Kein Schrecken, dafür Herzlichkeit

Viele sehnen sich danach, die Welt zu entdecken. Anja und Markus Schubert aus Halsbrücke tun es. Neun Monate reisen sie durch Afrika und berichten für "Freie Presse". Heute: Togo, Benin und Nigeria.

Halsbrücke/Lomé.

Wir bereisen Togo von Nord nach Süd - Ziel ist Lomé am Atlantik. Davor gehts 650Kilometer durch dieses tolle, recht fortschrittliche Land. Es gibt wenig Müll, die Menschen wohnen in richtigen Häusern und kleinen Gehöften anstatt in Lehmhütten. Zunächst geht es in die Höhlenstadt von Nok, wo sich zu Kolonialzeiten die Einheimischen vor den Sklavenhändlern versteckt und in einer Grotte eine kleine Stadt mitten am Steilhang errichtet haben.

Da in der bergigen Grenzregion zu Ghana mehrere Wasserfälle liegen, beschließen wir, den größten, den Yikpa-Fall, zu erkunden. Wir wandern bei 35 Grad drei Kilometer auf engen Pfaden durch den Dschungel, davon zwei Kilometer steil bergan. Aber die Anstrengung lohnt sich und wir genießen das kühle Bad. In der Nähe befindet sich eine ehemalige Kolonialsiedlung mit gut erhaltenen Gebäuden und einem deutschen Friedhof, die Misa-Höhe. Nach einigen Tagen kommen wir in Lomé an. Neben modernen Gebäuden findet man hier Überreste der Kolonialzeit, wie den Präsidentenpalast und die Landungsbrücke, die Lomé vor mehr als 100 Jahren erst zum Handelszentrum des Landes gemacht hat.

Nachdem wir zwei weitere Visa organisiert haben, geht es ins benachbarte Benin. Dort besichtigen wir Ganvié, ein auf Stäben und Pfählen errichtetes Dorf in einem See. Es gibt Rathaus, Krankenhaus, Kirche, Marktplatz und auch sonst findet alles auf dem Wasser statt: Vom Boot aus wird gehandelt, gekocht, gebettelt. Eine krasse Art zu leben und sehr beeindruckend. Anschließend recherchieren wir nochmals über die kommende Durchquerung von Nigeria.

Vor keinem Land wird auf der Transafrika so gewarnt. Ein Land so groß wie Deutschland, aber mit mehr als 180 Millionen Einwohnern. Im Norden wütet Boko Harram, eine islamistische Terrororganisation, ständig hört man von Anschlägen und neuen Entführungen, und im Süden treiben Rebellen im Deltagebiet des Niger ihr Unwesen.

Und wir müssen mitten durch diese Region, weil mögliche Umfahrungen noch gefährlicher sind. Und dazu gibt es Straßensperren von korrupten Polizisten und weitere Kontrollstellen, bei denen selbst ernannte Polizisten in zivil die Hand aufhalten. Insgesamt passieren wir in drei Tagen circa 80 Kontrollen, bei denen wir bei gut der Hälfte gestoppt werden. Eines ist jeder Kontrolle gemein: die Leute sind bewaffnet mit Stöcken, Macheten oder Maschinengewehren. Auch ein Nagelbrett ist jedes Mal auf der Straße zu sehen. Vor das Auto auf die Straße geschoben, zwingt es zum Anhalten.

Besonders witzig: Einige Polizisten versuchen, einen Gesetzesverstoß zu konstruieren: So meint beispielsweise einer, dass wir mit deutschem Kennzeichen nicht hier fahren dürften, sondern dies nur mit in Nigeria registrierten Fahrzeugen erlaubt sei. Wir lachen aufgrund dieses Versuchs, bleiben stets höflich, zahlen an keiner der Kontrollen einen Cent und kommen unbeschadet und ohne ein schlechtes Erlebnis in Calabar an.

Vielmehr haben wir auf dem Weg unglaublich nette Menschen kennengelernt. Da wir in ganz Nigeria sicherheitshalber nur in Hotels übernachtet haben, sind wir dort rasch in Kontakt mit den Einheimischen gekommen, die durchweg alle freundlich und nett waren.

Das einzig wirklich Herausfordernde war der Straßenverkehr, weil man jederzeit mit Geisterfahrern und wahnsinnigen Überholmanövern rechnen muss. Durch das immerfeuchte Klima und die Nähe zum Äquator stehen mitunter auch ganze Straßenabschnitte unter Wasser inklusive steckengebliebener Lastwagen und Busse. Letztlich haben wir uns im gesamten Land sicher gefühlt, auch wenn wir Nigeria trotzdem im Eiltempo durchquert haben. Und so haben sich für uns zum Glück sämtliche Schreckensberichte, die wir zuvor im Internet gelesen hatten, als völlig überzogen herausgestellt.


Von Nord nach Süd

Anja und Markus Schubert touren seit Wochen durch Afrika. Beide wollen innerhalb von neun Monaten den Kontinent von Nord nach Süd durchqueren. Nach der Hochzeit im September 2017 schmiedeten Schubert, Jahrgang 1984, und seine gut zwei Jahre jüngere Partnerin Anja Pläne für eine längere Auszeit - ihre Wahl fällt auf Afrika. Anja Schubert wuchs in Halsbrücke auf, Markus Schubert stammt aus Conradsdorf. (acr)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...