Kostenexplosion bei Kita-Umbau

Die Arbeiten in Siebenlehn werden 400.000 Euro teurer als geplant. Zudem verzögert sich ihr Ende weiter. Die gestiegenen Baupreise sind nur ein Grund.

Siebenlehn.

Teurer und langsamer: Die Arbeiten an der Siebenlehner Kita "Amalie Dietrich" ziehen sich hin und kosten obendrein deutlich mehr als geplant. In ihrer jüngsten Sitzung berieten die Stadträte über zusätzliche Ausgaben von fast 257.000Euro für den Umbau und die Erweiterung der Einrichtung, die sich in Trägerschaft des VdK befindet. Die Baukosten betragen nach jetzigem Stand reichlich 1,64 Millionen Euro. Im Fördermittelantrag ging die Stadt noch von rund 1,24 Millionen Euro aus. Das Projekt liegt also mittlerweile etwa 400.000 Euro darüber - über 30 Prozent. Schon mehrfach hatten die Stadträte zusätzliche Ausgaben beschlossen.

Laut Bürgermeister Volkmar Schreiter (FDP) wird auch der Zeitplan nicht eingehalten. Anfangs sollte der Umbau im Spätsommer beendet sein. Inzwischen musste die Stadt Eltern und Erzieher zum zweiten Mal vertrösten. Der Umzug soll nun am 18. /19.November erfolgen, also vor dem Buß- und Bettag.

Bauamtsleiter Frank Jänich wies darauf hin, dass das Beantragen der Fördermittel für die Sanierung des Altbaus und den Anbau langwierig gewesen sei. Die Anträge auf Zuschüsse über das EU-Programm hätten bis Ende 2017 eingereicht werden müssen. Für den Förderantrag seien die Kosten bei laufendem Kita-Betrieb ermittelt worden, weshalb ein tiefergehende Prüfung nicht möglich gewesen sei. Und entgegen anfänglicher Pläne zog die Einrichtung interimsweise in den Sportpark Großschirma um.

Seit Januar laufen die Arbeiten, wobei mit dem Schuppenabriss begonnen wurde. "Zuerst war alles im grünen Bereich. Aber je weiter wir in das Kita-Gebäude reingegangen sind, umso mehr Schäden in der Bausubstanz wurden deutlich", so Jänich. Auch sicherheitstechnische Mängel, so zum Brandschutz, seien aufgetaucht. Darauf habe man auch reagieren müssen, um die Auflagen des Landesjugendamtes zu erfüllen.

Die Küche, in der eigentlich keine Veränderungen geplant waren, wies Schimmelbefall auf. Deshalb mussten das Inventar entfernt und der Fußboden saniert werden. Zudem wurden die Wände gemalert. Ferner war die Tragfähigkeit mehrerer Decken laut Jänich "sehr eingeschränkt", weshalb die Decken teils abgestützt werden mussten. Kopfzerbrechen bereitete auch das Dach. Marder hatten die Dämmung verschmutzt. Weil auch die Elektroanlagen in die Jahre gekommen sind, rang man sich dazu durch, diese zu erneuern. Derzeit werden die Außenanlagen hergerichtet. Als weitere Ursache für den Kostenanstieg nannte Jänich die allgemeine Erhöhung der Baukosten. Bei vielen Ausschreibungen lagen die wirtschaftlichsten Angebote deutlich über der Kostenberechnung der Planer.

Dass die zusätzlichen Ausgaben "nicht ganz überraschend" kommen, sagte Gunther Zschommler (CDU): "Wer ein altes Haus hat, weiß, dass immer Überraschungen lauern können." Wenigstens sei das Projekt aber gut für Siebenlehn und für die Kinder, so der Großschirmaer. Bürgermeister Schreiter ergänzte, dass es bereits die vierte Kindertagesstätte ist, die die Stadt umbaut. "Wir sind froh, dass wir Fördermittel bekommen", sagte er. Vize-Bürgermeister Rolf Weigand (AfD) brachte seine Empörung zum Ausdruck, dass der Umbau über 30 Prozent mehr als geplant kostet. "Das ist von der Planung her ärgerlich. Es ist doch nicht der erste Kindergarten in Sachsen, der saniert wird", so der Kleinvoigtsberger. Zudem wollte er wissen, warum die Außenanlagen statt 100.000 Euro jetzt 130.000 Euro kosten. Laut dem Bauamtsleiter war die Kita zum Zeitpunkt der ersten Planung Eigentum des VdK, inzwischen gehört sie der Stadt. Zunächst seien keine Arbeiten an den Außenanlagen beziehungsweise im Innenhof geplant gewesen. Später wurden diese einbezogen. Allerdings seien einige Spielgeräte marode.

Laut Weigand werden die Spielgeräte in Kitas eigentlich einmal im Jahr von einem Gutachter geprüft. Er fragte, wann das letzte Gutachten eingeholt wurde. Darauf erwiderte Jänich, dass der VdK als Kita-Träger die Spielgeräte regelmäßig überprüfen lässt. Der parteilose Sebastian Veit aus Siebenlehn, der für die AfD im Stadtrat sitzt, wollte wissen, ob die Kosten jetzt so bleiben oder vielleicht weiter steigen könnten. Dazu Planerin Grit Möschke in der Sitzung: "Das kann ich jetzt nicht sagen." Das Bauprojekt sei fast, aber noch nicht ganz beendet. Sie zeigte sich optimistisch, dass die Arbeiten bis Ende Oktober abgeschlossen sind. Die parteilose Birgit Neuhäußer aus Großschirma, die für die AfD im Stadtrat sitzt, regte deshalb an, den Beschluss zu den Mehrausgaben bis zum Bauende zu verschieben. Dazu Bauamtsleiter Jänich: "Aber die Handwerker wollen ihr Geld." Deshalb sei der Beschluss nötig.

Letztlich stimmten die Stadträte zu, es gab eine Enthaltung. Bürgermeister Schreiter dankte Eltern und Erziehern für ihre Geduld.

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