Kegler forcieren Bau neuer Anlage

Die bisherige Kegelbahn unweit der Heinrich-Heine-Straße soll abgerissen werden. Das bringt den Freiberger ATSV in Zugzwang. Doch eine Lösung ist in greifbarer Nähe.

Freiberg.

Eine Treppenstufe vor der Eingangstür hat sich abgesenkt. Der Putz wirkt dreckig. Das Gebäude hinter dem Interimsquartier der Polizei in Freiberg, in dem bis Ende der 1970er-Jahre die Mensa der TU Bergakademie untergebracht war, ist in die Jahre gekommen. Im Inneren hingegen ist es aufgeräumt, wenngleich keineswegs modern. Dennoch: Die dortige Kegelbahn unweit der Heinrich-Heine-Straße scheint Top in Schuss. Die fünf grünen Bahnen sind glatt und gerade. Keine Unebenheit ist zu sehen. Die Anlaufbereiche wurden jüngst erneuert und alle Kegel ausgewechselt. Auch die Technik samt Anzeige funktioniert.

Womöglich ein Grund, warum die Anlage rege genutzt wird, wie Felix Wagner als Schatzmeister des Akademischen Turn- und Sportvereins (ATSV) versichert. Fast täglich trainieren auf der Kegelbahn die Sportler des ATSV und am Wochenende finden dort regelmäßig Wettkämpfe statt. Noch dazu nutzen weitere Kegelsportgruppen des BSC Freiberg und des SV Oberschöna die Anlage.

Doch das wird sich in absehbarer Zeit ändern. Das Gebäude soll abgerissen werden. Schließlich braucht der Freistaat für sein neues Behördenzentrum Platz. "Unser Pachtvertrag läuft daher nur bis Mitte nächsten Jahres", sagt Wagner. "Wir hoffen, dass wir verlängern können", ergänzt der Kapitän der Männermannschaft, Michael Hahn. Was beide zuversichtlich stimmt: Solange das Gebäude des Amtsgerichts und der Polizei saniert wird, werden die benachbarten Gebäude als Interimsquartiere gebraucht. Folglich dürften die Arbeiten für das Behördenzentrum auch nicht starten. Eine Anfrage zu der Maßnahme liegt dem Sächsischen Immobilien- und Baumanagement vor, blieb aber gestern bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Fakt ist: Über kurz oder lang müssen die Kegler ausziehen. In den zurückliegenden Monaten und Jahren haben die Verantwortlichen des Vereins deshalb nach Lösungen gesucht. Eine Offerte der Stadt, die Kegelbahn in der Heubnerhalle mit zu nutzen, schlug der Verein aus: Ungeeignet für den Wettkampfbetrieb. Die Herrenmannschaft spielt in der Zweiten Bundesliga. Die Damenschaft war bis zur letzten Saison ebenfalls in der Zweiten Bundesliga. Zwischen den ersten drei Bahnen und der vierten Bahn stehen Säulen. Ein Eingriff ist dort schon allein der Statik wegen teuer. Noch dazu hätte die Kegelbahn erweitert werden müssen, wodurch 15 Parkplätze in der Tiefgarage weggefallen wären. Ein Umbau würde mit geschätzt einer Million Euro zu Buche schlagen.

Ausgaben für einen Neubau liegen in einer ähnlichen Größenordnung. Deshalb war für die Sportkegler klar: Eine neue Anlage zu bauen, wäre ideal. "Aber wir hatten kein Land", fährt Felix Wagner fort. Nach Gesprächen mit der Stadt ist nun ein Areal an der Hainichener Straße, Ecke Friedeburger Straße ins Visier des ATSV geraten. Die Kommune würde, wie der Sportfunktionär weiter erklärt, das Gelände dem Verein über Erbpacht zur Verfügung stellen. Auch an den Kosten für das rund eine Million Euro teure Bauvorhaben beteiligt sich die Stadt mit 225.000 Euro. Einen entsprechenden Beschluss haben die Stadträte bereits im Frühjahr gefasst. Weitere 225.000 Euro hat der Landkreis in Aussicht gestellt. Und mit einem Zuschuss in Höhe von 50 Prozent der Gesamtkosten vom Landessportbund wird ebenfalls gerechnet.

Ohne Finanzspritzen lässt sich für den gut 950 Mitglieder zählenden Verein, davon knapp 140 Kegler, das Vorhaben nicht stemmen. Daran lassen weder Finanzchef Wagner noch Kapitän Hahn Zweifel. Die Planungen dafür laufen. Die neue Kegelbahn, ein Flachbau mit einer Nutzfläche von 425 Quadratmetern, soll über vier Bahnen verfügen, unter anderem auch über einen Zuschauerraum, über zwei Umkleidekabinen jeweils mit Duschen und WC sowie separate WCs für Gäste. Erhalten die Kegler eine moderne Anlage dürften auch Beschwerden, wie folgende, der Vergangenheit angehören. So hatte im Frühjahr 2017 beispielsweise eine Mannschaft aus Thüringen moniert, dass am bisherigen Standort die Toiletten nur über die Umkleidekabinen zu erreichen sind, wie Hahn erklärt. "Wenn zwei Damenmannschaften gegeneinander spielen, ist die Herrentoilette blockiert", fügt Wagner an.

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1Kommentare
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  • 0
    0
    Juri
    22.08.2018

    Und mal über den Bairischen Garten nachdenken? Ist das eine Schnapsidee?



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