Kajakfahrer im Muldaer Wehr gekentert

Zwei Sachsen sind am Sonntag zu einer Tour auf der Freiberger Mulde aufgebrochen. Die Gefahr haben sie unterschätzt.

Mulda.

Tragischer Unfall in Mulda: Zwei Männer haben am Sonntagmittag ihre Kajaks zu Wasser gelassen, um die Freiberger Mulde flussabwärts zu fahren. Während es der 44-Jährige über das Wehr am Sägewerk schaffte, verunglückte sein 62-jähriger Kompagnon. Dessen Kajak tauchte ins Wasser ein wie auch das erste Kajak, hat sich dann aber durch die Strömung quer gestellt und ist vom Strudel erfasst worden.

Mario Kempe aus Mulda stand gerade mit seinem Sohn auf der Brücke, als es passierte. "Ich hab kurz zuvor noch mit ihnen gesprochen, als sie in Höhe Wanderparkplatz in die Mulde eingestiegen sind. Sie sagten, sie wollen Richtung Weißenborn", schildert Kempe. "Ich habe sie noch auf die beiden Staustufen hingewiesen. Außerdem stehen ja auch Schilder am Wehr", sagte er am Montag gegenüber der "Freien Presse".


Der Kajakfahrer war so im Strudel gefangen, dass er seinen Kopf kaum über Wasser halten konnte. Kempe, selbst Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr Mulda, rief Passanten zu, dass sie Feuerwehr und Rettungsdienst rufen sollten. Er selbst habe kein Handy dabei gehabt. Dann lief er zu Georg Gläßer, der gleich am Wehr wohnt. "Ich gab Mario ein Seil und hab selber das Wehr runtergedreht, damit der Strudel nachlässt. Aber keine Chance", schildert Gläßer. Mit dem Seil kamen die Helfer, darunter auch der 44-jährige Kajakfahrer, nicht weiter.

Derweil rückten 26 Kameraden aus Mulda und Großhartmannsdorf an. Sie waren um 11.20 Uhr von der Leitstelle Chemnitz alarmiert worden. Als sie am Wehr eintrafen, trieb der Mann im Strudel. Mithilfe eines Einreißhakens sei es gelungen, ihn aus der starken Strömung und anschließend über die mehr als zwei Meter hohe Ufermauer zu ziehen, berichtet der Muldaer Wehrleiter Gerd Saring. Sie begannen sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen und übergaben den Mann an den Rettungsdienst. Laut Polizei wurde der 62-Jährige in ein Krankenhaus gebracht. "Nach bisherigem Kenntnisstand ist das Befahren des besagten Wehrbereichs untersagt. Ein entsprechendes Verbotsschild weist drauf hin", teilte Andrzej Rydzik von der Polizeidirektion Chemnitz mit.

Am Sonntagmittag hatte die Freiberger Mulde laut Landeshochwasserzentrum einen Pegelstand von 47Zentimetern. Normal sind demnach 21 Zentimeter. Derzeit fließt knapp fünfmal mehr Wasser pro Sekunde die Mulde entlang wie im Normalfall.

Als Leiter des Ordnungsamtes von Mulda warnt Saring explizit Eltern, nicht mit Kindern zu nah ans Ufer heranzutreten: "Bei dem derzeitig hohen Wasserstand, verbunden mit dem starken Gefälle, herrscht eine derartige Strömung in allen Fließgewässern, sodass ein Hineinfallen mit ernsten Folgen enden kann." Vor etwa 15 Jahren habe es schon einmal einen ähnlichen Fall gegeben, sagt er. Im Schnitt hat die Muldaer Wehr 17 bis 20 Einsätze pro Jahr. 2019 sind die 31 Kameraden schon 17 Mal ausgerückt.

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