Klinikum gibt Jugendpsychiatrie auf

Nur noch bis zum Jahresende werden in Mittweida Kinder und Jugendliche stationär behandelt. An Alternativen für die jungen Patienten und die 60 betroffenen Mitarbeiter wird noch gearbeitet.

Mittweida.

Es ist nicht das erste Mal in der jüngeren Vergangenheit, dass die insgesamt 60 Beschäftigten der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) des Mittweidaer Krankenhauses das Aus ihrer Abteilung vor Augen haben. Bereits im November 2016 wurde der stationäre Betrieb der KJP in Mittweida eingestellt - damals noch vorübergehend bis April 2017. Nun ist die Entscheidung endgültig: Die kreiseigene Krankenhausgesellschaft LMK gibt den Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie zum Ende dieses Jahres auf. Das bestätigte am Donnerstag der LMK-Geschäftsführer Florian Claus auf Nachfrage der "Freien Presse". Anfang der Woche waren die betroffenen Beschäftigten, 15 davon arbeiten in der zur KJP gehörenden Tagesklinik in Riesa, informiert worden.

Geschäftsführer Claus begründete die Entscheidung vor allem mit der über Jahre hinweg schwierigen Personalsituation in der KJP. Und auch das erinnert an eine frühere Krisensituation. So stand Ende 2016 die Zukunft der Chemnitzer Station, die seit 1999 zur LMK gehörte und von ihr betrieben wurde, auf der Kippe. Grund: Das Mittweidaer Krankenhaus war auf Grund von Personalmangel nicht mehr in der Lage war, die Betreuung der Patienten an beiden Standorten vollständig zu gewährleisten. Im Frühjahr 2017 einigten sich die LMK und das Chemnitzer Klinikum darauf, die Chemnitzer Station der KJP in das Chemnitzer Klinikum zu integrieren. Im Juni 2017 schien die größte Personal-Lücke in Mittweida geschlossen. Damals übernahm Barbara Freudenthal den lange vakanten Posten der Chefärztin der KJP.

Nun wird sie laut Geschäftsführer Claus aber zum Jahresende in Rente gehen. Und das ist nicht die einzige Sorge. Die Besetzung von Facharztstellen sei in den vergangenen Jahren ein "stetiger Kraftakt für alle Beteiligten" gewesen. Jetzt würden hohe gesetzliche Vorgaben für psychiatrische Kliniken das Problem aber noch zusätzlich verschärfen. Dabei seien die Kapazitäten der Kinder- und Jugendpsychiatrie mit 30 Betten zur stationären Behandlung in Mittweida und 10 Betten der Riesaer Tagesklinik gut ausgelastet. Pro Jahr wurden in dem Bereich 300 Kinder und Jugendliche stationär behandelt. Doch es sei insgesamt schwierig für ein kleines Krankenhaus wie Mittweida, eine solch spezialisierte Fachrichtung zu betreiben. "Wir haben uns die Entscheidung zur Abgabe des Versorgungsauftrages aber nicht leicht gemacht", erklärte Claus auch im Namen der Aufsichtsräte der LMK.

Einem Großteil des von der Schließung der Abteilung betroffenen Personals sollen nun berufliche Perspektiven innerhalb der Mittweidaer Krankenhausgesellschaft eröffnet werden. "Ich gehe davon aus, was für das Gros der Beschäftigten eine Stelle in der LMK zu finden sein wird", sagte Claus. Er habe dem Team seinen "aufrichtigen Dank für ihr außerordentliches Engagement in den letzten Jahren" ausgesprochen. Für die Mitarbeiter gebe es nun verschiedene Alternativen zur Weiterbeschäftigung in Mittweida, als auch an anderen Einrichtungen, welche die kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung künftig übernehmen. Auch ein Wechsel an andere Kliniken sei also möglich.

Auch um die Weitervermittlung der Patienten an andere Versorger will sich die LMK nun kümmern. "Wir sorgen dafür, dass es eine lückenlose Anschlussbehandlung in anderen Häusern gibt", versicherte Claus. In Mittelsachsen gibt es aber keine weiteren stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Wie die Verteilung der Behandlungskapazitäten auf andere Klinikstandorte erfolgt liege im Ermessen des sächsischen Sozialministeriums.

Andere Abteilungen, wie zum Beispiel die vom Freiberger Kreiskrankenhaus geführte Kinderklinik in Mittweida, seien von der Schließung der KJP nicht betroffen. "Gerade in der Kinderklinik wollen wir das Leistungsspektrum noch erweitern", so der Geschäftsführer.

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