Künstler aus dem Irak entführt in "1000 und eine Nacht"

Seit zweieinhalb Jahren lebt Naser Kotey in Freiberg. Dass er jetzt in der Theatergalerie ausstellt, ist einem Zufall zu verdanken.

Naser Kotey aus dem Irak (l.) stellt seine Arbeiten in der Theatergalerie aus. Volker Träger vom Kunstverein (r.) nennt er seinen "Bruder".

Von Angelika Neumann

Gemälde und Keramik stellt der Mann aus dem Irak aus. Im kleinen Galerieraum und im oberen Foyer des Theaters hängen seine Bilder und entführen teilweise in "1000und eine Nacht". Marktszenen aus dem alten Bagdad mit riesengroßen Teppichen und Gefäßen erinnern an Märchenhaftes. Daneben poetische Arbeiten, die Blumen und Gemälde, Pferde und eine Brücke zeigen - und ein Goetheporträt.

Warme leuchtende Farben, aber auch dunkle und düstere bestimmen die Arbeiten von Naser Kotey. Auf der einen Seite romantische Motive, auf der anderen Szenen zum Nachdenken über das politische Geschehen in seinem Land und der Welt. Der Künstler verarbeitet mit seiner Malerei auch das im Irak Erlebte. Er arbeitete dort als linksorientierter Journalist, Schriftsteller und Maler. Vier Bücher hat er in seinem Heimatland herausgebracht, und bekam Preise dafür. Doch vor allem sein journalistisches Wirken brachte ihm nicht nur Sympathien ein. Er musste das Land verlassen. Seit zwei Jahren und sieben Monaten lebt er in Freiberg. Er mag diese Stadt und ihre Menschen.

Ein Zufall brachte Kotey mit Volker Träger vom Freiberger Kunstverein zusammen. Die Leiterin eines Asylbewerberheimes machte letzteren auf den malenden Iraker aufmerksam. "In seinem Zimmer war alles voller Bilder, das gerade in Arbeit befindliche stand zwischen zwei Stuhllehnen", so Träger. "Ich habe ihm erst mal eine Staffelei besorgt, und er war glücklich." Seitdem riss der Kontakt nicht mehr ab. Die Männer besuchen sich gegenseitig, und Naser Kotey wirkte an Projekten für Migranten mit, unterstützt von den Künstlerverbänden Chemnitz und Berlin. Auch an einem Symposium im Garten des Langenauer Holzbildhauers Volker Beyer nahm er teil, und im Keramikzirkel pflegt er ein weiteres Talent. Die Grundlagen dafür brachte er als gelernter und zum Meister gekürter Stuckateur mit. Ab und zu entwirft er in Deutschland deswegen auch Wandschmuck mit Ornamenten und Formen seiner Heimat.

"Naser verehrt die europäische Kunst, kennt sich mit deutschen Malern, Schriftstellern und Musikern bestens aus", erzählt Träger. "Er kennt Thomas Mann und Johann Sebastian Bach." Der Iraker nickt und ergänzt: "Ich liebe Franz Kafka, Hermann Hesse, Bertolt Brecht." Und Kotey schwärmt von den Leipziger Museen. "Er ist dankbar für Kontakte zu anderen Künstlern", spricht Träger für ihn, "und experimentiert auch mit moderner Malerei. Ich wusste bisher über irakische Kunst nichts, wir tauschen uns jetzt aus." Der Iraker lernt Deutsch, bemüht sich. Doch er ist noch auf dem Weg. Mittler zwischen dem 59-Jährigen mit den tiefschwarzen Augen und seinem "Bruder", wie er Träger nennt, wurde ein Neffe, der in Chemnitz lebt und die deutsche Sprache bereits beherrscht.

Gemeinsam hängten die zwei Männer die Bilder der Ausstellung auf. Ein großes Bild eines liegenden Jesus mit Kreuzigungswunden zieht die Blicke auf sich. Es ist eine Nachbildung eines Werkes von Holbein der Jüngere "Der Leichnam Christi im Grabe". Dieses Motiv mag der irakische Künstler besonders, wie er zu verstehen gibt, und spricht vom russischen Dichter Dostojewski, der sich in seinem Werk "Der Idiot" auch mit Jesus befasste. Für die Zukunft wünscht sich Naser Kotey, dass er seine Frau nach Deutschland holen kann und seine Bücher mit arabischen Geschichten ins Deutsche übersetzt werden.

Die Ausstellung "Malerei und Keramik" von Naser Kotey wird heute Abend, 18 Uhr in der Theatergalerie offiziell eröffnet und ist bis zum 21. September zu sehen.

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