte es Vorstandschefin Joschko auf den Punkt. Vorstandsmitglied Jutka Vaida-Fehlberg ergänzte: "Sie war ein Vorbild." Und: "Sie brannte für den Kinderschutzbund." Von einem Verlust sprach Angela Lüken vom Landesverband. "Ihr Engagement war einzigartig und mitreißend", sagte sie. "Eigentlich hatten wir andere Pläne", hob mit tränenerstickter Stimme die Leiterin des Familienzentrums, Anne Kriegel, an. Ein Tag der offenen Tür war im Herbst vorgesehen. Das neue Domizil sollte vorgestellt werden. Doch der plötzliche Tod der langjährigen Geschäftsführerin, die erst im Frühjahr zum ersten Mal Großmutter wurde, durchkreuzte alles. Fassungs- und sprachlos sei sie, fuhr Kriegel fort. Schließlich richtete Ehemann Gerd, der mit Petra Straube 40 Jahre verbrachte und einen Sohn und eine Tochter hat, das Wort an die Anwesenden. "Bei aller Trauer und tiefem Schmerz gilt es, das Familienzentrum mit Leben zu erfüllen." Das sei ihr Ziel und Wunsch.

Und dass es so kommen wird, daran ließen die Verantwortlichen keinerlei Zweifel. "In unserem Herzen und Handeln wird sie weiterleben", so Vorstandschefin Irena Joschko.

Im Sozialen Zentrum an der Kurt-Handwerk-Straße 2 in Freiberg liegt ein Kondolenzbuch für die am 17. Oktober verstorbene Petra Straube aus.

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