Kaum ein Bus rollt auf den Straßen

Dem Aufruf zum Warnstreik folgten bei Regiobus fast alle zum Dienst eingeteilten Fahrer. In Freiberg warteten Fahrgäste oft vergebens.

Freiberg/Mittweida.

Marie und Dominic sitzen am Donnerstag gegen 15 Uhr am Freiberger Busbahnhof. Die beiden 17-Jährigen unterhalten sich und genießen die Sonne. Vom Streik der Busfahrer haben sie bisher nichts mitbekommen. "Nein, das wussten wir nicht", sagt der Freiberger, der mit Marie nach Reinsberg fahren wollte. "Das kann man aber nicht ändern. Vermutlich müssen uns die Eltern fahren", fährt Dominic fort. Und Marie fügt an: Ein Streik sei gerechtfertigt, schließlich sei die Arbeit für die Fahrer auch anstrengend, zumal manche Fahrgäste sich nicht benehmen könnten.

Der sachsenweite Warnstreik im regionalen Linienverkehr, den die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag ausgerufen hatte, traf den Nahverkehr in Mittelsachsen hart. "Es war eine hohe Anzahl unserer Mitarbeiter beteiligt", so Regiobus-Geschäftsführer Michael Tanne. Wie viele der Angestellten die Arbeit niederlegten, kann er nicht sagen. Jedoch seien nur vereinzelt Busse des Unternehmens gefahren. "Es kam fast zum Totalausfall unserer Dienste." Jürgen Becker, der für Verdi die Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband führt, spricht gar von einer kompletten Beteiligung aller zum Dienst eingeteilten Fahrer. Nicht am Streik beteiligt waren die Subunternehmer, die im Auftrag von Regiobus fahren. Sie sind landkreisweit auf Linien im Einsatz und decken rund ein Viertel aller Fahrten ab.


Doch nicht alle Fahrgäste nehmen den Streik so entspannt hin wie Dominic und Marie. "Das ärgert mich sehr", sagt der 69-jährige Heinz Birkhahn, der am Busbahnhof nun auf ein Taxi wartet, das ihn zum Forstweg bringt. Mit dieser Ansicht ist Birkhahn nicht alleine. Fahrgäste, die umsonst auf den Bus warteten, hätten laut Tanne gegenüber Regiobus ihr Unverständnis geäußert.

Verdi habe bereits am Montag damit begonnen, Fahrgäste mit Aushängen und Zetteln in Bussen über den Streik zu informieren, sagt Jürgen Becker. "Dass Dritte betroffen sind, die nichts dafürkönnen, tut uns leid. Aber die Arbeitgeber nehmen das mit ihrem Verhalten in Kauf." Die hohe Streikbeteiligung wertet er als Erfolg: "Die Arbeitnehmer haben damit deutlich gemacht, dass sie hinter den Forderungen stehen. Das war ein starkes Signal an die Arbeitgeber."

Mit mehreren Kundgebungen hatten die Busfahrer und andere Angestellte der Verkehrsgesellschaften sachsenweit auf ihre Anliegen aufmerksam gemacht - am Donnerstagmorgen zum Beispiel an den drei größten Regiobus-Betriebshöfen in Freiberg, Mittweida und Döbeln. Auch am Nachmittag halten dort vereinzelte Regiobus-Angestellte die Stellung. Sie fordern eine Lohnerhöhung von 12,30 Euro auf 15,66 Euro für Facharbeiter und eine Erhöhung der Auszubildendenvergütung um 250 Euro im Monat. An dem Streik in Freiberg beteiligt sich ein 19-jähriger Auszubildender von Regiobus. "Mit 660 Euro netto im Monat kann ich keine großen Sprünge machen", sagt er. Die Forderungen der Gewerkschaft halte er für berechtigt. Laut Jürgen Becker wird in Sachsen-Anhalt schon jetzt der geforderte Stundenlohn von 15,66 Euro gezahlt. "Wir wollen gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Was dort geht, muss auch hier möglich sein", fährt der angehende Busfahrer fort.

Regiobus-Chef Tanne hält eine Umsetzung der Forderungen in nur einem Schritt jedoch für unmöglich. "Unsere Lohnkosten würden um mehr als ein Viertel steigen, dieses Geld muss reingeholt werden." Dies sei nur über eine Erhöhung der Tarife oder höhere Zuwendungen vom Landkreis machbar. Die Verhandlungen zwischen Arbeitnehmerverband und Gewerkschaft gehen am Dienstag in die nächste Runde. "Ich hoffe, dass sich beide Seiten verhandelnd aufeinanderzubewegen", sagt Tanne. "Bisher hält Verdi zu dogmatisch an den Forderungen fest." Er sei jedoch optimistisch, dass es zu einer Einigung kommt. (mit acr)

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