Keine Chance mehr für Bananenschale und Ökologie

Bis zum Jahresende gab es in der Brander Wohnungsgenossenschaft Biotonnen. Nun werden diese Abfälle mit dem Restmüll vermischt. Nicht jeder Mieter kann das nachvollziehen.

Brand-Erbisdorf.

Die Wohnungsgenossenschaft Brand-Erbisdorf hat die Biotonne abgeschafft. Seit Jahresbeginn entsorgen die Mieter den Bio- und den Restmüll nun gemeinsam in der schwarzen Tonne, wie Ines Kaden, kaufmännischer Vorstand der Genossenschaft, bestätigt. Inzwischen sind die braunen Tonnen beispielsweise von Standorten am Ring der Einheit abgeholt, heißt es von Mietern.

Warum aber wird der Müll nicht mehr getrennt? Das fragen sich Mieter der Genossenschaft. Zwar seien sie durch Aushänge über die Veränderung informiert worden. "Eine Begründung dafür soll es erst in der nächsten Mieterzeitung geben", heißt es von einem Anwohner am Ring der Einheit.

Ines Kaden erläutert, dass eine Erklärung auf Aushängen zu umfangreich sei. "Deshalb kommt es schriftlich in unseren regelmäßigen Mietermitteilungen." Für die Umstellung nennt sie mehrere Gründe. So sei in den Wintermonaten der Biomüll in den Tonnen mitunter eingefroren. Im Sommer hingegen hätte die Hitze Ungeziefer angezogen. Mit speziellem Pulver rückten Handwerker diesem dann zu Leibe. "Unsere Handwerker haben aber eigentlich andere Aufgaben", so Ines Kaden. Zudem hätte es immer wieder Beschwerden gegeben, dass Gartenfreunde unter den Mietern Gartenabfälle unrechtmäßig in den Biotonnen entsorgten. "Das ist den anderen Mietern gegenüber unfair, denn zahlen müssen alle dafür", erklärt die kaufmännische Chefin. Sie bezieht in die Kritik an falscher Entsorgung durch die Mieter jedoch nicht nur die Biotonne ein. Gleiches treffe für die Gelbe Tonne zu.

Die Biotonne abzuschaffen, sei in den Überlegungen der Brander Genossenschaft nicht neu. Schon vor einigen Jahren habe die Leitung dies erwogen, jedoch damals wieder verworfen. Den letzten Ausschlag für das aktuelle Abschaffen der Biotonne hat nun, wie Ines Kaden sagt, die Servicegebühr gegeben, die der Genossenschaft vom Entsorger auferlegt wurde. Zahlen will die Genossenschaft hierzu nicht nennen.

"Die Bioabfallentsorgung wird durch die Firma Becker Umweltdienste erbracht. Die dazugehörigen Preise wurden auf privatrechtlicher Dienstleistungsbasis zwischen Becker und der Wohnungsgenossenschaft Brand-Erbisdorf verhandelt", erklärt Jens Irmer, Geschäftsführer der Entsorgungsdienste Kreis Mittelsachsen (EKM), und fügt an: "Um nicht nur einen ökologischen Anreiz zu bieten, sollte die ergänzende Bioabfallentsorgung in Summe preiswerter sein als die reine Restabfallentsorgung." So fallen auf Grundlage der Gebührenordnung von EKM seit Jahresbeginn für die Entsorgung der 80-Liter-Restmülltonne eine Festgebühr von 3,20 Euro pro Monat sowie je Entleerung 4,20 Euro an. Das Abholen einer 80-Liter-Biotonne - in Brand-Erbisdorf direkt durch die Firma Becker Umweltdienste - kostet 6,49 Euro, eine einmalige Stellgebühr von 9,53 Euro kommt hinzu. Entsprechend der Behältergröße steigen die Kosten bei jeglicher Entsorgungsart an.

"Die Mehrzahl der Großvermieter sammelt Bioabfall getrennt. In den Altkreisen Döbeln und Mittweida ist historisch bedingt der Anteil deutlich größer. Im Altkreis Freiberg gibt es noch einiges an Nachholbedarf", sagt EKM-Geschäftsführer Jens Irmer mit Blick auf die aktuelle Umstellung bei der Wohnungsgenossenschaft. "Wahrscheinlich ist der Restabfall im Vergleich zu anderen Landkreisen noch zu preiswert, sodass der organisatorische Mehraufwand für eine separate Erfassung des Bioabfalls für einige Großvermieter noch nicht finanziell lukrativ scheint", mutmaßt er.

Während die Firma Becker den Bioabfall zur Firma Schächer nach Conradsdorf bringe, erfolge die Entsorgung des gemischten Restabfalls über die Restabfallbehandlungsanlage in Chemnitz. Nach Wasserentzug und Herausfiltern von Metallen werde das Endprodukt als Ersatzbrennstoff in das Kraftwerk Jänschwalde gebracht. Die Firma Schächer schreibt auf ihrer Internetseite, dass "Bioabfälle zur Energiegewinnung genutzt werden" können. Hierzu würden sie in Biogasanlagen vergoren, um das Biogas zu nutzen.

Die Wohnungsgenossenschaft will nach den Worten von Ines Kaden nun beobachten, ob das Aufkommen an Restmüll steigt und dann gegebenenfalls reagieren. Die EKM hält den Wechsel der Genossenschaft zur gemischten Restmüllentsorgung "für nicht ökologisch, aber es ist ihre Entscheidung", sagt Jens Irmer. Er bedauert: "Leider ist die EKM vor vollendete Tatsachen gestellt worden, ein vorheriger Wunsch nach Beratung oder Moderation unsererseits wurde seitens der Genossenschaft nicht an uns herangetragen."

Auch die Wohnungsgesellschaft Brand-Erbisdorf ist als Großvermieter mit der Müll- und Abfallentsorgung befasst. Anfragen zu Art und Gründen der Entsorgung ließ die Geschäftsführung unbeantwortet.


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