Knappschaft hütet ihre Schätze

Jacken, Hosen, Arschleder, Froschlampen, Steigerhäkchen - sie alle zeugen von einer jahrhundertealten Tradition im Bergbau.

Kleinode besonderer Art hütet die Historische Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft. Es sind Jacken, Hosen, Arschleder und etliches mehr. Zusammen zeigen die Kleidungsstücke eine jahrhundertelange Entwicklung im Bergbau: von der sauberen Arbeitskleidung der Berg- und Hüttenmänner bis hin zur prächtigen Uniform.

Es gab ausreichend Bildmaterial dazu, und so begann der Vereinsvorstand, über Jahre ein kleines Archiv dieser textilen Kostbarkeiten aufzubauen. Er hob alles auf, was er an Original-Exemplaren vom einstigen Bergbau- und Hüttenkombinat geerbt hatte und was Bürger brachten. Zusätzlich ließ er Trachten und Uniformen aus längst vergangenen Zeiten neu anfertigen.

So entstand zum Beispiel bergmännische Bekleidung von 1580. Orientierung gaben vor allem geschnitzte Figuren aus dieser Zeit, aber auch ein Bergmann, der in der Kirche von Brand-Erbisdorf steht. Später tauchten auch schriftliche Hinweise zu diesem Thema auf. Was fehlte, nähte der Marienberger Schneidermeister Klaus-Jürgen Seiler in seiner Werkstatt nach alten Skizzen oder Beschreibungen, die er von den Freibergern zur Verfügung gestellt bekam. Inzwischen gibt es im Bestand unter anderem Uniformen nach Vorschriften von 1668, 1792, 1853, 1934 und 1952.

Auch alte Froschlampen, Steigerhäkchen und anderes bekommt der Verein ab und zu aus Nachlässen geschenkt. Von den Erben eines verstorbenen Mitgliedes erhielt die Bergparade zum Beispiel nicht nur die aktuelle Paradeuniform mit Säbel und anderem Zubehör zurück, sondern gleich noch einen mindestens 100 Jahre alten Säbel sowie ein historisches Steigerhäkchen.

All diese Gaben hüten die Männer von der Knappschaft wie ihren Augapfel. Roland Tschajanek hat als Verantwortlicher der Uniformkammer dafür den Hut auf. "Im Bestand haben wir 275 Uniformen, die der Saxonia-Freiberg-Stiftung gehören und zu den aktuellen Paraden getragen werden", sagt er. "Dazu kommen rund 60 historische Stücke von 1550 bis 1989. Von vor 1949 besitzen wir nur einige Einzelstücke, aus der Zeit danach allein durch die sogenannten Ehrenkleider des DDR-Bergbaus einige mehr."

Er freut sich, dass es immer wieder Leute gibt, die alte Uniformen und anderes nicht wegwerfen, sondern zum Verein bringen. Derzeit katalogisieren die Mitglieder der Uniformkammer die gesammelten Zeugnisse längst vergangener Zeiten. Etliche der originalen und historisch nachempfundenen Stücke können in Glasvitrinen in der Knappenstube bewundert werden. Doch ab und zu gehen sie auch auf Reisen oder bekommen einen Träger.

Zu sehen waren sie beispielsweise in einer Ausstellung im Bergbaumuseum Oelsnitz oder bei Vorträgen. Eine besondere Ehre wurde ihnen zuteil, als Mitglieder der Bergparade Anfang Juni zur Freiberger Orgelnacht in die Kleider schlüpften. Passend zum Jahrhundert, aus dem die Uniform stammt, spielte der Organist in der Petrikirche Musik aus dieser Zeit. "Das war der Knüller, wunderschön", so Tschajanek. Er kann viele lustige Episoden erzählen, die immer wieder mal in der Kleiderkammer und darüber hinaus zu herzlichen Lachern führen.

"Wenn eine Uniform neu angefertigt wird, dann immer in der Standardgröße unseres Vorsitzenden", verrät der 66-Jährige. "Und weil er eine seltene Kopfgröße hat, müssen wir zu Vorführungen immer Leute mit großem Kopf heraussuchen, damit denen der Hut nicht über die Ohren rutscht." Auch mit einem ungewöhnlichen Arschleder gab es Spaß. Bei einer Steigeruniform von 1768 ist das Arschleder so lang, dass der Träger dachte, es sei eine Schürze, und die trug er natürlich vorn und nicht überm Hinterteil. "Der Chef hätte das bemerkt, aber der war nicht da", so der Kleiderkammerverantwortliche.

Nach den Ausflügen der textilen Raritäten werden diese immer wieder sorgsam eingeräumt. Oft kommen auch Interessenten zum Fotografieren. Schnitzer schauen sich die Details der Uniformen zum Beispiel genau an, um ihre Figuren identisch zu gestalten. "Wir sind stolz auf das, was wir in unserem Archiv haben", meint Tschajanek. "Wir vervollständigen den Bestand noch und wollen ihn ab und zu auch der Öffentlichkeit zeigen." Er wünscht sich, dass eine solch lebendige Präsentation in der Stadt wie zur jüngsten Orgelnacht keine Eintagsfliege bleibt.

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