Kleines Wasserrad als Modell für die Reiche Zeche

Die Muldaer Mühlenbauer sind in Vorbereitung der Sächsischen Landesausstellung gefragt. Ihr Werk dafür ist fast fertig.

Mulda.

Der "Silber-Boom" in Freiberg ersteht neu. Zwar ganz anders als vor Jahrhunderten, als das Silber aus dem Berg gefördert wurde. Das Thema "Schauplatz Erz" soll während der 4. Sächsischen Landesausstellung Besucher auch nach Freiberg locken. Denn einer der Schauplätze innerhalb der Ausstellung vom 25. April bis zum 1. November 2020 wird die Reiche Zeche sein. Dabei können die Gäste unter Tage auch das Werk des Muldaer Mühlenbauers Gottfried Schumann und seiner Mitarbeiter bewundern.

"Wir bauen derzeit ein 1,20 Meter großes Wasserrad für das Besucherbergwerk in Freiberg", berichtet der Mühlenbauer. Nach seinen Worten soll es einen Platz unter Tage in dem neu gestalteten Besucherbereich erhalten, denn dieser werde für die Landesausstellung hergerichtet. "Wir bauen aber nicht nur das Modell des Wasserrades neu, auch der sogenannte Kunstwinkel und eine Fahrt - das ist so eine Art Fahrstuhl für Bergleute - entstehen neu. Das alles wird der Ersatz für das alte Modell, das es in der Reichen Zeche schon gab", berichtet der 63-jährige Mühlenbauer.

In dem Fels unter Tage - also im Besucherbereich der Reichen Zeche - gab es dafür einen gravierenden Eingriff: Im Mai und Juni des vergangenen Jahres wurde in das Gestein eine drei Meter hohe, drei Meter breite und gut 2,5 Meter tiefe Öffnung gesprengt, damit dort das Modell des Wasserrades nun aufgestellt werden kann. Dieses hatte in der Vergangenheit lange seinen Platz an anderer, etwas versteckter Stelle und soll nun deutlich zentraler präsentiert werden. Insgesamt 48 Kilogramm Sprengstoff waren nötig, um die Nische zu schaffen, wie Stefan Leibelt, der die Sprengung durchführte, jüngst berichtete. "Das ergab rund 22 Kubikmeter Felsgestein, das wiederum machte 36 Kubikmeter Masse aus", sagte Leibelt. Finanziert wurde das Vorhaben mit Mitteln der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Stiftung für Kunst und Kultur der Sparkasse Mittelsachsen.

Zur Landesausstellung können sich die kleinen und großen Gäste in dem noch heute betriebenen Bergwerk bei verschiedenen Touren auf die Spuren der Bergbau-Vergangenheit begeben, dabei aber auch Gegenwart und Zukunft erkunden. Das in Mulda gebaute Wasserradmodell und seine Funktionsweise können den Besuchern helfen, technische Zusammenhänge besser zu verstehen. Und obwohl der Aufwand groß gewesen ist, um den künftigen Besucherbereich zu gestalten, sprechen die Mühlenbauer lediglich von einem kleinen Wasserrad, das in ihrer Werkstatt entstand.

In den vielen Jahren seines Handwerks hat Mühlenbauer Gottfried Schumann mit seinem Team schon so manches überdimensionale Rad gebaut. "Das größte in unserer Werkstatt gefertigte war 8,90 Meter im Durchmesser", erinnert er sich an ein zurückliegendes Projekt aus dem Bergwerksmuseum Straßberg im Harz. Denn die Schumann'sche Mühlenbauhandschrift trägt nicht nur die Reiche Zeche. Auch im Frohnauer Hammer in Annaberg-Buchholz, in der Saigerhütte in Olbernhau, im Freibergsdorfer Hammer sowie im Eisenhammer in Dorfchemnitz drehen sich Muldaer Mühlenräder. Selbst die Mühlenanlage im Deutschen Museum in München und eine ähnliche Wasserradanlage im Technischen Museum in Wien auf einer Fläche von rund 20 Quadratmetern erlebten ihre Geburtsstunde in Mulda. Weit mehr als 120 Anlagen in den vergangenen drei Jahrzehnten waren es insgesamt.

Für Gottfried Schumann steht fest: Das alte Handwerk des Mühlenbaus soll im Bewusstsein der Bevölkerung bleiben, mit dem Ziel, die Wasserräder als technisches Denkmal zu begreifen und zu erhalten. (mit wjo)


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