Koreaner legt sich extra für Deutschland neuen Vornamen zu

Elias Gyungseok Han hat heute seinen ersten Opernauftritt in Freiberg. Zur Spielzeiteröffnung begeisterte der Bariton die Zuschauer. Und brachte sie zum Schmunzeln.

Freiberg.

Aus Seoul über Berlin nach Freiberg: Elias Gyungseok Han ist seit dieser Saison neu am Mittelsächsischen Theater. Heute Nachmittag ist der Bariton erstmals als Colline in der Puccinioper "La Bohème" zu erleben.

Kurze Verwirrung vor dem Gesprächstermin: Wo steckt Elias Han? Plötzlich schallt Gesang durch das Foyer. Der junge Sänger steht am anderen Ende und schmettert eine Arie. Ein toller Empfang. Kurz darauf erzählt der Koreaner, dass er genau die eben gesungene Arie (aus der Oper "Hérodiade" von Jules Massenet) bei seinem Vorsingen für die feste Stelle im Freiberger Ensemble dargeboten hat. Zudem sang er damals eine Kantate aus Kurt Weills Berliner Requiem. Noch am selben Tag sagte ihm Intendant Ralf-Peter Schulze, dass er genommen wird. Dazu Elias Han: "Ich wusste gar nicht, was ich sagen soll. Es war ja mein erstes Vorsingen - und es hat gleich geklappt." Sofort rief er seinen Lehrer an der Universität der Künste in Berlin an. Der Kammersänger Professor Siegfried Lorenz freute sich natürlich ebenfalls über den Erfolg seines Schützlings. An der Berliner Uni hatte Elias Han sein Diplom- und "Master Oper"-Studium mit 1,0 abgeschlossen.

Han entschied sich als Elftklässler für eine Sängerkarriere - nachdem er Dietrich Fischer-Dieskaus "Winterreise" von Franz Schubert gehört hatte. "Das hat mich total begeistert", sagt er. Später erhielt er Stipendien vom Deutschen Akademischen Austauschdienst und der Richard-Wagner-Stiftung und gewann Preise beim Internationalen Musikwettbewerb Köln und "International Young Opera Singers "Ondina Otta" Maribor.

In der Theaterbar im zweiten Stock erzählt der Sänger, wie er zu seinem deutschen Vornamen Elias kam. "Gyungseok kann hier kaum keiner aussprechen. Und niemand kann sich meinen Namen merken", sagt er. Deshalb habe er beschlossen, sich einen neuen Vornamen zuzulegen. Seine Freunde unterbreiteten ihm diverse Vorschläge. Eine Freundin überlegte kurz und sagte dann "Elias". Zehn Minuten später rief sie ihn - und er reagierte. Sein neuer Vorname war gefunden. Han lacht und sagt: "Ich habe sie zu einem teuren Italiener eingeladen."

Seit zehn Jahren lebt er in der Bundesrepublik und spricht fast akzentfrei deutsch. Wortgewandt und charmant präsentierte sich der junge Baritonsänger Han zur Spielzeiteröffnung im Freiberger Theater - bis auf einen Patzer. Als Intendant Schulze ihn fragte, worum es in seiner Arie in der Mozartoper "Don Giovanni" geht, sagte er: "Ich lese als Diener Leporello vor, welche Frauen mein Herr gebu... hat." Lacher im Publikum. Später hörte er von vielen Seiten, dass die öffentliche Äußerung - mindestens - grenzwertig war. "Zur Spielzeiteröffnung in Döbeln habe ich ein anderes Wort gewählt: verführt", sagt Han. Ihm sei das Ganze peinlich. "Aber ich bin eben kein Muttersprachler. Bei den feinen Nuancen habe ich manchmal Probleme."

Ansonsten scheint er aber gut in Mittelsachsen angekommen zu sein. Von Freiberg wusste er schon einiges, denn seine Mitbewohnerin in der Wohngemeinschaft in Berlin kommt aus Freiberg. Elias Han lächelt spitzbübisch und sagt: "Als ich von Seoul nach Berlin kam, war Berlin eine Kleinstadt." Freiberg gefalle ihm sehr gut, auch die Umgebung, die er mit dem Fahrrad erkunde. Wenn er frei hat, werkelt er in seiner Wohnung in Altstadtnähe. Stolz erzählt er, dass er aus Europaletten einen Couchtisch baut. "Der Vater meiner Mutter war Schneider, der Vater meines Vaters Tischler - das liegt mir im Blut." In der Stadt sei er oft mit dem Longboard unterwegs. "Die Leute sind sehr freundlich", so der Sänger. Das treffe auch auf das Theater zu: "Es ist ein angenehmes Arbeitsklima."

Die letzten Tage steckte er mitten in den Proben zur Puccinioper "La Bohème", in der er heute Nachmittag seinen ersten Auftritt hat. Als nächstes folgen der Löwe im musikalischen Märchen "Der Zauberer von Oz" und der Apotheker Lorenzo in "Romeo und Julia", eine Oper von Vincenzo Bellini, die halbszenisch aufgeführt wird. Und Elias Gyungseok Han betont mehrfach, wie er sich auf seine Rollen am hiesigen Theater freut. "Ich danke Gott, der mir diese Stimme geschenkt hat", sagt er.

Für die heutige "La Bohème"-Vorstellung ab 14.30 Uhr gibt es noch Restkarten.

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