Kita-Verantwortliche fordern mehr Personal

3400 Erzieher mehr als vor Jahren arbeiten an sächsischen Einrichtungen. Trotzdem reicht das nicht, wie die Chefin des Kinderschutzbundes findet.

Freiberg.

Auch wenn sich die Lage entspannt hat, fehlen in sächsischen Kitas und Horten nach wie vor Erzieher. "Für das einzelne Kind muss mehr Zeit bleiben", sagt die Vorstandsvorsitzende des Freiberger Kinderschutzbunds, Irena Joschko. Der Verein ist Träger von fünf Kitas mit insgesamt rund 500 Plätzen. Allein im Sozialen Zentrum an der Kurt-Handwerk-Straße können im Kindergarten und in der Krippe bis zu 160 Mädchen und Jungen betreut werden. In der Einrichtung an der Friedeburger Straße sind es zurzeit 50. Knapp 30 Mitarbeiter kümmern sich in Summe um diese Kinder.

Joschko fordert nicht nur mehr Personal. Sie will, dass die Politik in Dresden auch anderweitig nachjustiert. Ab Juni werden den Erziehern bis zu zwei Wochenstunden Vor- und Nachbereitungszeit gewährt. "Die ist nicht ganz so, wie wir uns das wünschen." Teilzeitkräfte hätten entsprechend weniger Stunden.


Am gestrigen Montag, dem Tag der Kinderbetreuung, hat die Chefin des Kinderschutzbundes Werbung für ihre Anliegen gemacht und den beiden Landtagsabgeordneten Jana Pinka (Linke) und Henning Homann (SPD) hunderte Briefe von Eltern, Kindern und Erziehern aus rund 30 mittelsächsischen Einrichtungen übergeben. Die Wünsche sind vielfältig, wie die Leiterin des Sozialen Zentrums, Uta Leonhardt, erklärt. Tenor sei aber, dass sich Kinder mehr individuelle Zeit mit ihren Erzieherinnen wünschen.

Der Problemlage ist sich auch Vize-Fraktionschef Homann bewusst. Die Regierung hätte zwar in der laufenden Legislaturperiode das "größte familienpolitische Projekt" auf den Weg gebracht. Dabei verwies er auf 3400 Erzieher, die eingestellt wurden. Zudem hätte das Land fast eine dreiviertel Milliarde Euro auf fünf Jahre zur Verfügung gestellt. Dank des Geldes konnten laut Homann der Betreuungsschlüssel verbessert, die Vor- und Nachbereitungszeit eingeführt und der Kita-Zuschuss an die Kommune erhöht werden. Aber auch der Landespolitiker sieht weiterhin Handlungsbedarf. "Der Betreuungsschlüssel muss ehrlicher werden." Bisher würden Urlaubs- und Krankheitstage genauso wenig berücksichtigt wie etwa Fehlzeiten aufgrund von Fortbildungen. Linkenpolitikerin Jana Pinka will sich, wie sie sagt, ebenfalls für eine Verbesserung im Kita-, aber auch im Hortbereich stark machen.

Den Aktionstag nutzten auch der CDU-Landtagsabgeordnete Steve Ittershagen und AfD-Landespolitiker Rolf Weigand. So besuchte Ittershagen in Hilbersdorf die Tagesmutter Viola Tost. "Die Arbeit der Kindertagespflege ist wichtig", sagt der Freiberger CDU-Politiker. Diese dürfe bei der Betrachtung nicht vergessen werden. Weigand war unter anderem in Langhennersdorf. Der Personalschlüssel sei weiter ein Thema. Auch mehr Mittel für Weiterbildung seien wünschenswert.

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