Kühe fahren auf Roboter ab

Die Agrargenossenschaft Bobritzschtal hat eine neue Melkanlage angeschafft. 800 Tiere werden dort zweimal pro Tag gemolken. Die hochmoderne Anlage ist die dritte ihrer Art in Deutschland.

Oberbobritzsch.

13 Melkboxen sind im Halbrund angebracht. Einige Kühe steuern zielgerichtet darauf zu, andere beäugen die Maschinen zuerst neugierig, ehe sie doch dorthin trotten. "Manche haben durchaus ihre Lieblingsbox", sagt Lars Furkert, Vorsitzender der Agrargenossenschaft (AG) Bobritzschtal. Er ist stolz auf die neue Roboter-Melkanlage für gut 2,5 Millionen Euro, die vor wenigen Tagen eingeweiht worden ist.

Ist das Rind in seiner Box angekommen, schließt sich hinter ihm die Tür. Dann raschelt es durch Röhren, die von oben herunter führen. Futter fällt in einen Trog, aus dem die Kuh in Ruhe fressen kann. Währenddessen kommen von unten Bürsten an das Euter, die mit Wasser und Borsten diese reinigen und dabei sanft massieren. Angenehm soll das laut Furkert für das Tier sein, und anregend - die Milch soll dadurch stärker einschießen. Schließlich fährt ein Roboterarm die doppelwandigen Melkbecher unter die Zitzen. Mit einem Laserstrahl wird alles abgetastet und so findet jeder der vier Becher den richtigen Platz. Zwischen 15 und 20 Liter Milch werden abgenommen - und das zweimal pro Tag.

Die hochmoderne Anlage ist die dritte ihrer Art in Deutschland. Die Investition war notwendig, meint der Chef. Die bisherige Anlage ist in die Jahre gekommen und steht nun stillgelegt nebenan. "Mit alter Technik kann man immer weniger junge Leute für den Beruf des Landwirts begeistern", meint Furkert. "Es ist so schon schwierig genug, Nachwuchs zu finden", fährt er fort.

Nacheinander lösen sich die Melkbecher wieder von den Zitzen. Die vordere Tür öffnet sich und die Kuh kann auf einen Gang hinaus wieder zu ihrem Stall gehen. Derweil werden die Melkbecher gereinigt, die hintere Tür geht auf und die nächste Kuh kann eintreten.

800 Kühe hat die Agrargenossenschaft. 700 Tiere werden gemolken, 100 sind trächtig. 9000 Liter Milch gibt eine Kuh pro Jahr. Doch es ist offenbar noch Luft nach oben vorhanden. 10.000 Liter wären besser, wie Lars Furkert einschätzt. Seit Jahren steigt die Milchleistung kontinuierlich. Waren es nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im Jahr 2000 im Schnitt erst rund 6200 Liter Milch, lieferte eine Kuh im Jahr 2018 durchschnittlich gut 8100. Einzelne Kühe können sogar bis zu 12.000 Liter Milch geben.

Auf einem Monitor kann der gesamte Melkvorgang beobachtet werden. "Die Roboter messen dabei etwa Fett- und Eiweißgehalt, aber auch die Leitfähigkeit der Milch", erklärt Furkert. "Und wenn irgendwo die Werte nicht stimmen, dann erkennt die Technik das auch." So kann schnell herausgefunden werden, ob eine Kuh eine Entzündung hat oder anderweitig krank ist. Um diese Tiere einfacher von der Herde zu nehmen, um sie ärztlich zu versorgen, soll bald ein Wartebereich mit mehreren Schleusen errichtet werden. "Tierwohl wird bei uns großgeschrieben und es zahlt sich aus", ist der Landwirt überzeugt. "Wenn es der Kuh gut geht, dann lebt sie länger und gibt entsprechend länger Milch."

Sein Motto beschreibt Furkert so: Gute Fütterung, gute Haltung, gute Zucht. Doch all das muss finanziert werden. 22.000 Liter Milch werden jeden Tag hygienisch gewonnen, auf 4 Grad abgekühlt und dann einmal täglich abgeholt. Ziel sei, 25.000 Liter zu erreichen. Insgesamt arbeiten 60 Mitarbeiter in der AG. Neben den 800 Milchkühen betreuen die Mitarbeiter noch 800 Jungtiere. 1600 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 400 Hektar Grünland müssen jährlich bewirtschaftet werden.

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